Italdesign Corvette Moray

Italdesign Corvette Moray Italdesign Corvette Moray

Italdesign Corvette Moray

— 21.07.2003

Cowboy im Maßanzug

Zum fünfzigsten Geburtstag der Corvette hat Fabrizio Giugiaro den US-Sportwagen neu eingekleidet – als italienische Interpretation einer amerikanischen Ikone.

Ist ja nur ein Showcarrrrrrr

Alleine schon, wie er das R rollt: "Ssiiis iiis nott a rrrrrretrrrrrro-design", sagt er voller Überzeugung, mit umwerfend italienischem Akzent in seinem eigentlich fließenden Englisch. Er fährt mit der Hand die scharfe Kante an der Seite seiner einzigartigen Corvette entlang: "Ich habe zwar eine Menge Details verbaut, die tatsächlich aus der langen Historie dieses Sportwagens kommen, aber das Design weist in die Zukunft."

Er, das ist Fabrizio Giugiaro, Sohn des großen Giorgetto Giugiaro und auf dem besten Weg, in die Fußstapfen seines berühmten Vaters zu treten, und er durfte sich austoben: ein Showcar auf Basis des C5 Cabrios. Kaum Eingriffe in Antriebsstrang oder Chassis, aber rundum ein "neuer Anzug" – vor zweieinhalb Jahren begonnen, seit dem Genfer Salon 2003 fertig als Corvette-Interpretation von Italdesign zum 50. Jubiläum des US-Sportwagens. Mit offizieller Genehmigung von GM. Und mit einer noch nie dagewesenen, äußerst verwegenen Dachkonstruktion, innen amerikanisch dreifarbig, mit viel Chrom.

"Am Morrrrrray ist überhaupt kein Chrrrrom", fällt mir Fabrizio empört ins Wort, "das ist entweder gebürsteter und polierter Stahl oder ebenso bearbeitetes Aluminium!" Aber beim Fahren blendet es ganz kräftig. "Nun ja, wir haben überlegt, es erst schwarz anzumalen. Aber dann haben wir es gelassen, weil es so schön aussieht. Ist ja nur ein Showcarrrrrrr." Ja, das ist es – just for show. Fast schon schrill.

"Wir wollten zeigen, dass wir in der Lage sind, als Italiener den amerikanischen Geschmack zu interpretieren, und zwar auf einem vorgegebenen technischen Layout", sagt Fabrizio. "Es ist viel schwerer, eine bestehende Basis zu nehmen und darauf etwas anderes aufzubauen, als etwas völlig neu zu entwickeln."

Hommage an wilde Design-Versuche

Die Abmessungen sind fast gleich geblieben: Der Moray ist 16 Millimeter breiter als das Cabrio, weil ein Showcar große Räder braucht. Aber sonst – alles typisch Corvette. "Dazu gehören große Kotflügel – das zeigt Kraft, dadurch ist Bewegung um die Räder herum."

Jetzt hat Fabrizio vollends Betriebstemperatur erreicht. Geschmeidig huscht er um sein Werk herum (dessen Linienführung des öfteren zu heftigen Diskussionen mit dem Herrn Papa geführt hat) und zeigt schwungvoll auf die Front: "Ab der zweiten Generation hatte die Corvette immer ein Gesicht ohne Augen. Dafür gab es versenkbare Scheinwerfer, aber mit unserer heutigen Technologie brauchen wir das nicht mehr. Auch das Heck wollte ich typisch lassen, aber mit einer anderen Aerodynamik. Der kleine Heckspoiler verläuft nicht nur an der Heckoberkante, sondern drumherum. Denn der ist an den Seiten besonders wichtig. Warum haben denn alle Le-Mans-Autos Spoiler hinten an den Seiten?"

Mir fällt kein Gegenargument ein, also fährt Fabrizio fort: "Und das hier" (er zeigt auf die Stelle, wo der Auspuff hingehört) "ist ein Diffusor aus Edelstahl. Einerseits gut für den Abtrieb, andererseits der Auspuff-Austritt." Und besonders stolz ist er auf die Linien, die sich vom Frontspoiler über die Lichter, die Seiten bis zum Heck erstrecken – "daran habe ich unglaublich lange gesessen".

