Jahresrückblick 2008

Audi A3 2.0T Great Wall Florid

Jahresrückblick 2008

— 23.12.2008

Die Automessen des Jahres

Rund 40 Automessen gab es 2008. Wir haben zwölf für Sie herausgepickt. Hier die Stars der Salons, Motor Shows und Auto Expos dieser Welt. Und in der Bildergalerie: die hübschesten Hostessen.

Hach, was waren das noch für Zeiten, als die großen internationalen Autobauer auf den großen internationalen Automessen völlig unverblümt ihre imposantesten Dickschiffe aufgefahren haben, gemäß dem Motto: "Seht her, wir sind die Größten!" Es wurden weder Kosten noch Mühen gescheut, um eine protzige PS-Show abzuliefern. Klar, es gibt sie immer noch, die 500-PS-Sportler und Drei-Tonnen-Pick-ups – jedoch standen Sie 2008, sei es in Genf, London oder Paris, meist in irgendeiner stillen Ecke. Grund: Die moderne Automesse wird seit rund zwei Jahren immer grüner! Wer im Trend liegen will, präsentiert fahrbereite Vehikel mit Elektroantrieb, Brennstoffzelle oder Plug-in-Hybrid, und keine 20-Liter-Schluckspechte mit V12-Triebwerk. Die Zeiten ändern sich. Rasant! Nachdem sich im Herbst 2008 dann auch noch die Wirtschaftskrise niederschlug, kam es zum totalen Einbruch: Die LA Auto Show 2008 war ein kompletter Flop. Auch in Bologna herrschte Tristesse. Hersteller sagten ihre Pressekonferenzen ab, besonders viele Neuheiten bekam das Publikum nicht zu sehen. Doch es wird ziemlich sicher noch düsterer. Für die erste große Auto-Show 2009, die NAIAS in Detroit (11. bis 25. Januar), hagelte es schon Absagen. Nissan, Infiniti, Suzuki, Mitsubishi, Rolls-Royce, Ferrari und Land Rover – sie alle kommen nicht! Was in Genf oder auf der IAA passiert, steht noch in den Sternen. Darum genießen Sie nochmal die Highlights 2008, als es auf den internationalen Automessen noch ordentlich was zu sehen gab!

Auto Expo in Delhi: Chaos, Dreck und billige Kisten

Der Star im Getümmel: 3,10 Meter lang, 1,60 Meter hoch und 1,50 Meter breit – im Tata Nano soll eine vierköpfige Familie Platz finden.

Der Smog liegt wie dichter Nebel über der Stadt. Die Millionenmetropole Delhi ist eine einzige riesige Umweltzone, in der jedes Fahrzeug tun und lassen kann, was es will. Verkehrsregeln scheint es nicht zu geben, Fahrbahnmarkierungen sind schlichte Verschwendung von weißer Farbe. Es herrscht automobile Anarchie. Wo sonst könnte das Autojahr 2008 besser starten als in dem selbsternannten Autoland der Zukunft? Indien lädt zur 9. Auto Expo – und fast alle kommen. Star der Messe ist das nationale Eigenwächs Tata Nano. Am ersten offiziellen Pressetag sieht das Messegelände im Osten der Stadt aus wie eine Mischung aus Müllhalde, Basar, Vergnügungspark und der Landesmeisterschaft im Freilufthandwerken. Fast nichts ist fertig, es scheint, als seien die Inder davon überrascht worden, dass ihre alle zwei Jahre stattfindende Messe so plötzlich wieder losgehen soll. Männer, Frauen und Kinder werkeln mit Laubsägen, kleinen Pinseln und Reisigbesen vor sich hin. Das Verkehrschaos vor den Toren unterscheidet sich in nichts von den hupenden, drängelnden und stinkenden Autos, Tuk Tuks und Mofas in den Gassen zwischen den Hallen. Ein Audi A6 wartet darauf, in Halle 15 geschoben zu werden, ein bettelndes Kind sitzt im Weg. Obdachlose finden auf dem Rasen neben Halle sieben einen Platz zum Schlafen. Zum Artikel

