Irmscher Inspiro

Irmscher Inspiro

Irmscher Inspiro

— 10.04.2002

Der schärfste Opel

Der Inspiro fährt: Die Irmscher-Studie ist nicht nur rollende Visitenkarte, sondern ein 220-PS-Roadster mit Opel-Teilen und Gänsehaut-Garantie. Stellt sich die Frage: Wird er je gebaut?

Die Haut glänzend grau und matt wie ein Urviech, böses Xenonlicht aus sechs kleinen Pupillen - wenn der Inspiro in freier Wildbahn parkt, möchte man ihn zur Sicherheit anleinen. Aus dem Stand springt er in sechs Sekunden auf 100 km/h, das sind gefühlte 160, weil dir die Frühlings-Kälte bis auf die Haut schneidet. Wie bitte, das soll ein braver Opel sein? Genau gesagt, ein Irmscher Inspiro. Der Roadster, der auf dem Genfer Salon faszinierte, ist nicht nur Schaustück, sondern fährt wirklich. Lenkt, geht, zwickt, fordert. Glückwunsch an Irmscher, die mitten in Opels Flaute ein rassiges Sportgerät auf die Räder stellen, das so richtig Wind macht: erstens mit 220 PS aus dem getunten V-Sechszylinder (natürlich von Opel), zweitens mit einer kompromisslosen Form und Funktion.

Rassiges Sportgerät mit 220 PS

Der Macher: Geschäftsführer Günther Irmscher (30) ist für den erstaunlich kompletten Prototyp verantwortlich.

Inspiro – das ist Roadster pur. Und zwar schon beim Einsteigen. So warm die karogesteppte Lederlandschaft auch einlädt, die Sitzschalen entpuppen sich als Schraubstöcke für Winterspeck. Tief im Beintunnel kämpfen mühsam zwei Füße und drei Pedale um Platz, das Sportlenkrad ist kaum größer als eine Untertasse. Anlassen auf Knopfdruck – Irmscher weiß, wie man Spaß inszeniert. "Wir wollen zeigen, was wir als Entwicklungs-Dienstleister draufhaben", sagt Günther Irmscher junior. Der Sohn des gleichnamigen Firmengründers, gerade auf einen Chefsessel geklettert, hätte auch sagen können: was wir als Motortuner draufhaben, als Produzent von Opel-Sportzubehör, als Motorsport-Rennstall oder einfach als Denkschmiede. Irmscher, das ist heute eine Gruppe von 22 Firmen, mit 550 Mitarbeitern und rund 100 Mio. Euro Umsatz.

Fahrwerk wie ein sanftes Brett

Von wegen nur Spoiler. Und alles Know-how fließt in diesen 3,70 Meter langen Zweisitzer: die GFK-Karosserie aufs Hundertstel exakt vermessen, der Gitterrohrrahmen erprobt im Irmscher 77 (die Lotus-Kopie baut Irmscher seit 1994), das Fahrwerk ein sanftes Brett. Herauskommen 900 Kilo Leergewicht, theoretische 235 Spitze und ein Fahrgefühl, als sei man selbst Reifen, Rahmen und Auto. Anders gesagt: Das ist der schärfste Opel aller Zeiten. Wenn ein Speedster in der Fernsehwerbung seinen Fahrer schon zum Zittern bringt, ja dann riskiert man im Inspiro garantiert einen Herzinfarkt.

Die Lenkung (ohne Servo) verlangt Bullenkräfte, während das Hinterteil jeden Asphaltflicken eingestempelt kriegt. Die ersten drei Gänge, klonkklonkklonk, sind schnell durchgeschaltet, dann tost auch schon der Sturm. Denn der Inspiro hat keine Türen, keine Fenster und ein Nichts von Frontscheibe. Von Windschutz wollen wir erst gar nicht reden. Heißt nicht ein Nasenspray so ähnlich - Inspiro? Dieses Auto trennt die Sitzheizungs-Bummelanten gnadenlos von den letzten Gusseisernen. Wie viele gibt es davon? Und was würden sie für das Spaßgerät zahlen? Fragen, die Günther Irmscher bald beschäftigen werden. Weil der Inspiro nicht nur seine Industrie-Kunden ansteckt, sondern bestimmt auch manchen Roadster-Fan.

Technik V-Sechszylinder, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 2962 cm3 • 162 kW (220 PS) bei 6300/min • Fünfganggetriebe • Hinterradantrieb • Sperrdifferenzial • Gitterrohrrahmen mit Kunststoffkarosserie • Einzelradaufhängung rundum • Reifen 205/50 ZR 16 vorn, 235/45 ZR 19 hinten • Leergewicht 900 kg • Zuladung 170 kg • Länge/Breite/Höhe 3705/1775/1110 mm • Scheibenbremsen, Ø 312 mm vorn, 261 mm hinten • 0-100 km/h in 6 Sekunden • Spitze 235 km/h

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