Jeep Cherokee: Fahrbericht

Jeep Cherokee: Fahrbericht

— 28.01.2014

Erste Fahrt im neuen Jeep Cherokee

Im Juni 2014 kommt die vierte Generation des Jeep Cherokee nach Deutschland – mit neuem Design und neuer Technik. Was hat der Ami drauf? Der erste Fahrbericht.

Leuchtpickel als Rückleuchten: Das Heck des neuen Jepp Cherokee polarisiert.

Es war einmal ... So fangen für gewöhnlich nur Märchen an. Und selbst die traurigsten haben oft genug ein Happy End. Schließlich wird selbst aus dem hässlichen Entlein am Ende doch noch ein strahlender Schwan. Das haben auch viele gehofft, als Jeep vor einem Jahr auf der Motorshow in New York das Tuch vom neuen Cherokee gezogen hat, der nun nach ein paar Jahren Europa-Pause auch bei uns im Sommer zu Schätzpreisen um 36.000 Euro wieder gegen Autos wie den Toyota RAV-4 oder den BMW X3 antritt. Denn eine Schönheit war das Messe-Modell mit seiner Hakennase, seinen Schlitzaugen und dem hohen Hintern mit den beiden Leuchtpickeln der Rücklichter nun wirklich nicht. Doch diesmal haben die Gebrüder Grimm die Jeep-Fans im Stich gelassen: Am Design hat sich nichts mehr geändert.

Fahrbericht Jeep Grand Cherokee FL

Zwar ist der Cherokee für Jeep mittlerweile schon ein Traditionsmodell, das bis auf den AMC Cherokee von 1974 zurückgeht. Doch mit alten Zöpfen haben die Amerikaner nichts am Hut. Das gilt für das futuristische Design, das nur noch an den sieben Balken im Kühlergrill zu erkennen ist, genauso wie für die Technik. Denn auch unter dem Blech wurde quasi kein einziges Bauteil übernommen.

Neuer, sparsamer Vierzylinder fürs Basismodell

So steht der 4,63 Meter lange Jeep Cherokee auf einer völlig neuen Plattform mit stolzen 2,70 Metern Radstand, die auf die Alfa Giulietta zurückgeht, und fährt mit einem neuen Antrieb: Das Basismodell bekommt nun einen Vierzylinder mit 2,4 Litern Hubraum und 184 PS, der im Zusammenspiel mit einer ebenfalls neuen Neungang-Automatik mit nur 7,6 Litern auskommt und damit 45 Prozent sparsamer wird als der bisherige V6-Motor. Für die Freunde der alten Schule gibt es einen neuen Sechszylinder mit 3,2 Litern Hubraum und 271 PS. Und für die Europäer wird es auch einen Multijet-Diesel von Fiat mit 140 oder 170 PS geben. Obwohl all das der Sparsamkeit dienen soll, haben die Amerikaner ihr Repertoire nicht ganz ausgereizt. Denn die Benziner haben weder eine Direkteinspritzung noch eine Start-Stopp-Automatik.

V6-Motor kann nicht vollends überzeugen

Zu wenig Wumms: Der große V6 des Cherokee konnte bei der ersten Ausfahrt nicht ganz überzeugen.

Bei der ersten Testfahrt in den USA kann der große V6-Motor allerdings nur bedingt überzeugen: Wenn er mal läuft, macht er seine Sache ganz gut, und man cruist gemütlich über den Highway. Doch beim Anfahren gehen irgendwo im Räderwerk ein paar der maximal 316 Newtonmeter Drehmoment verloren. Nicht dass der Cherokee zu langsam wäre, immerhin schafft er den Sprint in weniger als sieben Sekunden und kommt auf etwa 220 km/h. Aber wer gegen den Trend zu Diesel und Downsizing tatsächlich einen V6-Motor kauft, der erwartet mehr Wumms. Und er erwartet eine Automatik, die sich beim Herunterschalten nicht ganz so oft verschluckt wie das ansonsten tadellose Neunganggebilde.

Die Fahrwerksabstimmung ist noch nicht optimal

Auch das Fahrwerk ist allenfalls gehobener Durchschnitt. Die Offroad-Variante Trailhawk ist um knapp drei Zentimeter aufgebockt, hat für den harten Einsatz abseits der Piste diverse Sperren, spezielle Fahrprogramme für jedes Terrain und sogar einen Geländetempomaten. Doch auf der Straße verspannt sich der Allradantrieb beim Anfahren in engen Kurven bisweilen merklich. Und zumindest die dicken Querfugen auf den amerikanischen Highways schlagen häufig durch bis ins Gebälk. Wenn sie schon am Design nichts mehr geändert haben, dann sollten die Amerikaner zumindest die Abstimmung noch ein wenig auf Vordermann bringen, bevor die Autos in Bremerhaven vom Schiff rollen.

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Auf den ersten Blick schick, auf den zweiten zu billig gemacht: das Cherokee-Cockpit.

Innen erwartet die Kunden dafür eine zumindest auf den ersten Blick sehr feine Welt aus Lack und Leder. Allerdings wirkt das Material auf den zweiten Blick arg billig, die Kunststoffe sind zu hart, die Grate zu grob und das Holzimitat in den Türen ein schlechter Scherz. Dafür leisten sich die Amerikaner aber ein nettes Augenzwinkern, prägen das Gründungsjahr der Marke, 1941, ins Lenkrad und lassen im Scheibenrahmen einen Ur-Jeep über einen Felsen klettern.

Großer Touchscreen mit Online-Navigation

Und viel wichtiger: Mit einem Heer von neuen Ausstattungsmerkmalen und Assistenzsystemen beweist die Traditionsmarke, dass sie mittlerweile in der Neuzeit angekommen ist: In der Mittelkonsole prangt ein großer Touchscreen mit Online-Navigation, Hotspot und Appstore, hinter dem Lenkrad gibt es einen zweiten großen Bildschirm, und mit einer Kamera hinter dem Innenspiegel wacht der Cherokee über die Wahl der Fahrspur und den Abstand zum Vordermann. Rückt man dem zu dicht auf die Pelle, leitet die Elektronik jetzt automatisch eine Notbremsung ein.

Vier Power-SUVs im Vergleich

Der neue Cherokee steht auf einer völlig neuen Plattform, die bereits nach dem Zusammenschluss von Fiat und Chrylser entstanden ist. Deshalb wird es bei dem US-Modell nicht bleiben. Sondern wenn stimmt, was sie in Detroit und Turin erzählen, wird der Indianer bald auch zum Italiener und begegnet uns als Alfa Romeo gleich noch mal. Dann vielleicht auch mit neuem Design, so dass am Ende aus dem hässlichen Entlein doch noch ein strahlender Schwan wird.    

Autor: Thomas Geiger

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SUV

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