Und was hat er sich bei der Dachkonstruktion gedacht? Die zwei Dachholme beginnen am Scheibenrahmen links und rechts, dann treffen sie sich – wie bei einem Ypsilon –, und eine gemeinsame Strebe erreicht sanft auslaufend das Heck. Geöffnet erinnern die zwei Kuppeln an Mövenflügel, geschlossen an die Motorama-Cars von GM der 50er Jahre. Hommage an eine Zeit wilder Design-Versuche.

Roadster-Feeling bei geschlossenem Dach

Genüsslich zieht Fabrizio am Türöffner. Angenehm surrend fährt eine Stange aus einem Hohlraum der Karosserie und schiebt das Glasdach auf seiner Seite – wie alle "Scheiben" aus leichtem Polykarbonat – nach oben. Er lässt sich in die umgebauten Corvette-Sitze fallen: "Die Grundidee ist ein Roadster, bei dem das Roadster-Feeling auch dann vorhanden ist, wenn das Dach geschlossen ist. Man hat viel mehr Platz zum Einsteigen. Auch innen ist mehr Platz, weil ich die Türen aushöhlen kann, denn dort müssen keine Fenster versenkt werden."

Und wieder zeigt er sein entwaffnendes Turiner Lächeln. Für sinnvoll hält Fabrizio den reichlichen Einsatz von Monitoren. Das heißt zum Beispiel: Kameras statt Rückspiegel. "Die Monitore liegen viel besser im Blickfeld des Fahrers als Rückspiegel, und der Beifahrer kann auf seinen Monitoren ebenfalls aufpassen und mitfahren. In jedem modernen Wagen befindet sich doch heutzutage schon ein Monitor – bei mir sind es eben fünf."

Bei der Ausfahrt in die Umgebung von Turin (heiter, 38 Grad, sehr hohe Luftfeuchtigkeit) zeigt das Monitorsystem bekannte Schwächen: Wegen der Sonneneinstrahlung ist fast nichts zu erkennen ("Ist doch nur ein Showcarrrrr"). Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist die stark gebogene Kunststoffscheibe – besonders am linken Auge huscht die Landschaft kräftig verzerrt vorbei, während die Dachstrebe kaum stört.

Motor und Fahrwerk sind original Corvette

Motor und Fahrwerk sind original Corvette – bullige Kraft, 411 PS, aber ein weich abgestimmtes Fahrwerk für endlose Highways in den USA und nicht für sportliche Spitzkehren bei Moncalieri. Was hält ein italienischer Automobil-Designer von der amerikanischen Sportwagen-Legende? Er äußert sich diplomatisch: "Die Corvetten der 60er Jahre waren toll. Die C5 ist solide, leichter zu verstehen, modern. Ich habe sie etwas schärfer gemacht. In Zukunft werden wir mehr Autos mit solchen scharfen Linien sehen."

Okay, nächstes Thema. Was war denn zuerst da, das Auto oder der Name Moray, was "Muräne" bedeutet? Fabrizio lacht. "Das Auto. Von der Seite sieht die Front aus wie das Gesicht einer Muräne. Der Fisch ist sehr stark. Und ein bisschen hässlich." Fabrizio grinst. Der Mann hat Humor. Dann dreht er noch ein paar Pirouetten mit qualmenden Hinterrädern und verschwindet zu seinem nächsten Projekt. Wahrscheinlich ein SUV. Mit scharfen Kanten. Aber ganz bestimmt kein "Rrrrrretrrrrrro-Design".

Technische Daten V8, vorn längs • 2 Ventile je Zylinder • Hubraum 5665 cm3 • Leistung 302 kW (411 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment 542 Nm bei 4800/ min • Vierstufenautomatik • Hinterradantrieb • rundum doppelte Dreieckquerlenker • rundum belüftete Scheibenbremsen • Reifen 255/35 ZR 20 vorn, 335/30 ZR 20 hinten • Räder 9,5 x 20 vorn, 12 x 20 hinten • Länge/Breite/Höhe 4540/1950/ 1235 mm • Radstand 2660 mm • Leergewicht ca. 1415 kg • Tankinhalt 68 l • Höchstgeschwindigkeit ca. 275 km/h • Beschleunigung 0–100 km/h in 4 Sekunden

Autor: Roland Löwisch

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