S-Type 3.0 V6 gegen E 320

Jaguar S-Type 3.0 V6 gegen Mercedes E 320 Jaguar S-Type 3.0 V6 gegen Mercedes E 320

Jaguar S-Type 3.0 V6 gegen Mercedes E 320

— 25.07.2002

Ist Jaguar jetzt fit für Mercedes?

Vom englischen Patienten zur gefährlichen Raubkatze? Jaguar hat den kränkelnden S-Type komplett überarbeitet und fordert die neue E-Klasse heraus.

An Ecken und Kanten nachgebessert

Armes England. Ewig Regen, mieses Essen, bei der Fußball-Weltmeisterschaft nichts gerissen – und dann noch das unrühmliche Abschneiden des Jaguar S-Type beim AUTO BILD-Dauertest. "Nicht empfehlenswert" lautete das niederschmetternde Urteil meines Kollegen Dirk Branke. Nur gut, dass Automobile auch während ihrer Produktionszeit ständig weiterentwickelt werden.

Bei Jaguar kostete das bestimmt manche Überstunde, denn der S-Type wurde an allen Ecken und Kanten nachgebessert. Aber reicht das, um im direkten Vergleich mit der neuen Mercedes E-Klasse zu bestehen? Schwammiges Fahrwerk, nervöser Geradeauslauf, indirekte Lenkung – das Fahrverhalten unseres Dauertest-Jaguar erinnerte mehr an einen Dampfer in schwerer See als an eine spurtreu dahingleitende Oberklasse-Limousine. Da half nur eine Radikalkur. Im Klartext: neue Vorderradaufhängung mit Doppeldreiecklenkern aus Alu und eine nachhaltig überarbeitete Hinterachse.

Viel Aufwand, der sich aber gelohnt hat. Das aktuelle Modell umrundet Kurven souveräner, neigt sich dabei nicht mehr so stark zur Seite und läuft auch bei hohem Autobahntempo unbeirrt geradeaus. Vorbei die Zeiten schweißnasser Finger – der S-Type lässt sich heute entspannter fahren. Wenn es sein soll, auch sportlicher. Denn mit der überarbeiteten Lenkung reagiert die Limousine jetzt schneller und direkter auf Richtungswechsel.

E-Klasse: Gleiten auf höchstem Niveau

Dabei vollbrachten die Briten ein wahres Kunststück. Das neue Fahrwerk verleiht dem S-Type nicht nur ein überragendes Handling, im Vergleich mit der neuen E-Klasse benimmt sich der Jaguar in Kurven sogar agiler, vermittelt mehr Fahrspaß. Doch, Moment. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die E-Klasse zeigt sich im Handling wahrlich nicht träge oder behäbig. Sie fühlt sich einfach nur gesetzter an. Genauso abgeklärt und souverän: die Fahrsicherheit des Mercedes.

An der Straßenlage gibt es nichts, was noch zu verbessern wäre. Erlaubt das ESP dem Jaguar in brenzligen Situationen noch ein leichtes Übersteuern, ein Wegwischen des Hecks, verhält sich die E-Klasse in allen Situationen neutral. Mehr Fahrstabilität geht beim heutigen Stand der Technik kaum. Selbst mit fünf Insassen und einem Kofferraum voller Gepäck, also bei vollen 460 Kilo Zuladung, bleibt der Benz leicht beherrschbar, liegt satt und sicher auf der Straße. Dafür sorgt bei unserem Testwagen die Elektronik des Luftfeder-Systems Airmatic DC (Aufpreis 1856 Euro). Sie registriert unterschiedliche Fahrsituationen, passt die Stoßdämpferkraft automatisch an Fahrstil, Straßenzustand oder Beladung an.

Und damit nicht genug. Gleichzeitig regelt die Elektronik den Druck in den Gummibälgen der Luftfederung. Ebenfalls automatisch. Der Fahrer kann aber per Tastendruck zwischen den Fahrprogrammen Sportlich und Komfortabel wählen. Im Sport-Modus erhöht die Elekronik die Federrate. Die Insassen merken es an den geringeren Wank- und Nickbewegungen der Karosserie, aber auch an den plötzlich spürbaren Stößen. Dann doch lieber das Komfort-Programm. Damit benimmt sich der Mercedes so, wie wir es von einem Benz erwarten: Er schwebt über schlechte Straßen. Das ist Gleiten auf höchstem Niveau. Vergleichbar nur mit dem Komfort einer S-Klasse. Wer soll da mehr Fahrkomfort bieten? Jaguar? Sorry, aber auf dieser Ebene kann der deutlich straffer abgestimmte S-Type nicht mithalten.

Jaguar-Interieur: fast einen Stern wert

Dann vielleicht bei den Fahrleistungen. Immerhin besitzt der Dreiliter-V6 238 PS. Das sind 14 mehr als der schwäbische Sechszylindermit 3,2 Liter Hubraum. Aber auch in diesem Punkt lahmt die englische Raubkatze. Im Vergleich zum Mercedes wirkt der Jaguar-Motor weniger bissig, dreht nicht so energisch hoch, bleibt in allen Geschwindigkeitsbereichen spürbar zahmer.

Die Messwerte belegen das. Unser S-Type fährt sogar den eigenen Werksangaben hinterher: 8,9 statt 7,6 Sekunden von null auf 100. Hier humpelt der Brite. Jaguar bietet aber eine Krücke. Eine neue Sechsstufenautomatik von ZF. Besser oder durchzugsstärker wird der Motor dadurch zwar nicht, aber die Automatik überspielt seine Durchzugsschwäche. Abgesehen davon, schaltet die neue Automatik butterweich, muss sich im Vergleich mit der Fünfstufenautomatik von Mercedes nicht verstecken. Ein echter Fortschritt.

Den finden wir auch bei der Qualität. Die Boys von Jaguar haben das Cockpit nicht nur neu gestaltet und aufgeräumt, sondern das ganze Interieur mit hochwertigem Material ausstaffiert. Alles passt, sieht gut aus, fasst sich besser an als bisher. Echtes Oberklasse-Feeling – fast wie im Mercedes. Was bei einem Preis von 44.650 Euro aber auch keine Frage sein sollte. Immerhin erreicht Jaguar auch in dieser Beziehung echtes Mercedes-Niveau – der Mercedes E 320 Elegance kostet mit 45.298 Euro kaum mehr.

Technische Daten und Preise

Das Motorenprogramm der E-Klasse reicht derzeit vom E 220 CDI mit 150 bis zum E 500 mit 306 PS. Diesel fehlen bei Jaguar zurzeit noch, dafür gibt es den R-Type mit strammen 395 Pferdestärken.

Wertung und Endergebnis

Wertung Wir orientieren uns am Maßstab. Das heißt, das jeweils meistverkaufte Modell in Deutschland markiert in jedem Kapitel 100 Prozent. Für diesen Vergleich bedeutet das: Maß der Dinge ist die Mercedes E-Klasse, die von Januar bis Mai dieses Jahres 32.128-mal verkauft wurde. Jaguar konnte von seinem S-Type im gleichen Zeitraum erst 800 Fahrzeuge absetzen. In den einzelnen Kapiteln zeigt sich prozentual, wie die Konkurrenten abschneiden.

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