NAIAS in Detroit: Denk groß, sprich grün – die Show der Gegensätze

Strohballen liegen auf der Straße, Cowboys ziehen Zäune vor dem Messegelände auf, eine Herde von Longhorn-Rindern wird um die Cobo Hall getrieben: Ur-Amerikanisch geht es zu, als Chrysler seinen neuen Dodge Ram präsentiert. Die Nachricht lautet: Der Pick-up, mit 358.000 verkauften Exemplaren auch 2007 weiterhin Bestseller der Marke, muss nur hart und groß genug sein. Der Grill guckt noch grimmiger und ist fast so groß wie die Pferde der Cowboys. Auch bei der Power hat der neue Dodge Ram nochmals zugelegt, trägt jetzt einen 5,7 Liter großen Hemi-V8 mit 380 PS (zehn Prozent mehr als bisher) als Topmotor, 20 Zoll-Räder und eine elektrische Zuziehhilfe für die Bordwand. "Wir haben die Wünsche unserer Kunden gehört", sagt Chrysler-Chef Bob Nardelli. Scheint, als ob Amerika schwer Good-bye sagen kann zu seinen alten und durstigen Auto-Traditionen. Immerhin kündigt Nardelli an, dass der Dodge Ram ab 2010 einen Hybrid-Antrieb bekommen soll. Zum Artikel

Genfer Salon: klein und sparsam

Alternative Antriebe, Downsizing, Leichtlaufreifen – alles gängige Mittel zur Reduzierung von Verbrauch und Emissionen. Eine weitere Strategie: das Präsentieren komplett neuer Kleinwagen. Auf dem 78. Genfer Salon zeigen die Autobauer eine ganze Armada von Stadtflitzern. Die Bandbreite reicht vom kugelig-gemütlichen Überraschungs-Ei IQ von Toyota bis zum giftig-sportlichen Fiat 500 Abarth. Das Gute daran: Die Kleinen sind nicht nur bescheiden, was den Benzinverbrauch angeht – sie sehen auch verdammt gut aus und haben oft auch noch ordentlich Dampf unter der Haube.

Um 8:15 Uhr, direkt im Anschluss an Nissan, eröffnete Renault am ersten Pressetag (4. März) das bunte Kleinwagen-Messe-Treiben mit dem rasanten Twingo Sport. Mächtig bespoilert und beschwellert lässt er die zweite Twingo-Baureihe richtig draufgängerisch aussehen. Mit 133 PS schreit er eindeutig nach mehr als nur einem gemütlichen Einkaufsbummel. Weiter geht's zu Suzuki, wo die Japaner neben dem Agila-Bruder Splash das Concept Car A-Star enthüllen. Die Studie gibt einen Ausblick auf den neuen Alto, der 2009 zu uns rollt. Zum Artikel

New York Auto Show: Bluetec statt Bush – Wahlkampf der besonderen Art

Mercedes macht aus der New York Auto Show kurzerhand eine Wahlkampagne für sein Bluetec-System – den "saubersten Diesel der Welt".

Rote, blaue und weiße Luftballons fallen von der Hallendecke, es regnet Konfetti, und Dr. Thomas Weber, Entwicklungsvorstand bei Daimler, steht auf der Bühne und sieht tatsächlich ein bisschen aus wie ein Politiker. Mercedes-Mitarbeiter und Komparsen tragen Buttons mit der Aufschrift "Vote für Bluetec". Weil die USA derzeit einen neuen Präsidenten suchen, dachten sich die Stuttgarter, es wäre doch witzig, die Präsentation des "saubersten Diesel der Welt" auf der New York Auto Show 2008 als Wahlkampfveranstaltung zu inszenieren. Bluetec statt Bush. Weber statt Obama oder Clinton. Da staunen selbst die Amis. Am Abend zuvor hat Mercedes ins "House of Bluetec" eingeladen, sonst ein Studio in der 35. Straße in Manhattan. Die Popsängerin Sheryl Crow singt vor den 100 Gästen ein paar Lieder und lobt in jeder Pause die Diesel-Technologie ihres Auftraggebers. Sogar die Drinks sind blau. Sie schmecken, als wäre Harnstoff drin. Über der Bar steht in Neonschrift "In Bluetec we trust". Zum Artikel

