Bahnfahren in Italien

Italienischer Superzug "Italo"

— 24.04.2012

Ferrari auf Schienen

Rot und schnittig soll der Hochgeschwindigkeitszug "Italo" ab Mai 2012 mit bis zu 360 km/h durch Bella Italia rasen. Hinter dem Projekt steckt Ferrari-Chef Montezemolo.

(dpa) Ferrari-Boss Luca di Montezemolo will mit seinen Partnern eine von langer Hand vorbereitete Revolution auf Italiens Schienen bringen: "Den modernsten Zug Europas" verspricht der 64-jhrige Bologneser allen, die von der Staatsbahn mit ihren schnellen "Frecciarossa" auf seine privaten "Italo"-Zge umsteigen. Dafr wurden eine Milliarde Euro investiert. Montezemolo setzt bei diesem durchaus riskanten Vorhaben darauf, in wenigen Jahren groe Marktanteile zu erobern. Wer der Staatsbahn Trenitalia Konkurrenz machen will, der braucht zunchst einmal eine gute Grundlage. Allein 750 Millionen Euro gibt Montezemolos Unternehmen "Nuovo Trasporto Viaggiatori" (Ntv) fr 25 Zge des franzsischen Herstellers Alstom aus, gebaut in La Rochelle an der Atlantikkste und im piemontesischen Cuneo. Alstom hatte sich bei diesem Top-Auftrag unter anderem auch gegen Siemens durchgesetzt.

Mit 360 km/h durch Italien

Ferrari-Boss Luca di Montezemolo gibt den Start frei fr den Superzug "Italo".

Mit der hochmodernen Spitzentechnologie des neuen franzsischen Hochgeschwindigkeitszuges AGV soll der "Italo" knftig mit bis zu 360 Stundenkilometern mehrere italienische Metropolen verbinden zunchst von Neapel ber Rom und Florenz bis nach Bologna und Mailand. Spter kommen Salerno, Venedig und Turin hinzu. Und das bei geringem Geruschpegel und einer "optimalen Aerodynamik". Soll der Superzug eines Tages auch ber die Landesgrenzen hinaus gen Norden sausen, nach Mnchen etwa? "Eins nach dem anderen", erlutert Ntv-Pressesprecher Mario Taliani. "Wir sind jetzt erst einmal in hchstem Mae auf Italien konzentriert." Fr die Zukunft habe Montezemolo die Losung ausgegeben: "Wir setzen uns keine Grenzen." Doch zunchst muss der Zug in Italien rollen.

In drei Stunden von Mailand nach Rom

Blick in den Italo: Kostenloses Wi-Fi frs Internet, Essen in bester mediterraner Tradition.

Mglich wird dieses Abenteuer, wie Montezemolo es nennt, durch die Liberalisierung des italienischen Schienennetzes. Es mssen so keine neuen Trassen gebaut werden. Notwendig sind dafr auch Unternehmer, die mitten in der Schulden- und Wachstumskrise der drittgrten Volkswirtschaft in der Eurozone ein solch ehrgeiziges Projekt wagen "als groes Zeichen von Vitalitt", wie der Ferrari-Boss sagt. Er setzt dabei vor allem auf die Extras, auf den Komfort und auf den Service in seinem "Ferrari auf Schienen", der Mitte April 2012 in einer Jungfernfahrt zunchst den internationalen Medien vorgefhrt wurde. Von der norditalienischen Wirtschaftsmetropole Mailand in die Hauptstadt Rom in zwei Stunden und 57 Minuten, das entspricht noch der "Frecciarossa" der Staatsbahn. Im "Italo" kommen Sky-Nachrichten live auf den Bildschirm, sollen Filme in Erstauffhrung gezeigt werden. Breitbandverbindungen, Hochgeschwindigkeits-Telefonnetze, kostenloses Wi-Fi frs Internet. Dazu ein "Eataly"-Essen in bester mediterraner Tradition sowie bequemste Sessel in Grau-Orange das alles sollen die Trmpfe bei den Kunden sein.

Ferrari will den Markt erobern

Gestaffelte Preise es gibt die Klassen Club, Prima und Smart "fr alle, fr jeden Geldbeutel und fr alle Ansprche", verspricht Ntv-Geschftsfhrer Giuseppe Sciarrone fr die sieben bis 14 Wagen des neuen Zuges. Geschftsleute und Touristen, aber auch weniger zahlungskrftige junge Leute sollen ihn nutzen knnen: "Wir werden wettbewerbsfhig sein, vor allem beim Preis-Leistungs-Verhltnis mit einem von der Qualitt her gehobenen Service und breit gefcherter Preispalette."

Montezemolos Superzug: Ferrari auf Schienen

Nun warten alle auf die Antwort des Marktes fr den superschnellen Schienenverkehr. Ntv hat frhere Prognosen der wirtschaftlichen Krise angepasst, rechnet aber dennoch mit mehr als einer Million Passagieren noch in 2012. In drei Jahren sollen es dann acht bis neun Millionen sein. Was fr den neuen Anbieter der zgigen Fahrt etwa ein Viertel des Marktes bedeuten wrde und das Erreichen der Gewinnzone.

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