Jaguar F-Type: Mitfahrt

— 11.02.2013

Ein Brite auf Porsche-Jagd

Mit dem F-Type hat Jaguar endlich wieder einen knackigen Sportwagen im Programm. Ein Frage drängt sich auf: Wird der rassige Brite zur Gefahr für Porsche? Die Mitfahrt im Prototypen liefert die Antwort.



Eigentlich ist Erol Mustafa ein ruhiger Typ. Aber wenn der Chefingenieur von Jaguar in die Nähe der walisischen Bundesstraße B4403 kommt, ist es mit der Ruhe vorbei. Dann zucken der Gasfuß und die Hände am Lenkrad. Eben noch mit schlappen 30 Meilen (nicht ganz 50 km/h) durch das 800-Seelen-Dorf Llanuwchllyn (spricht man etwa "Chaniüxchin" aus) gebummelt, lässt es Mustafa jetzt ordentlich krachen. Klack, klack  mit dem linken Zeigefinger schaltet er mit der Wippe am Lenkrad zwei Gänge runter. Die örtliche Polizei macht wohl gerade Betriebsausflug und der Kindergarten hat Ausgangsverbot.

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Im Innenraum zeigt der F-Type seine luxuriöse Seite. Selbstverständlich für einen Jaguar.

Llanuwchllyn ist ausgestorben. Erste Ausfahrt mit dem neuen Jaguar F-Type, den die Briten ab Juni mit Preisen ab 73.400 Euro genau zwischen den Porsche-Modellen Boxster S (59.120 Euro) und 911 Carrera Cabrio (103.150 Euro) antreten lassen. Um die Frage, ob diese Mietze Porsche kratzen kann, beantworten zu können nehmen wir links auf dem Beifahrersitz Platz. Ungewohnt, denn hier im nördlichen Wales herrscht wie in ganz Großbritannien und 58 anderen Staaten rund um den Globus Linksverkehr. Erol Mustafa stört das natürlich nicht, und die B4403 kennt er wie seine Westentasche. Wechselnde Belege, Straßenschäden, Asphaltflicken, Buckel und Frostaufbrüche fordern jedes Fahrwerk. Den F-Type und seinen Fahrer beeindruckt das hier alles herzlich wenig. Ingenieur Erol aktiviert mit einem Knopfdruck den Sportmodus. Die Federung wird noch straffer, die Lenkung spitzer, die Achtgang-Automatik von ZF schaltet einen Tick ruppiger. Der Sechszylinder unter der langen Haube faucht lustvoll auf. Kernig, satt und überhaupt nicht nervig. Der F-Type S mit seinem 380 PS trägt den Jaguar im Markenemblem zu recht. Mustafa zirkelt den Zweisitzer mit vier Fingern am Lenkrad ums Eck. Egal, welche Wellen der Asphalt vor uns wirft, der F-Type verliert nie die Haftung. Nur einmal kurz flackert das ESP-Lämpchen auf.

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Das Stoffdach des F-Type öffnet sich in zwölf Sekunden –  auch während der Fahrt bis 50 km/h.

Viele andere Fahrhilfen bietet Jaguar allerdings nicht an. Rückfahrkamera, Tempomat, Parksensoren vorn und hinten und ein Toter-Winkel-Warner – das wars auch schon. Aber wer denkt schon daran, wenn er auf einer der schönsten und anspruchsvollsten Straßen der Welt unterwegs ist? 5,3 Meilen (8,5 Kilometer) schlängelt sich die B4403 oberhalb des Nordufers am Bala Lake entlang. Jede Kurve, jede Kuppe wird zum Lustzentrum. Lust auf mehr. "Mütze mit?", fragt Erol Mustafa, drosselt auf der dritten Runde kurz das Tempo auf weniger als 50 km/h und lässt das Stoffdach herunter. Gleichzeitig surrt ein riesiger Luftausströmer im oberen Teil der Mittelkonsole nach oben. Gegen den gefühlt minus 10 Grad kalten Orkan, der jetzt durch den F-Type pfeift, ist aber auch der chancenlos.  Reflexartig lässt der Testfahrer die Seitenscheiben nach oben surren, das Inferno verstummt fast. Wie bestellt durchbrechen vereinzelte Sonnenstrahlen den wolkenverhangenen Himmel. Apropos bestellen: Den F-Type gibt es mit zwei Motoren in drei Leistungsstufen: den F-Type mit Sechszylinder-Kompressor und 340 PS (0-100 km/h in 5,3 Sek., 260 km/h Spitze, 9,0 l S Verbrauch, 73.400 Euro), als F-Type S leistet der aufgeladene V6 380 PS (0-100 km/h in 4,9 Sek., 275 km/h Spitze, 84.900 Euro) und den F-Type V8 S (495 PS, 0-100 in 4,3 Sek., 300 km/h Spitze, 11,1 l S Verbrauch, 99.900). Alle drei haben übrigens das Zeug dazu, am Porsche zu kratzen.

Autor: Carsten Paulun



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