AMI Leipzig: jede Menge Volks-Autos zum Anfassen

Selbstbewusst treten sie in Leipzig auf, die Autobauer, die sonst gerne mal zwischen den Ständen der großen Premium-Marken verloren gehen. Bestes Beispiel: die Koreaner. Die Messestände von Hyundai und Kia können in ihren Abmessungen locker mit VW, Audi, BMW und Co mithalten. Hyundai zeigt mit dem kleinen i10 den Nachfolger des Atos – und sollte keine großen Probleme haben, den unauffällig gezeichneten Auto-Knirps zahlreich auf die Straße zu bringen. Die Preise sind mehr als volksnah: 9990 verlangen die Koreaner für die 67 PS starke Basis-Version. Wer Diesel fahren will, muss mindestens 12.590 Euro in die Hand nehmen. Nur ein paar Meter weiter steht die flammneue Kombi-Version des Hyundai i30, der am auffällig gestalteten Gepäckraum und dem Kürzel "cw" zu erkennen ist. 17.490 Euro muss man investieren, um mit 1395 Liter Gepäck auf die Reise zu gehen. Ein Preis-Leistungsverhältnis, bei dem nicht nur der VW Golf Variant in die Röhre guckt. Zum Artikel

Auto China: die großen Pläne der chinesischen Autobauer

Haben Sie sich schon Ihren Martin Motors CEO bestellt? Nein? Vielleicht den Brilliance BS6! Auch nicht? Dann sind Sie ja in allerbester Gesellschaft. Fahrzeuge chinesischer Autobauer halten sich zwar hartnäckig in den Medien – auf der Straße gesichtet wurde allerdings noch kaum eines der lang angekündigten Auto-Schnäppchen. Dass das nicht mehr lang so bleiben muss, zeigt ein Blick auf die Auto China 2008 in Peking (22. bis 28. April). Wo in den letzten Jahren vor allem westliche Marken glänzen konnten, halten die einheimischen Autobauer inzwischen selbstbewusst dagegen. Statt plumper Plagiate zeigen vor allem die großen Marken stolz ihre eigenen Designlinien, die teilweise mit italienischer Unterstützung entstanden sind. Skurile Design-Patzer finden sich praktisch nur noch bei den unzähligen kleinen Autobauern, die im Riesenreich wie Pilze aus dem Boden schießen. Die großen der Zunft gehen hingegen gehen auch technisch in die Offensive. Diesel-Hybride und Doppelkupplungsgetriebe made in China. Da wird der eine oder andere etablierte westliche Autobauer ins Schwitzen kommen. Zum Artikel

British International Motor Show: London treibt es bunt

Opel, sonst gerne mal zwischen der großen und selbstbewusst auftretenden deutschen Konkurrenz erdrückt, sicherte sich am Vorabend der British International Motor Show den ganz großen Auftritt. Die Rüsselheimer warfen in der Londoner Innenstadt den Insignia aus einem Container – mit Blick auf die alt ehrwürdige Tower Bridge. Der moderne Opel, der so gar nicht an seinen spießigen Vectra-Vorgänger erinnert, kann technisch alles (intelligentes Beleuchtungssystem, Verkehrszeichen-Erkennung), was die Mitbewerber in der Mittelklasse auch zu bieten haben, er ist dabei aber eine ganze Ecke günstiger. In Sachen Hybrid und alternative Antriebe steht der in England als Vauxhall Insignia verkaufte Opel allerdings genauso nackig da wie die Konkurrenz aus Stuttgart, Wolfsburg oder Korea. Zum Artikel

Moskau Motor Show: Auto-verrücktes Russland

Gramvoll beäugen Experten die Stimmung am deutschen Automarkt: Im Vergleich zum Vorjahr wurden von Januar bis Ende Juni 2008 zwar 3,6 Prozent mehr Autos verkauft, aber die Konjunkturaussichten sind mau bis trübe. Ganz anders in Russland: Der Automarkt im Reich der Ölmagnaten entwickelt sich zum wichtigsten Absatzmarkt in Europa. Ende 2008 schreibt Russland erstmals mehr Neuzulassungen als Deutschland, so die Prognosen. Von bis zu 3,8 Millionen Neuwagen ist die Rede. Jeder siebte davon könnte deutscher Abstammung sein. Die Benzinpreise liegen deutlich unter einem Euro, Diesel und Dreizylinder interessieren kaum, alternative Antriebe schon gar nicht. Das sollte alle Hersteller großer SUV glücklich machen: Zumindest in Russland scheinen die in Ungnade gefallenen Öko-Spalter eine Zukunft zu haben. Zum Artikel

