Jackie Ickx: Interview

Jacky Ickx im Interview

— 06.07.2012

"Motorsport ist für Männer"

Der Belgier Jacky Ickx (67) startete zwischen 1968 und 1979 bei 114 Formel 1-Rennen und wurde zwei Mal Vizeweltmeister. Seine Biografie "Jacky Ickx" ist nun auf Deutsch im Delius Klasing Verlag erschienen.

autobild.de: Jacky Ickx, auf vielen Fotos in Ihrem Biografie-Band schauen Sie etwas träumerisch, manchmal sogar irgendwie abwesend. Waren Sie gar kein Motorsport-Macho?
Jacky Ickx: Das täuscht. Schauen Sie das Titelbild an. Grand Prix in Brasilien 1973. Mein Ferrari war schwer zu fahren. Es mag träumerisch wirken, aber in Wahrheit machte ich mir nur Gedanken darum, wie ich mein Auto im Rennen nach vorne bekomme.

Rennfahrer-Legende Jackie Ickx (rechts) im Gespräch mit AUTO BILD-Redakteur Hauke Schrieber.

Was war aufregender: die Minuten vor dem Rennstart oder die letzten Runden, den Sieg vor Augen?
Die Minuten vor dem Start waren furchtbar. Ich fühlte so etwas wie Lampenfieber, wie ein Sänger, der gleich auf die Bühne muss. Ich hatte Angst, zu versagen. Die letzten Runden waren aber auch nicht besser.

Zu Ihrer erfolgreichsten Zeit starben viele Ihrer Kollegen auf der Rennstrecke. Saß der Tod immer mit im Cockpit?
Das gehörte zu den Rennen dazu. Jeder wusste das; man sprach nicht drüber. Wenn ich heute Jackie Stewart oder Carlos Reutemann treffe, dann danken wir erst mal dem Himmel, dass wir das damals alles überlebt haben. Mein Schutzengel hat Überstunden geleistet, und als er mir sagte, er gehe jetzt in Ruhestand, habe ich auch mit dem Rennsport aufgehört. Wissen Sie, welches mein Lieblingsbild im Buch ist?
 

Jackie Ickx über seine Rennen in der Formel 1: "Mein Schutzengel hat Überstunden geleistet."

Sie werden jetzt sicher überraschen.
Der blaue Helm, verbrannt nach einem Feuerunfall. Er ist ein Symbol für den schmalen Grat zwischen Leben und Tod, auf dem wir damals gewandelt sind.

Sie wollten als Junge Gärtner oder Tierparkwächter werden. Dann wurde es der Motorsport. Was sagten Ihren Eltern?
Sie waren immer krank vor Angst um mich. Es muss furchtbar gewesen sein.

Ihre Tochter Vanina fuhr auch Rennen, unter anderem Le Mans und DTM. Fühlten Sie die Angst Ihrer Eltern nicht auch?
Sie hatte das Glück, in diesen neuen, sicheren Rennautos zu sitzen, bei denen auch schlimme Unfälle glimpflich ausgehen. Eigentlich wollte sie nie Rennfahrerin werden, sie hatte Biologie studiert und fühlte sich da viel wohler.
 

Die Biographie "Jackie Ickx" erscheint im Delius Klasing Verlag.

Wie stehen Sie allgemein zu Frauen im Motorsport?
Erst mal: Motorsport ist für Männer. Aber Frauen bilden die Hälfte unserer Bevölkerung, also darf man sie nirgends ausschließen. Aber im Rennsport dürfen sie nicht erwarten, sanft angefasst zu werden. Für Rennfahrer ist es das Schlimmste, von einer Frau überholt zu werden. Da fühlt man sich wie ein Fischer, der am Ende eines langen Tages mit leeren Netzen dasteht.
 
Wer wird in diesem Jahr Formel 1-Weltmeister?
Sagen Sie es mir. Jedes Rennen ein anderer Sieger, ist das nicht toll. Jeder achte Platz kann die WM entscheiden. Der Ausgang ist völlig offen.

Jedes Jahr kommen neue Rennstrecken dazu.
Ja, sie werden leider austauschbar. Ich liebe Naturstrecken wie die Nordschleife oder Spa.
 
Senna? Schumacher? Wer war der Beste aller Zeiten?
Puh, das ist schwer. Wenn man alles berücksichtigt, das Verhalten auf der Rennstrecke und daneben, dann würde ich sagen: Jim Clark.

Autor: Hauke Schrieber

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