Jaguar F-Type V6 S: Fahrbericht

Jaguar F-Type V6 S: Fahrbericht

— 29.10.2013

So fährt der geschärfte F-Type V6

Mit dem F-Type hat Jaguar einen emotionalen Charakterbolzen geschaffen, der auffällt. Was an ihm fasziniert und warum der Roadster auch regentauglich ist, zeigt der Fahrbericht.

In den USA ist er beliebter als das Porsche 911 Cabrio. In Deutschland hat sich der lautstarke F-Type seit Marktstart im Mai 2013 zum Bestseller der ausländischen Sportwagen gebrüllt. Populärste Variante des britischen Roadsters ist der V6 S. Der "S" kostet gegenüber dem 340 PS starken V6-Basismodell zwar 11.000 Euro mehr, läuft dafür aber unter anderem mit 40 zusätzlichen PS, serienmäßigen adaptiven Dämpfern und Sport-Abgasendrohen mit Klappensteuerung vom Band. Eine lohnende Investition, wie der Fahrbericht zeigt.

Video: Jaguar F-Type Sound

So faucht die Katze

Das Auffälligste am F-Type ist sein faszinierender Auspuff-Sound: Wie eine ekstatische Horde britischer Fußballfans grölt der 3,0-Liter-V6. Dieses Sechszylinder-Gebrüll ist anders als alles, was wir bisher gehört haben. Es klingt ungehobelter und dadurch aggressiver als beim knapp 100.000 Euro teuren V8-Spitzenmodells. Auf Knopfdruck lässt sich die Lautstärke und Basstiefe dieses Klangerlebnisses steigern: Dann öffnen sich bei 3.000 Kurbelwellenumdrehungen Bypass-Ventile in der zentrierten zweiflutigen Abgasanlage und eine Welle von Emotionen schießt in die Gehörgänge von Fahrer und Passanten. Das Gaspedal übernimmt die Funktion eines Dirigentenstabes. Es verstärkt bei leichtem Druck das Trompeten, ohne sofort die Geschwindigkeit zu erhöhen und lässt beim Entlasten die Endrohre schnauben wie ein Walross. Herrlich! Wer damit nichts anfangen kann oder von der Dauerbeschallung genervt ist, schließt die Klappen oder entscheidet sich lieber gleich für ein Tesla Model S.

Vergleich: Jaguar F-Type V8 vs. Porsche 911 Cabrio

Doch der Jaguar kann nicht nur laut Fauchen, sondern auch zubeißen: Dank Kompressor macht der 380 PS starke V6 bereits im unteren Drehzahlbereich ordentlich Druck und sorgt für kräftigen Durchzug bis in den roten Drehzahlbereich. Die Achtgang-Automatikschaltung von ZF arbeitet so flink und sauber, dass die Frage nach einen Doppelkupplungstriebe erst gar nicht aufkommt. So sprintet die immerhin 1,6 Tonnen schwere Katze laut Datenblatt binnen 4,9 Sekunden auf 100 km/h, kommt nach Messungen der AUTO BILD SPORTSCARS-Kollegen sogar auf 4,8 Sekunden. Bei 275 km/h bremst Jaguar den "S" aus – 15 km/h nach dem Basismodell und 25 km/h vor dem Spitzenmodell.

Frischluft rein: In zwölf Sekunden ist das Dach unten. Funktioniert bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h.

Zum aggressiven Auftreten des F-Types passt das extrem straffe Fahrwerk im Dynamik-Fahrmodus. Es referiert ständig und eindringlich über die Straßenbeschaffenheit. Hart, aber ehrlich! Die steife Karosse wird dadurch nicht aus der Ruhe gebracht, liegt auch bei Höchstgeschwindigkeiten sicher auf der Straße und lässt sich stets direkt von der Lenkung leiten. Die Abstimmung von Dämpfern, Lenkung und Gasannahme ist gegenüber den zwei anderen Modi "Regen/Schnee" und "Normal" eine Stufe schärfer. In der dynamischen Einstellung zeigt das ESP mehr Toleranz, lässt leichte Heckschwenker zu. Auf trockenen Straßen ein Spaß, bei Nässe unangenehm, wenn das Drehmoment von 460 Nm dem Heck einen Tritt verpasst. Zum Glück sorgt der "Regen/Schnee"-Modus für Abhilfe: Er dämpft das Ansprechverhalten des Gaspedals, lässt den F-Type im zweiten Gang anfahren und erhöht die Aufmerksamkeit der elektronischen Helfer. Dadurch verbessert sich auf rutschigem Untergrund die Traktion.

Alle News, Infos und Tests zum Jaguar F-Type

Komfortable Kommandozentrale: Leder, Carbon- und Metall-Applikationen sorgen für Wohlfühlklima.

Neben den Fahreigenschaften überzeugt das Design des britischen Sportlers. Mit einer harmonischen Mischung aus Anleihen zum alten E-Type und modernen Stilelementen wie automatisch ausfahrbaren Türgriffen und -Heckspoiler (ab 96 km/h) darf der F-Type zu Recht als Klassiker der Zukunft gelten. Das edel gestaltete Cockpit mit seinem dicken Leder, Carbon-Applikationen sowie Metall-Schaltern lässt keine Wünsche offen. Das Armaturenbrett ist nicht überfrachtet, alle Anzeigen gut ablesbar und das Multimedia-System mit Acht-Zoll-Touchscreen binnen kürzester Zeit verständlich. Doch wer braucht bei dem Motor-Sound schon Musik?

Technische Daten Jaguar F-Type V6 S • Motor 3,0 Liter V6 Benziner • Achtgang-Automatik • Leistung 380 PS • 0–100 km/h 4,9 Sek. • Spitze 275 km/h • Verbrauch 9,1l S • CO2 213 g/km • Gewicht 1614 kg • Preis 84.900 Euro • Im Handel
Robin Hornig

Fazit

Der F-Type V6 S ist die Schöne und das Biest in einem: Eine ausbalancierte Mischung aus giftig-aggressivem Sportler und luxuriösem Roadster. Wer die nötigen finanziellen Mittel hat, entscheidet sich für den "S" ab 84.900 Euro, weil die serienmäßige Ausstattung gegenüber dem Einsteigermodell nicht einfach nur Kosmetik ist, sondern sich merklich auf die Fahreigenschaften und den Komfort auswirkt. Was dem F-Type fehlt? Ein Coupé – Das werden wir zum Glück Ende November auf der LA-Autoshow und Tokyo Motor Show erleben.

Fotos: Toni Bader

Stichworte:

Roadster Sportwagen

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