Jaguar XFR, BMW M5, Audi RS 6 und Mercedes E 63 AMG — 21.08.2009
Rock am Ring
Tage des Donners: V8 oder V10, Sauger, Biturbo oder Kompressor? Jaguar XFR, BMW M5, Audi RS 6 und Mercedes E 63 AMG gehen verschiedene Wege zum PS-Gipfel und begeistern mit Höhepunkten jenseits von 500 PS.
So viel Power gab es lange nur bei exotischen Supersportwagen
Diese Autos sind Kraftwagen im besten Sinne des Wortes und sofort Gesprächsthema Nummer eins im Fahrerlager. "Hybrid hin, E-Autos her, diese Schlitten haben eine Faszination, die uns auch in 20 Jahren noch begeistern wird", wischt der Zwickauer Gerd Hickethier (24) jeden Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der 500-PS-Geschosse vom Tisch. Wohl wahr. Klima-Debatte und Kleinwagen-Boom sind hier kein Thema. Die magischen vier zünden an. Jeden. "So viel Power gab’s lange nur in exotischen Supersportwagen. Jetzt steckt diese Wahnsinnskraft in alltagstauglichen Limousinen", sagt Sebastian Fethke (26), der ebenfalls in Zwickau studiert. Alltagstauglich: ja, aber natürlich werden diese Power-Limousinen Exoten bleiben. Dafür sorgt allein ihr Preis. Audi und Mercedes kosten jeweils über 122.000 Euro! Dafür gibt’s auch Eigentumswohnungen in guter Lage. Immobilie? Die Studenten verdrehen die Augen: Balkon statt BMW, Keller statt Katze – nee, Bausparen ist was für BWLer.
Alle vier Limousinen erreichen Tempo 100 in unter fünf Sekunden
Aber diese Jungs sind begeisterte Techniker und heiß auf Details: "Wie ist der Jaguar auf der Bremse? Was macht der M5 beim Einlenken? Warum bollert der Benz so geil?" Hier geht es schlicht um genialen Maschinenbau. RS 6, M5, XFR und E 63 versuchen alles, die Physik auf den Kopf zu stellen. Mit Erfolg: Trotz zwei Tonnen Leergewicht schießen alle vier Potenz-Bolzen unter fünf Sekunden auf Tempo 100, erreichen bis zu 280 km/h und sind damit die schnellsten Serienlimousinen der Welt. Wohlgemerkt: Das alles funktioniert selbst mit fünf Personen plus Gepäck an Bord. Die Verschmelzung von Topdynamik mit dem Komfort und Prestige eines Luxusautos macht diese vier Modelle einzigartig. Tempo- und Technikfans wie Gerd und Sebastian versetzt die Häufung der Superlative in helle Aufregung. Diskussionsstoff liefert besonders der unterschiedliche Weg zur Höchstleistung. Denn den Vierkampf um die meisten PS und die beste Fahrdynamik entscheidet die individuelle Motor- und Antriebstechnik. Dabei folgen die vier Marken eigene Philosophien, die sie wie Glaubensbekenntnisse verteidigen. AMG hat die jahrelange Vergötterung des Kompressors mittlerweile für blasphemisch erklärt. Nur G und SLK 55 sind noch als mechanisch aufgeladene Relikte im Programm. Heute huldigt man dem Prinzip Hubraum: Je mehr, desto besser, Upsizing statt Downsizing. Darum steht 6.3 am Frontkotflügel des neuen E-Spitzenmodells. In Wahrheit hat der V8 6,2 Liter Hubraum. Die Reminiszenz an den legendären 300 SEL 6.3 von 1968 erlaubt die kleine Übertreibung. Auf solch liebevolle Gesten will auch BMW nicht verzichten. Dass der schon fünf Jahre alte M5 ausgerechnet 507 PS produziert, ist kein Zufall, sondern soll an das Graf-Goertz-Kunstwerk 1956 erinnern. Wie Mercedes setzt BMW auf den Saugmotor, mit weniger Volumen, dafür zwei Zylindern mehr. Diese Komposition erzeugt eine Höllenmaschine, die über 8000/min dreht. Da sie ihre Urgewalt per sequenziell manuellem Getriebe (SMG) überträgt, zeigt der M5 Rennsport-Benehmen.
