Jaguar XFR-S Sportbrake: Fahrbericht

Jaguar XFR-S Sportbrake: Fahrbericht

— 28.05.2014

Expressfrachter aus England

Der Jaguar XFR-S Sportbrake kann 1675 Liter zuladen. Und er fährt 300 km/h schnell. Da ist die Teststrecke fix gewählt: Nürburgring, Nordschleife.

In der grünen Hölle machen die 550 PS des Kombi-Jaguars richtig Spaß. Passend dazu: 550 Liter Laderaum hinter der Rückbank. Umgeklappt werden es 1675.

Mit einem Kombi auf die Nordschleife? Das war bislang eine Übung, die man allenfalls dem Audi RS6 Avant und vielleicht noch dem T-Modell des Mercedes E 63 AMG zugetraut hat. Doch jetzt macht sich ein weiterer Lademeister warm für die ultimative Sportwagen-Runde: Denn ab Juli wird der Jaguar XF Sportbrake als XFR-S zum Expressfrachter aus England und lockt Schnellfahrer mit 1675 guten Gründen. Naja, zumindest mit 1675 Alibis für eilige Egoisten, die den Laderaum als Ausrede für die Vernunft oder die Familie brauchen. Denn genau so viele Liter fasst das Gepäckabteil des Kombis, der in einer Liga mit Audi A6 und Mercedes E-Klasse spielt.

Fünf Liter Hubraum, beatmet von zwei Kompressoren

Video: Jaguar XFR-S (2014)

Englands Express-Kombi

Allerdings dürfte diese Zahl hier genauso nebensächlich bleiben wie die 550 Liter, die bei voller Bestuhlung hinter die elektrische Klappe passen. Erst recht, wenn man damit tatsächlich auf die Nordschleife möchte. Dann liegt die Betonung bei diesem Kombinationskraftwagen stattdessen auf der zweiten Worthälfte und es reicht eine viel kleinere Liter-Zahl, um deutlich mehr Eindruck zu schinden: 5,0. So groß ist nämlich der politisch wunderbar unkorrekte und hoffnungslos aus der Zeit gefallene V8-Motor hinter dem wütend aufgerissenen Kühlergrill, dem ein Kompressor unter ohrenbetäubendem Lärm gehörig den Marsch bläst. Schon als XFR mit seinen 510 PS und bis zu 625 Nm alles andere als ein lahmer Leisetreter, haben die Ingenieure noch einmal 40 PS und 55 Nm aus dem Triebwerk gekitzelt und den Sportbrake so eine Startreihe weiter nach vorne gebracht. Von  auf 100 katapultiert der Motor den immerhin zwei Tonnen schweren Kombi in 4,8 Sekunden und ein Ende findet die Raserei erst bei 300 km/h. "Damit sehen wir uns auf Augenhöhe mit Konkurrenten wie dem RS6 Avant", sagt Projektleiter Dean Murden.

Jaguar XFR-S Sportbrake: Genfer Autosalon 2014

Jaguar XFR-S Sportbrake Jaguar XFR-S Sportbrake Jaguar XFR-S Sportbrake

Acht Zylinder, vier Endtöpfe. So gehört sich das. Der angedeutete Diffusor passt zur agressiven Optik. Die Heckklappe geht elektrisch auf und zu.

Zwar ist der Audi in der Papierform noch ein bisschen besser, weil sein 4,0 Liter großer V8-Turbo 10 PS mehr leistet, den Sprint in 3,9 Sekunden schafft und ihm die Bayern Auslauf bis 305 km/h lassen. Doch muss man schon ein PS-Profi sein, wenn man diese Unterschiede heraus fahren will. Zumal an einem regnerischen Mai-Tag, an dem die Nordschleife ihrem Ruf als "Grüne Hölle" hinter jeder Kuppe oder Kurve gerecht werden will. Also Schluss mit der Suche nach optischen Erkennungszeichen wie den weit aufgerissenen Nüstern, den großen Kiemen auf den Kotflügeln oder dem Diffusor unter der elektrischen Heckklappe und rein in die überraschend bequemen Ledersitze. Die Lehnen schön steil gestellt, den Drehknopf fürs Getriebe aus der Versenkung geholt, den Sportmodus aktiviert und mit ihm die Schallklappen im Auspuff geöffnet und endlich den Startknopf gedrückt – dann fragt ohnehin keiner mehr nach Zahlen.

Fünf Meter lang, zwei Tonnen schwer: Eindeutig ein Sportwagen

Bei 300 km/h bremsen? Dann brauchen die Scheiben einen zusätzliche Entlüftung.

Auch der letzte klare Gedanke verflüchtigt sich, wenn aus den vier Endrohren die scharfe V8-Fanfare dröhnt, sich eine Gänsehaut aufs Trommelfell legt und sich der Lasttransporter Bahn bricht: Überraschend behände für ein Fünf-Meter-Modell mit stolzen zwei Tonnen Lebendgewicht startet der Jaguar durch und noch überraschender ist es, wie tapfer er auch in den engsten Kurven am Ball bleibt. Klar kann er sein Gewicht nicht verheimlichen, natürlich dürfte die Lenkung ein bisschen mehr Gefühl haben, und Allrad wäre bei so viel Drehmoment auch keine Schande. Doch mit dem spürbar strammer abgestimmten Fahrwerk, der neu programmierten Luftfederung an der Hinterachse, den bissfesten Bremsen, der rasend schnellen Achtgangautomatik und dem zuverlässigen Stabilitätssystem fühlt man sich auf der Nordschleife tatsächlich wie in einem Sport- und nicht wie in einem Service-Wagen.

Der Diesel kostet nicht mal halb so viel

Fünf Liter Hubraum, 550 PS, 680 Newtonmeter Drehmoment. Damit erreicht der XFR-S sogar 300 km/h.

Wer einmal warm geworden ist mit dem XF, wer ihn durchs Karussell und durch den Schwalbenschanz getrieben hat, der weiß ihn zu nehmen und möchte nicht aussteigen, bevor der 70 Liter-Tank leer ist – zumal das bei einem Normverbrauch von 12,7 und einem Nordschleifen-Wert weit jenseits der 20 Liter ohnehin schon viel zu schnell geht. Doch wer stolze 110.450 Euro für so einen Eiltransporter zahlt, der hat für solche Zahlen allenfalls ein Lächeln übrig und kippt in der Box mit Freuden nach. Denn dieses Auto ist nicht zum Sparen, sondern zum Spurten gebaut. Und alle anderen sollen bitte einen Diesel kaufen. Der braucht nicht einmal halb so viel – und kostet obendrein nicht mal die Hälfte. Nur macht er eben auch nicht einmal halb so viel Spaß – zumindest auf der Nordschleife.

Autor: Thomas Geiger

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.