Paris Motor Show: Das große Surren geht weiter

Die Chance überfahren zu werden, ist auf dem Messegelände des Autosalons bedeutend größer als im Pariser Berufsverkehr. Das klingt gewöhnungsbedürftig, ist aber nicht verwunderlich. Denn anders als im Alltagsverkehr sind zwischen den Messehallen unzählige Elektroautos unterwegs. Die kleinen Flitzer schleppen Waren, Personal und Lebensmittel hin und her, sind erstaunlich flott und flüsterleise. Eine echte Herausforderung für die vielen Fußgänger, die immer wieder von heransurrenden Elektroflitzern überrascht werden. Eine Situation, an die wir uns so schnell wie möglich gewöhnen sollten. Denn auf der Paris Motor Show 2008 sind neben Hybriden und Superspar-Dieseln vor allem Elektroautos die Stars der Stunde. Zum Artikel

SEMA in Las Vegas: Genug ist nie genug

Wahltag in den USA. Doch mit dem Election Day haben die Besucher der SEMA 2008 offensichtlich wenig am Hut. Tausende strömten am ersten Messetag bei herrlichem Sonnenschein durch die Hallen des Convention Center in Las Vegas. Vorbei an nostalgischen Corvette-Nachbauten, an monströsen 42-Zoll-Felgen, an der inzwischen steinalten PS-Legende Carroll Shelby und einigen Damen, die das Wort Tuning auch auf den menschlichen Körper ausgeweitet haben. Enough is never enough (Genug ist niemals genug) – das Motto eines Ausstellers könnte auch für die ganze SEMA gelten. "Finanzkrise"? Diese Vokabel ist hier etwa so weit weg wie das Wort Elektromobil. Es geht um den guten alten Spaß am Autofahren – und da ist bestenfalls ein Diesel gesellschaftsfähig. Und zwar einer nach amerikanischem Geschmack: Der getunte 6,6 Liter große V8 aus einem Truck haucht einer 70er-Chevelle 1100 PS ein. So bekommt das Muscle Car der letzten Unschulds-Ära noch einmal einen zart grünen Anstrich. Zum Artikel

Essen Motor Show: Tuning total – was sonst!

Schicke Hostessen in Essen: So schön kann der der Ruhrpott sein.

Den Eintritt am Kassenhäuschen hinterlegen, das grüne Gewissen in den Standby-Modus schalten und eintauchen in den Dschungel aus buntem Blech, Bassdröhnen und glizerndem Tuning-Zubehör – das ist die Essen Motor Show 2008. In Zeiten, in denen sich so ziemlich alle Hersteller dem bescheidenen Downsizing verschrieben haben, mag manches PS-Monstrum, dass da aus deutscher Manufaktur nach Essen rollt, wie ein Schlag ins Gesicht für viele geschundene Autobauer wirken. Für den passionierten PS-Freak aber festigen nacheinander fallende PS-Rekorde den Glauben an automobile Lebenskultur. 2008, so scheint es allerdings, sind Tuner und Hersteller deutlich auf die Bremse getreten – die ganz große Sause ist vorbei. Zum Artikel

Bologna Motor Show: Die Wirschaftskrise zeigt Wirkung

Eines der wenigen Highlights in Bologna: Der Mazda3. Mit vier Motoren starten Fließheck und Stufenheck im Frühling 2009.

Der Tisch ist gedeckt, doch der Appetit mag nicht so recht aufkommen. Die erste europäische Autoshow mitten in der Krise zeigt alle Anzeichen einer aufkommenden Krankheit – sie heißt Ratlosigkeit. Wie geht es weiter? Die Hallen der Bologna Motor Show sind am ersten Pressetag nur mäßig gefüllt. Journalisten durchqueren die Hallen mit einer gewissen Appetitlosigkeit. Das ist das Spiegelbild des italienischen Marktes, der momentan mit schwerer Grippe danieder liegt. Minus 29,5 Prozent im November, 138.353 Zulassungen gegenüber 196.125 im November 2007. Das schlechteste Ergebnis seit 1993. Nun war diese Messe nie die Oscar-Verleihung unter den Autoshows, Prunk und Glamour strahlte sie nie aus. Doch hier und heute spürt man, dass etwas Grundlegendes falsch läuft. Die Zeichen stehen nicht auf Party, sondern auf Überleben. Die sexy Hostessen versuchen den Frust wegzulächeln, ab und zu dringt laute Musik durch die Hallen, doch die Fassade bröckelt. Zum Artikel

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