Jaguar XJ 3.5 V8

Jaguar XJ 3.5 V8 Jaguar XJ 3.5 V8

Jaguar XJ 3.5 V8

— 10.03.2003

Luxus light

Die Alu-Karosserie macht den neuen Jaguar XJ zum Leichtgewicht. Zu leicht sollte ihn die Konkurrenz aber nicht nehmen.

Leichtgewicht in der Elite-Liga

Schluss mit "light". Keine Zigarettenpackung darf mehr diese Bezeichnung tragen. Das hat gerade die WHO – die Weltgesundheitsorganisation – beschlossen. "Light" wecke falsche Erwartungen, täusche über die Gefahren des Rauchens hinweg.

Keine falschen Erwartungen wecken hingegen leichtgewichtige Autos. Hier ist "light" keine Gefahr, sondern ein Ziel. Weniger Gewicht bedeutet höhere Agilität, bessere Fahrleistungen und geringeren Kraftstoffverbrauch. Und genau darum ging es bei der Entwicklung des neuen Jaguar XJ. Die Briten setzen deshalb – wie Audi beim A8 – auf eine Karosserie aus Aluminium, benutzen aber eine andere Technik.

So bringt der auf den Fotos zu sehende XJ 3.5 V8 nur 1615 Kilo auf die Waage. Ein Leichtgewicht in der Elite-Liga. Der Audi A8 3.7 startet bei 1770 Kilo, der Mercedes S 350 bei 1810 Kilo und der BMW 735i gar erst bei 1935 Kilo.

Innenraum mit 40 Prozent Zuwachs

Womit auch gleich die zukünftigen Gegner des neuen Jaguar genannt sind. Der XJ ist genauso groß – fünf Meter lang, 1,87 Meter breit und 1,45 Meter hoch – wie die deutsche Oberklasse. Vor allem aber sechs Zentimeter breiter und erstaunliche 13 Zentimeter höher als sein Vorgänger. Der Innenraum konnte deshalb um 40 Prozent größer werden – sagt Jaguar. Keine Kunst, sagen Spötter, in dem ging es schließlich so eng zu wie im Tower of London, dem Kerker.

Wunder sollte trotzdem niemand erwarten: Noch immer sitzt man vorn eingezwängt zwischen der mächtigen Mittelkonsole und der Tür. Aber ich kann mich mit meinen 1,93 Metern auch deshalb bequem einrichten, weil nicht nur das Lenkrad, sondern auch die Pedale elektrisch längs verstellbar sind. Auch im Fond ist es eher gemütlich als luftig, dahinter kommt dann der größte Jaguar-Kofferraum aller Zeiten – 475 Liter.

"Praktisch musstest du dich ja bei den Nachbarn entschuldigen", sagt David Scholes, "die hielten dich mehr oder weniger für verrückt, wenn du mit einem XJ vorgefahren bist." Der Mann ist nicht nur witzig, sondern auch noch Chefingenieur für den neuen XJ. "Wir wollten den Leuten endlich auch mal ganz rationale Gründe geben, einen XJ zu kaufen. Und dazu zählt eben ein ernst zu nehmendes Platzangebot." Genauso wie konkurrenzfähige Motoren.

Handlicher und straffer als der Vorgänger

Einstieg ist der gründlich überarbeitete Dreiliter-V6 aus dem S-Type, darüber gibt es drei V8: den 3,5-Liter, 4,2-Liter und 4,2-Liter-Kompressor, alle kombiniert mit der hellwachen ZF-Sechsgangautomatik.

Schon der erstarkte Dreiliter schlägt sich tapfer, klingt aber doch ein bisschen angestrengt. Standesgemäßer scheint der 3,5-Liter, ein souveräner, sanftmütiger und leiser V8. Ich musste hier immer den Tacho im Auge behalten – der XJ war stets schneller, als ich dachte. Daran entscheidend beteiligt ist das Fahrwerk.

Wer jetzt an dieses typische geschmeidige Jaguar-Gleiten denkt, liegt falsch. Weggewischt wie das "light" auf der Zigarettenpackung. Trotz oder gerade wegen seiner Luftfederung liegt der XJ handlicher und straffer auf der Straße als bisher, wenn auch nicht ganz so knackig wie etwa der Audi A8.

Motor-Varianten und Preise

"Unsere Kunden wollten ein sportlicheres und direkteres Fahrverhalten", sagt David Scholes. Sie haben es bekommen. Dafür müssen sie in Kauf nehmen, dass der Jag Gullydeckel und Querfugen mürrisch überfährt. Aber ähnliche Probleme haben derzeit viele Luftfederungen, die nur auf langen Bodenwellen richtig souverän reagieren. Eine Ideallösung scheint es noch nicht zu geben.

Etwas hat der Jaguar dafür ganz für sich allein: sein Design. Zurückhaltend, nichts zum Aufregen. Klassisch englisch, fast ein bisschen altmodisch. Was nichts Schlechtes sein muss. Denn gerade das unterscheidet ihn von seinen Gegnern. An denen er sich auch bei den Preisen orientiert. Zum Vergleich: Der BMW 735i startet bei 65.100, der Mercedes S 350 bei 62.698 und der Audi A8 3.7 bei 66.400 Euro. Schwergewichte sind sie allesamt.

Autor: Dirk Branke

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