Jaguar XJ 40 (1986-1994)

Gebrauchtwagen Jaguar XJ 40/Daimler Gebrauchtwagen Jaguar XJ 40/Daimler

Jaguar XJ 40 (1986-1994)

— 25.02.2002

Ist die Katze gesund...

Ein Jaguar verlangt nach Streicheleinheiten. Nur dann schnurrt er zufrieden und dient seinem Herrchen treu.

Ausstattung und Unterhalt

Wir können es verstehen: Wer je mit einem Beinahe-Spagat den breiten Türschweller mit der verchromten Plakette "Jaguar Ltd., Coventry" überquert hat, wird fast automatisch zum Katzenfreund. Ergonomische Unkorrektheiten wie die ständige Kopfnuss-Gefahr durch das niedrige Dach oder der am rechten Oberschenkel drückende Handbremshebel spielen keine Rolle mehr, wenn der Blick über holzgetäfelte Instrumente schweift und die Nase echtes Leder wittert.

Und erst die Motoren: Sechs Töpfe sind Satz schon im schwächsten Jaguar. Wobei die Kolben lange Wege zurücklegen, entsprechend viel Zugkraft entwickeln. Der stärkste hat gar die doppelte Anzahl Zylinder, treffenderweise nennt er sich Double Six. Allerdings nur, wenn Daimler (sprich Däihmler) als Marke davor steht - die Luxusabteilung von Jaguar. Doch das eigentlich Erstaunliche sind die Preise: Selbst die letztgebauten 94er wechseln zu Kursen den Besitzer, zu denen sonst höchstens gleich alte Audi 100 zu haben sind. An dieser Stelle geraten dann auch vernunftbegabte Menschen in Versuchung – und lassen völlig außer Acht, dass die Katze auch gefüttert werden will.

Weniger als 16 Liter Super hat sich kein XJ bei uns je gegönnt, dagegen war selbst das alte Dickschiff S-Klasse von Mercedes ein Öko-Auto. Dass auch die Versicherer hinlangen, versteht sich von selbst. Doch in unserem jüngsten Werkstatt-Test stellten wir fest, dass vor allem die markeneigenen Händler an der Preisschraube drehen und die Verbreitung stören - schon die billigste 100.000-km-Inspektion kostete 1400 Mark. Allerdings gibt es auch viel zu tun an solch einem Jaguar: Der XJ 40 verfügt zum Beispiel noch über Schmiernippel an den Antriebswellen, die regelmäßig nach frischem Fett verlangen – einmalig in unserer wartungsfreien Welt.

Technik und Verarbeitung

Damit ist klar: Die Katze ist nur so gesund wie ihr Tierarzt. Denn die Substanz des XJ 40 ist grundsolide, Rost wie noch beim Vorgänger Serie III nahezu unbekannt. Das eigentlich Verblüffende: Selbst die als kapriziös verschrieene Mechanik ist im Grunde handzahm. Schäden daran sind so gut wie immer auf Nachlässigkeiten in der Wartung zurück zu führen. So nutzt das Kühlwasser wie bei jedem Allerweltsauto alle sich bietenden Gelegenheiten, seinen Kreislauf zu verlassen. Geschieht dies unbemerkt - auch weil der zuständige Überwachungssensor mitunter ein Nickerchen macht -, sind Überhitzungserscheinungen wie durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen die Folge.

Nicht vom Fahrer zu beeinflussen: Öl-Leckagen. In diesem Punkt ist die Katze selten stubenrein, Flecken an gewissen Stellen sind normal. Da hilft nur Auswechseln der undichten Wellendichtringe, was wegen der unübersichtlichen Bauweise hohe Lohnkosten bedeutet. Besser ist dran, wer sich einen neuen Jaguar leistet: Das Nachfolgemodell X 300 bietet die dreijährige Royal-Plus-Garantie, die während dieser Zeit sämtliche Wartungskosten inklusive Verschleißteilen übernimmt - der Katzenhalter muss nur noch tanken. Aber seriöse Gebrauchtwagenhändler bieten auch für ältere Exemplare Garantien an, die in Anbetracht der chronischen Inkontinenz durchaus ratsam erscheinen.