Audi setzt noch einen drauf. Ob die 580 PS des V10-Biturbos reichen, den RS 6 anbetungswürdig zu machen? Als Einziger tritt er mit Allrad an. Das ist Religion bei Audi und macht ihn sehr sicher. Nur: Bei extremer Kurvenfahrt muss der schwere quattro-Antrieb nicht zwingend von Vorteil sein. Der deutschen Boliden-Phalanx stellt Jaguar seinen eleganten XFR gegenüber. Er singt das Hohelied des Kompressors und bringt es damit auf 510 PS. Genug für den Kreis der PS-Priester. Aber auch genug für die Bedingungen der Rennpiste?
Die Antwort auf diese Frage gibt es in der Bildergalerie, den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen als Download im Heftarchiv.
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Kommentare zum Artikel (70)
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@AMartin...was sie hier betreiben ist reine schlechtmacherei. Ich bin den Q7 schon probegefahren und muss sagen die qualität ist genauso perfekt wie bei allen anderen Modellen. Auch das Design finde ich gelungen, gefällt mir auf jeden fall besser als bmw x5. trotzdem würde ich ihn mir nicht kaufen weil er mir zu groß, zu durstig (wie bei allen SUV's) und, das einzig richtige an ihrer aussage, zu teuer ist. designmäßig kann audi nicht mithalten? schlechter scherz. Nach nem A5 würd ich mich auf jeden fall eher umdrehen als nach nem bmw 5er oder irgend einem Mercedes. insgesamt ist das design top
trotz aller Vorhersagen an die fahrdynamischen Qualitäten eines BMW nicht heranreicht. Dagegen ist die z.B. die haptische Qualität in einem Audi-Interieur wirklich herausragend, die Fahrzeuge wirken sehr hochwertig. Mich selbst stört die optische Penetranz (LED, "Singleframe") und möglicherweise schiebt deshalb mancher Audi in eine Image-Ecke, aus der sich BMW befreit hat. Offensichtlich kommt Audi mit dieser aggressiven Fahrzeuggestaltung einer bestimmten (durchaus großen) Klientel entgegen.
AMartin:Sie gehen mit Audi sehr hart ins Gericht. Ich denke, man sollte schon anerkennen, daß in Ingolstadt hervorragende Autos gebaut werden. Was ich in Unterhaltungen aber immer wieder höre, ist, dass dieses ewige Propagieren seitens Audi, man wolle bis Zeitpunkt X "führender Premiumhersteller" sein, man werde mit dem Audi XY das "sportlichste Auto seiner Klasse" präsentieren, eher wenig überzeugend erscheint, wenn dann im Test sich das Produkt nicht wesentlich vom Umfeld absetzen kann oder
Lieber "Michael,"
Dann kaufen Sie sich doch z.B. Mal einen Q7 - und ich bin überzeugt, Sie würden es sich beim nächsten Autokauf sehr gut überlegen, ob es doch noch mal ein Wagen mit vier Ringen sein soll. Bei diesem Audiprodukt stimmt nämlich nicht mal die Qualität, was ansonsten das einzige Kriterium sein kann, sich ein Audifabrikat zuzulegen und dazu noch einen derart überhöhten Preis zu bezahlen.
(Es kauft ja wohl auch keiner ein Opel Vectra für über 100'000 Euro, oder?)
:-D
Wirklich treffend geschrieben, "lexi,"
Ja, die Automobile von Horch waren noch richtige Schmuckstücke. Fast schon eine Schande, dass man daraus die Marke "Audi", die zwar die gleiche Wortbedeutung hat, entstehen liess, die nunmal in Sachen Design nirgendswo mithalten kann.