Jaguar XFR und XKR

Jaguar XFR Jaguar XFR

Jaguar XFR und XKR

— 01.04.2009

Jaguar dreht mächtig auf

Nun ist Schluss mit royaler Etikette: Jaguar schärft die neuen R-Varianten von XF und XK mit fetziger Optik, satten 510 Kompressor-PS und dem von sportlichen Fahrern lange ersehnten Sperrdifferenzial.

Die Entwicklung der R-Modelle zwängt die Jaguar-Ingenieure jedes Mal in eine Zwickmühle. Sexy sollen sie sein, jedoch nicht zu aufreizend; relaxt und zugleich aufgedreht; sportiv, wenn gefordert, ansonsten aber bitte schön distinguiert wie ein Butler im Buckingham-Palast. Mit anderen Worten: Die geneigte Kundschaft wünscht Peperoni – mit der cremigen Süße von Honig. Glücklicherweise haben sich bei den neuen Modellspitzen XFR und XKR ein paar Chilischoten mehr ins Rezept gemogelt: sichtbar bereits an der salsaroten Lackglasur mit pointiert, für Jaguar-Verhältnisse jedoch durchaus provokant gesetzten Details. Aber ebenso an der Tatsache, dass man in Zeiten des Verzichts mit bauchiger Kelle aus dem Leistungsbottich schöpft: Schon die leicht bekömmliche Saugmotorauskopplung des vollrenovierten Achttöpfers wuchert mit 385 PS.

Fünfliter-V8 mit satten 510 PS als Gegenentwurf zum Downsizing

Rauchzeichen: Seinen üppigen Soundteppich verlegt der XKR gern mal quer zur Fahrbahn.

Bei der R-Variante rotiert der zentral ins Zylinder-V gepflanzte Eaton-Kompressor nun gar 510 PS herbei. Überaus prickelnd, und anscheinend völlig unbeeindruckt von Understatement-Kultur und Downsizing-Credo. Denn nicht nur dass die Jaguar-Boys den Leistungsregler gegenüber dem Vorgänger-Treibsatz um 94 PS nach oben drehten, auch der Hubraum des neuen massen- wie reibungsreduzierten V8-Aushängeschildes stieg um 0,8 auf deftige fünf Liter. Aus Sicht der politisch Korrekten hilft es da nur bedingt, dass Jaguar die Einführung der Benzin-Direkteinspritzung als eine Art Feigenblatt über – na ja sagen wir mal – antiquierte Trinksitten hält. Solvente, die sich das Zusatz-R günstigstenfalls 89.900 Euro kosten lassen, wird's egal sein, schließlich kursiert man mit dem XFR nun im elitären Reigen der Highend-Limousinen.

Dank des elektronischen Sperrdifferenzials pistenkompatibel

Zügig unterwegs: 510 PS machen sogar 1,9 Tonnen XF zum ernsthaften Sportler.

Ein 507 PS starker BMW M5 mag zwar knalliger ansprechen, Audis 580-PS-Irrwitz RS6 schneller beschleunigen, doch wenn die effizienzoptimierte Roots-Turbine die maximal 625 Newtonmeter bei 2500/min zur Woge türmt und erst tief in den Fünftausendern wieder verebben lässt, wähnen sich selbst PS-Routiniers im Längsdynamikolymp. 4,9 Sekunden (XKR: 4,8 s) veranschlagt Jaguar für den Sprint auf hundert. Glaubhaft, vorausgesetzt der Asphalt ist trocken wie britischer Humor. Doch auch im Nassen – bislang nicht gerade das Lieblingsterrain der Gaydon-Katzen – muss die üppige Kraftwelle ab sofort nicht mehr zwangsläufig in der Traktionselektronik verkümmern oder als Gischtfontäne an den Heckgummis versprühen. Dabei hilft ein elektronisch gesteuertes, der R-Linie vorbehaltenes Sportdifferenzial. Je nach Gripniveau und anliegender Motorleistung variiert es die Sperrwirkung, und zwar unabhängig vom eingeleiteten Drehmoment oder Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen den Hinterrädern.

Heißt in der Praxis: Wirkten bisherige Performance-Jags im Grenzbereich indifferent und schlaff, pressen sie ihre Hinterräder dank der aktiven Sperrfunktion nun zigfach effektiver in die Teerporen. Erlebbar wird die neu erlangte Kurvenperformance vor allem bei aktiviertem Dynamikprogramm und im Traktionsmodus der angenehm unaufdringlichen Stabilitätselektronik DSC. Dann hechten die R-Jags trotz leicht frontlastiger Balance willig gen Scheitelpunkt, lassen sich vom gestrafften Aktivfahrwerk über die Ideallinie geleiten, um kurvenausgangs ihren enormen Kompressor-Punch wahlweise als Katapult oder bei abgeschalteten Fahrhilfen als galanten Quertreiber zu verwerten. Grinsen garantiert, wobei das Coupé XKR den Mund der Insassen etwas breiter zu dehnen vermag als der minimal wankigere, aber eben rund 140 Kilo schwerere XFR.

Zwickmühle: Limousine, Coupé oder Cabrio?

Edles Rad: Die Alus teilen sich XKR, XFR und das ebenfalls erhältlich starke XKR Cabrio.

Als gewohnt fitter Sportkamerad präsentiert sich zudem die Automatik. Mit im manuellen Sportmodus merklich verknappten Schaltzeiten rupft sie ihre sechs Stufen entweder im Sequenziell-Stil durch oder schält sie im D-Programm ebenso pünktlich wie sanft ins Ritzel. Unter sportiven Gesichtspunkten etwas zu sanft agiert hingegen die Lenkung. Zwar rückte ihr Ansprechbereich deutlich dichter an den Ruhepol, ein bisschen mehr Rückmeldung vertrüge aber sogar ein reinrassiger Gentlemansportler. Letztlich ein kleiner Wermutstropfen, der in einer feurigen Vorstellung fast gänzlich verglüht. Bliebe nur die Frage, welches R-Dress nehmen? Limousine, Coupé oder Cabrio? Womit wir schon bei der nächsten Zwickmühle wären.
Technische Daten Jaguar XKR Coupé
Motor V8-Kompressor, vorn längs
Ventile 4 pro Zylinder
Hubraum 5000 cm³
Leistung 375 kW (510 PS) bei 6000–6500/min
Literleistung 102 PS/Liter
max. Drehmoment 625 Nm bei 2500-5500/min
Antrieb Hinterrad
Automatik 6-Stufen
Bremsen Scheibenbremsen rundum, innenbel.
Reifen v. 245/40 R 19 / h. 275/35 R 19
Länge/Breite/Höhe 4794/1892/1322 mm
Radstand 2752 mm
Leergewicht 1753 kg
Leistungsvolumen 3,4 kg/PS
Zuladung 392 kg
Tankvolumen 71 l
Verbrauch 12,3 l Super Plus
Beschleunigung 0–100 km/h in 4,8 s
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Preis 103.900 Euro
*Herstellerangaben

Autor: Stefan Helmreich

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