Die Auspuffanlage ist jedoch in den meisten Fällen nicht mitversichert - wie die übrigen Verschleißteile. Doch das verzweigte Rohrsystem ist teuer und nach zwei bis drei Jahren wieder erneuerungsbedürftig. Etwa den gleichen Turnus benötigen die vorderen Querlenker-Buchsen. Die Gummi-Metall-Lager sind unterdimensioniert und bei unserem Fotomodell Daimler Double Six bereits überfällig, was sich durch Poltern auf Unebenheiten mitteilt. Doch gerade das wird vermutlich niemand diesem Wagen verzeihen, denn schließlich ist es gerade die lautlose Art der Fortbewegung, die solche Katzen auszeichnet.



Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 11/86 Einführung der Baureihe XJ 40 mit 3,6-l-Reihensechszylinder und 212 PS (ohne Kat). Vorgänger Serie III (Typ XJ) wird in hochwertigeren Versionen bis 92 parallel weitergebaut 1/87 zusätzliche Ausstattungsvarianten, 3,6-Liter mit Kat, 185 PS 1/89 Einführung XJ 4.0 Kat mit 222 PS 10/91 neues Basismodell XJ 3.2 mit 199 PS 10/92 XJ R 4.0 mit 248 PS 5/93 Einführung XJ 12 mit 6,0-l-V12, 311 PS 10/94 schrittweiser Modellwechsel auf den neuen XJ, Typ X 300 9/97 neuer XJ, Typ NAW/NBW

Schwachstellen • Ölverlust gehört bei Fahrzeugen von der Insel nach wie vor zum täglichen Leben. Betroffen sind am Motor die Ölablass-Schraube (rechts) und die Wellendichtringe sowie Getriebe und Differenzial • Wasserverlust an Pumpe und Leitungen ist die häufigste Ursache für Überhitzungen an den teuren Sechs- und Zwölfzylindern. Oft versagt der Sensor für den Kühlmittelstand • Elektrik ist beim XJ 40 weit besser als ihr Ruf, trotzdem schadet Kontrolle nie - Fensterheber, Sitzverstellung und Zentralverriegelung prüfen • Innenausstattung verlangt vorsichtige Pflege. Sonst brechen die Echtholzleisten, die meistens lederbezogenen Sitze bekommen Risse

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Jaguar XJ 4.0, 163 kW/222 PS, Bj. 93. An dieser Stelle wird der Luxus-Status des Jaguar deutlich. Kleiner Trost: Verschleißartikel sind nicht teurer als bei der deutschen Konkurrenz.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Die wenigen Exemplare, die sich einer Hauptuntersuchung unterziehen, hinterlassen in der Summe einen guten Eindruck. Gravierende technische Mängel gibt es nicht. Interessenten sollten auf Undichtigkeiten des Differenzials, Risse am Auspuffkrümmer und verzogene Bremsscheiben achten. Auch die Zylinderkopfdichtung verlangt nach einem prüfenden Blick. Allerdings sind dies keine Gründe, dem XJ die Plakette zu verweigern." Werner Lyrmann, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung XJ 6 4.0 (163 kW/222 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 528 Mark im Jahr/Euro 1 Testverbrauch: DIN 11,4 Liter, gemessen 16,4 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (30/1000 Mark SB): 4069 Mark, Teilkasko (36/300 Mark SB): 1035 Mark, Haftpflicht (21): 2286 Mark (Basis: Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, Einstufung 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 12.000 Kilometer, etwa 800 bis 1000 Mark Wertverlust: Sechsjährige sind für 25 Prozent vom ehemaligen Neupreis zu bekommen, verlieren noch etwa 2000 Mark jährlich.

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