Jaguar E-Type trifft XKR Cabrio

Jaguar E-Type trifft XKR Cabrio Jaguar E-Type trifft XKR Cabrio

Jaguar E-Type trifft XKR Cabrio

— 10.08.2004

Wie Katz und Maus

Über 40 Jahre liegen zwischen dem Jaguar XK-E Roadster von 1961 und dem aktuellen XKR Cabriolet. Eine Begegnung der anderen Art.

Der Geruch von ungefiltertem Kraftstoff

So müsste jeder Tag ausschauen: Die Sonne lacht, in der Eifel ist wenig Verkehr, und im Jaguar XKR Cabrio lässt es sich ganz entspannt über schmale Straßen cruisen. Der Achtzylinder brabbelt genüsslich vor sich hin, während im Kleinhirn die maximale Leistung von 395 PS eingemeißelt ist. Ein Kick-down würde für mehr als ein lautes Fauchen genügen und die Reifen zum Biss in den Asphalt animieren.

Der warme Wind findet im offenen Engländer Platz für seine Verwirblungsspielchen und kitzelt Kopfhaut und Nacken. Mühelos schraubt sich der Zwei-plus-zwei-Sitzer die engen Serpentinen hinauf und lässt bei jedem Einlenken Freude aufkommen. Was will man mehr?

Doch etwas irritiert. Es ist der Geruch von ungefiltertem Kraftstoff in der Luft: satt und schwer, würzig und kraftvoll. Nur Autos ohne Katalysator versprühen noch diesen Duft der ökologischen Sünde. Geblendet von der Sonne, die sich in der polierten Chromstoßstange spiegelt, erblicke ich den Übeltäter: ein Jaguar XK-E 3.8 Litre, besser bekannt als E-Type. Anhand der zierlichen Rückleuchten oberhalb der Stoßstange identifiziere ich ein frühes Modell, erste Serie, ab 1961 gebaut. Aus den beiden mittig angeordneten Auspuffrohren entfleuchen fauchend die Abgase des 210-PS-Reihensechszylinders. Der Open Two Seater könnte noch heute für sportliche Fahrwerte sorgen.

Anmutig, sanft und kraftvoll

Der E-Type ist der klassische Roadster schlechthin und der Vater des XKR. Trotz des Altersunterschiedes von 43 Jahren gleichen sich einige Details: Da ist die extrem lange und flache Front mit den integrierten Luftschlitzen und dem Mitteldom. Der weiche Hüftschwung am E-Type-Heck versprüht noch immer Sex-Appeal. Die seitliche Linienführung wirkt sanft, anmutig und kraftvoll zugleich. Die verdeckten Scheinwerfer und die Position des Tankdeckels haben sich nur wenig geändert.

Es geht durch ein dunkles Waldstück. Wie eine Katze jage ich der Maus hinterher. Die Gänge des unzureichend synchronisierten Viergang-Getriebes des E-Type werden offenbar langsam gewechselt. Anders sind die Schaltpausen und das Zwischengas nicht zu erklären. Das Geräusch eines leichten Kratzens prallt gegen die Baumstämme und hallt zurück. Meine sechs Gänge der Automatik werden dagegen durchgereicht wie das Gebäck beim Fünf-Uhr-Tee.

Ein Überholen wäre leicht, aber ich genieße den Anblick des wunderschönen Hecks und das tiefe Brummen des Sechszylinders. Die wahre Pracht liegt in der Laufruhe und im starken Drehmoment des Langhubers. Zwischen 1500 und 6000 Umdrehungen braucht die Fahrstufe nicht gewechselt zu werden. Zwar spurtet der Neue in 5,5 Sekunden auf 100 km/h, bei 250 Stundenkilometer ist dann Schluss.

Dünne Ledersitze mit wenig Seitenhalt

Auf ebener Strecke würde ich Mühe mit dem Oldtimer haben: Der E-Type rennt 256 Spitze. Bei dem Gedanken wird mein Mund trocken. Bergab spüren meine Nasenschleimhäute die heiß werdenden Bremsen, besonders die hintere innen liegende Scheibe wird schlecht gekühlt. Die adrette Fahrerin muss starke Waden und durchtrainierte Arme haben, da Bremskraftverstärker und Servolenkung fehlen.

