Irrtum ausgeschlossen

Irrtum ausgeschlossen

— 23.08.2004

Geisterfahrer wissen, was sie tun

Der ADAC warnt: 50 Prozent aller Falschfahrer wenden bewußt auf der Autobahn - die Straftat gilt als Mutprobe.

DW/DPA Falschfahrer auf Autobahnen sind ein unkalkulierbares und tödliches Risiko. Verkehrssichernde Maßnahmen, die einen solch lebensgefährlichen Irrtum verhindern sollen, sind oft vergebens. Denn nach neuesten Erkenntnissen des ADAC ist jeder zweite Geisterfahrer bewußt auf der falschen Seite unterwegs.

Dem Automobilklub liegen verschiedene Untersuchungen unter anderem des Bundesamtes für Straßenwesen zu dem Thema vor. Demnach wenden gut 50 Prozent der Falschfahrer vollen Wissens auf der Autobahn. Daß die vorsätzliche Geisterfahrt mit Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ein Straftatbestand ist (bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe drohen hierfür), fordert jüngere Verkehrsrowdys eher noch heraus. Für einige von ihnen gilt die Kamikaze-Fahrt als Mutprobe.

"Zuwenig Sprit, einen Scheibenwischer verloren, den Regenschirm am Rastplatz vergessen", all das hätten Autofahrer später bereits als Gründe genannt, sagt Jolanta Tober, die Ingenieurin und Referentin für Straßen- und Verkehrsplanung beim ADAC. "Der Autofahrer denkt: Es ist ja nur ein ganz kurzes Stück, das wird schon gehen – und dann wird gewendet."

Am vergangenen Wochenende erst waren bei München auf der Autobahn A8 in Richtung Stuttgart vier Menschen gestorben, als ein 80 Jahre alter Autofahrer wendete. Er wollte offenbar zurückfahren, weil er in die falsche Richtung geraten war. Eine Vielzahl von Falschfahrten geschehe aber auch versehentlich durch Unaufmerksamkeit, erläutert Tober. Streß, Dunkelheit, aber auch schlechte Wetterbedingungen wie Nebel, Regen oder Schneefall könnten dazu führen, daß Autofahrer die Orientierung verlieren und auf der falschen Fahrbahnseite landen.

Ältere Autofahrer seien hier nicht besonders gefährdet. "Es geht quer durch die Altersgruppen", unterstrich sie. Nach der Verkehrsstatistik von 2002 sind Ältere eher unterdurchschnittlich oft in Unfälle verwickelt. Demnach machen die über 65jährigen 9,6 Prozent der Unfallverursacher aus, stellen aber 17,1 Prozent der Bevölkerung. Die Anteilsmäßig meisten Unfälle verursachen demnach mit 28,9 Prozent die jungen Autofahrer bis 25 Jahre, die wiederum nur acht Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Eine Untersuchung in Österreich ergab, daß unter den Geisterfahrern überdurchschnittlich viele Männer bis 40 Jahre waren, die zudem getrunken hatten. "Wenn man vom typischen Geisterfahrer reden will, dann ist er männlich und alkoholisiert." Nach der österreichischen Studie, die Zahlen von 1987 bis 1999 auswertete, waren 52 Prozent der männlichen Geisterfahrer jünger als 40 Jahre, 69 Prozent von diesen wiederum hatte Alkohol getrunken.

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