Jaguar F-Pace (2016): Fahrbericht

Jaguar F-Pace (2016) im Test: Fahrbericht

— 19.01.2016

Gut auch abseits befestigter Pfade

Wilder Renner oder tatsächlich ein Geländegänger? Jaguar will es mit dem neuen SUV F-Pace wissen. AUTO BILD hat es ausprobiert!

Der Jaguar F-Pace will sich auch abseits schneller Pisten als Rivale des Porsche Macan profilieren. Ob das gelingen kann? Das Vorserienfahrzeug ist mit Sportpaket und 22-Zoll-Sommerreifen auf die Offroad-Übung nicht gut vorbereitet. Der erste Abschnitt der Ausfahrt ist ein reines Schlammbad. Der F-Pace bewältigt die amorphe Masse mit einem Strauß von Kürzeln: ABS, ASR, IDD, AEB, ASPC, DSC, LHL. ASR dosiert den Drehmomentfluss in Abhängigkeit von der Oberfläche. Dabei unterscheidet die Regelmimik zwischen Eis und Schnee, Teer und Schotter, und besonders tiefem Geläuf jeder Art.
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Video: Jaguar F-Pace (IAA 2015)

Aufgebockte Raubkatze

Noch mehr Hightech gefällig? ASPC funktioniert als eine Mischung aus Tempomat und Bergabfahrhilfe, die ihre Gangart automatisch an die Reibwerte von Schnee, Eis und feuchter Wiese anpasst. Der Fahrer lenkt, das Auto denkt und verzögert nicht per Bremseneingriff, sondern über die Treibstoffzufuhr. Feuchtes Gras ist nicht nur dann ein heimtückischer Untergrund, wenn man wie wir – im übertragenen Sinn – auf Ledersohlen unterwegs ist. Trotzdem geht's mit Ansage ab auf die schräge Ebene, weg aus der eingefahrenen Spur und hinein ins tiefe Grün, immer noch im Modus drive und immer noch im zweiten Gang.

Sitzprobe Jaguar F-Pace

Eine Geländeuntersetzung sucht man im F-Pace vergebens, aber der erste Gang ist kurz genug, und schon ab 2000 Touren machen sich 700 Nm ans Schieben, Ziehen und Schaufeln. Trotzdem schaffe ich es im ersten Versuch, beinahe stecken zu bleiben. Es geht zurück auf die Zufahrtstraße, wo fünf oder sechs kurze Zwischenspurts genügen, um das Profil von Mutter Erde zu befreien. Apropos Spurt: Der V6-Diesel beschleunigt in 6,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der Kickdown-Sprint von 80 bis 120 km/h dauert sogar nur 4,5 Sekunden.

Der F-Pace S ist 300 PS stark

Total vernetzt: Der Jaguar verfügt über ein eigenes W-Lan, koppelt bis zu acht mobile Endgeräte.

Auf ein Neues. Diesmal ganz piano: wenig Power, kleine Lenkwinkel, den zweiten Gang halten bis der innere Kippwinkelsensor Alarm schlägt, dann husch in die Senkrechte und im ersten langsam hoch auf das Plateau. Geht doch. Entsprechend bereift, dürfte der F-Pace jedem Durchschnittsfahrer an Mut und Talent überlegen sein. Fast schon ein Muss im Gelände sind die aufpreispflichtigen Surroundview-Kameras. Nicht für Geld und gute Worte gibt's dagegen ein höhenverstellbares Fahrwerk, schaltbare Stabis oder ein Offroad-Paket mit Unterfahrschutz. Im Preis des 300 PS starken F-Pace S enthalten sind Achtgang-Automatik (leider ohne Segelfunktion), Allradantrieb, zweistufige Verstelldämpfer, 20 Zoll-Alus und Sportbremsen mit rot lackierten Sätteln.

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Genug feuchte Wiesen. Jetzt wird von wintergrün auf matschbraun umgefärbt. Der F-Pace fühlt sich an wie die Kirsche auf dem Wackelpudding. Durchsacken lassen ist tabu, Torque Vectoring bringt kaum etwas, und die vielen netten Kürzel summieren sich im Ernstfall zu einem Cocktail aus Relativitätstheorie und Zufallsgenerator. So richtig gut macht sich der Jaguar erst auf feinem Schotter und festgefahrenem Lehm, dessen Oberflächenstruktur es mit jeder schlecht gepflegten Nebenstraße aufnehmen kann. Hilfestellung leisten die drei Fahrmodi normal, dynamic und individual. Sie beaufschlagen Ansprechverhalten, Schaltstrategie, Lenkkräfte und Dämpferkennung. Dynamic ist prädestiniert für guten Belag und entsprechend sportliche Fahrweise.

Schäfchenweiche Drifts sind möglich

Groß genug in Reihe zwei: Aus ordentlichen 2,87 Meter Radstand macht der F-Pace ein gutes Platzangebot.

Auf der Teststrecke zeigt der F-Pace, was er kann. Zum Beispiel zackig einlenken, nur wenig Seitenneigung zulassen, bis ans Limit neutral bleiben. An der Haftungsgrenze darf der Fahrer zwischen leichtem Untersteuern und leichtem Übersteuern wählen. Mit abgeschaltetem DSC gelingen sogar Drifts. Auch hier sammelt der Leichtbau-Jaguar fleißig Punkte, denn weniger Gewicht heißt flinkere Reaktionen, Spätbremsen ohne Reue, bessere Beherrschbarkeit. Der Lenkaufwand ist selbst in dynamic kaum spürbar höher, die Dämpfer wirken dagegen deutlich knackiger, der Motor hängt gieriger am Gas, die Schaltvorgänge erfolgen früher und flinker. Auf Bergabpassagen und in schnellen Kurven wird der eingelegte Gang grundsätzlich gehalten, und auch das automatische Hochschalten am Begrenzer entfällt. Kann man mögen, muss man nicht. Manuelle Gangwechsel sind über die Schaltwippen am Lenkrad jederzeit möglich, doch nach rund zehn Sekunden geht's zurück in drive.

Jaguar F-Pace (2016) IAA: Alle Infos

Fährt sich der F-Pace so sportlich wie ein Macan? Schwer zu sagen, selbst nach einigem Hin und Her auf einem relativ gut ausgebauten Abschnitt. Die Lenkung ist sauber gewichtet, präzise und mitteilsam. Das Handling glänzt mit hohem Unterhaltungswert. Der insgesamt ordentliche Federungskomfort steht mit Querrinnen und kurzen Anregungen auf Kriegsfuß. Die Bremsen sind okay – nicht mehr, nicht weniger. Es fehlt der Biss beim Erstkontakt, und der Kraftaufwand auf den letzten Metern bis zum Stillstand ist ziemlich hoch.
Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Der F-Pace hat das Zeug dazu, die deutsche Crossover-Dominanz zu erschüttern. Er ist nicht auf Kante genäht und von einer Überdosis Racing-Genen beseelt, sondern sauber ausbalanciert und selbst auf großem Reifen-Fuß erstaunlich geschmeidig. Perfektionisten mögen warten wollen, bis die neuen Reihensechszylinder in Serie gehen oder der noch nicht bestätigte Plug-in Hybrid. Doch bis es soweit ist, würden wir uns ohne weiteres den V6-Diesel in die Garage stellen.

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