Aber die klassischen Rundinstrumente hinter der steilen Windschutzscheibe mit den filigranen Zierleisten entschädigen für die Schweißarbeit. Die Frau mit Geschmack scheint durch die niedrige Sitzposition mit dem Oldie eins zu sein, auch wenn die dünnen Ledersitze wohl nicht den Komfort und die Sicherheit der bequemen Ledersitze des XKR bieten: Ihre Kurvenfahrt gleicht einer Kür mit der Bestnote 6,0.

Das sportliche Fahrverhalten ist wohl mit der Einzelradaufhängung und dem Rohrrahmen zu erklären – prinzipiell identisch mit aktuellen Formel-1-Autos. Davon kann ich nur träumen. Zwar hat der XKR ein straffes und dynamisches Fahrwerk mit Stabilitätskontrolle, die selbsttragende Karosserie schüttelt sich dagegen bei starken Unebenheiten wie eine Katze nach einem Regenguss.

Speichenräder mit Zentralverschluss

Meine Blicke fallen in jeder Kurve auf die Speichenräder mit Zentralverschluss. Nicht mit einem Schraubenschlüssel, sondern mit dem Hammer werden die Felgen angezogen. Heute undenkbar. Ich setze mit zwitscherndem Kompressor doch zum Überholen an und werfe schnell noch einen neidischen Blick auf die Mittelkonsole des E-Type mit ihren Aluminium-Beschlägen und Kippschaltern. Im XKR dominieren auch Rundinstrumente, dazu grauer Vogelaugenahorn-Look.

Ein kurzes Aufblinken des roten Briten signalisiert mir, dass ich anhalten soll. Offenbar interessiert sich die Fahrerin für den Nachfolger ihres Klassikers. Wir parken nebeneinander, vergleichen die beiden Schätzchen, lugen unter sich weit nach vorn öffnende Motorhauben. Den eleganten Knick des E-Type wird es heute wegen der Crash-Bestimmungen nicht mehr geben. Eine kurze Sitzprobe bestätigt meine Vermutung: Es ist der Urahn des XKR, zwar etwas betagter, aber nicht minder flott.

Das XKR Cabrio sieht man kaum auf den Straßen, noch seltener wird man dem E-Type Roadster begegnen. Das liegt auch an den exklusiven Preisen. Kostete der E-Type damals 26.000 Mark, verlangt man heute für gute Exemplare 70.000 Euro. Das aktuelle XKR Cabrio liegt noch 22.120 Euro darüber.

Zwei extrem seltene Exemplare

Bis 1967 wurde die erste Serie gebaut, 1975 lief der letzte E-Type mit zwölf Zylindern in Coventry vom Band. Gut erhalten schnurren sie lieber in der warmen Garage als in der rauen Wildbahn – denn so schön der XK-E 3.8 Litre auch ist, für den Alltag ist er nichts. Angenehmen Gedanken nachhängend, schließe ich das automatische Verdeck und starte. Mit einem leisen Klick lege ich den Gang ein und cruise der Abendsonne entgegen. Traumfrau.

Technische Daten Jaguar E-Type Reihen-Sechszylinder vorn längs, vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 3781 cm³ • 210 PS bei 4750/min • max. Drehmoment 353 Nm bei 4000/min • 0-100 km/h 6,5 Sekunden • Höchstgeschwindigkeit 256 km/h • Leergewicht 1300 kg • Verbrauch 18 Liter (Super) • Preis circa 70.000 Euro (Neupreis 12.800 Euro)

Technische Daten Jaguar XKR V-Achtzylinder vorn längs, vier Ventile pro Zylinder, Kompressor • Hubraum 4196 cm³ • 395 PS bei 6100/min • max. Drehmoment 541 Nm bei 3500/min • 0-100 km/h 5,5 Sekunden • Höchstgeschwindigkeit 250 km/h • Leergewicht 1845 kg • Verbrauch 12,5 Liter (Super Plus) • Preis 92.120 Euro

Autor: Fabian Hoberg

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