Jeep-Studie trifft Urahn

Jeep Short Cut Concept Jeep Short Cut Concept Jeep Short Cut Concept

Jeep CJ-5 V8/Jeep Short Cut Concept: Test

— 24.08.2016

Jeep-Faszination

Die Jeep-Studie Short Cut soll Erinnerungen an den alten CJ-5 wecken. Okay, dann vergleichen wir die beiden Geländegänger mal.

Vergessen wir für einen Moment diese SUVs, die so schön praktisch sind, aber in Wahrheit nichts anderes als neu eingekleidete Pkw, und wenden wir uns zur Abwechslung mal zwei richtigen Geländewagen zu. Der eine ist ein aktueller Jeep Wrangler, der andere sein Urgroßvater, ein CJ- 5. Beide stammen in direkter Linie vom Willys Jeep ab, dem Geländewagen, den die Amerikaner 1940 für den Zweiten Weltkrieg entwickeln ließen und der die gesamte Fahrzeuggattung der geländetauglichen Autos im Pkw-Format begründete.

Die Geschichte des CJ-5 ist für ein Auto ungewöhnlich lang

1955 kam der CJ-5 als zivile Version des Willys Jeep auf den Markt – und wurde bis 1983 gebaut.

Der CJ-5 kam 1955 auf den Markt, als zivile Ausführung – CJ steht für Civilian Jeep – des militärischen M38A1, einer späten Evolutionsstufe des Willys. Als CJ-5 wurde er bis 1983 gebaut und hält damit bis heute den Rekord des am längsten gebauten Jeep-Modells. Unser Exemplar stammt aus dem Baujahr 1973 und ist deshalb etwas Besonderes, weil das der erste Jahrgang war, in dem die Kundschaft den CJ-5 auf Wunsch mit einem V8-Motor geliefert bekam. Der 5,0-Liter-Achtzylinder trieb normalerweise die Limousinen und Coupés des kleinen US-Autobauers American Motors Company (AMC) an, der 1970 die Marke Jeep vom noch kleineren US-Hersteller Kaiser gekauft hatte. Der V8 kostete 126 Dollar Aufpreis gegenüber dem Sechszylinder und machte deutlich, wohin die Reise der Marke Jeep unter der Regie von AMC gehen sollte: weg vom Image des Kriegsgeräts und Nutzfahrzeugs, hin zum Freizeit- und Abenteurergefährt für Privatkäufer.

Der V8 im Bug ist alles andere als eine Luxusmotorisierung

Der V8 CJ-5 des CJ-5 holt aus fünf Litern Hubraum 152 PS und 320 Nm Drehmoment – das reicht locker.

Nun verwandelt ein starker Motor allein ein Militärfahrzeug noch lange nicht in einen Freizeitsportler. Deshalb griff AMC beherzt in den Farbtopf und bot den CJ-5 in knallbunten Lackierungen an, montierte ihm breite Weißwandreifen, steckte glänzende Chrom-Radkappen auf die Stahlräder und verlegte dünnen Teppichboden im Innenraum. Das musste reichen – und funktionierte tadellos, wie man am Exemplar auf diesen Seiten sieht, das sich in perfekt restauriertem Originalzustand befindet. Nach einem Armeefahrzeug Jahrgang 1955 sieht dieser orangefarbene CJ-5 tatsächlich nicht mehr aus. Aber er fährt sich so. Trotz V8-Motor. Der grummelt dezent vor sich hin und schöpft so viel  Kraft aus seinem Hubraum, dass man von den drei Vorwärtsgängen des Schaltgetriebes getrost auf einen verzichten könnte. Doch mit Luxus, wie ihn Oldtimerfans gedanklich gern mit einer V8-Motorisierung in Verbindung bringen, hat das alles nichts zu tun.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

An seiner militärischen Herkunft lässt der CJ-5 beim Fahren keine Zweifel: Auch mit Chromradkappen bleibt dieser Jeep ein winziges Auto mit superkurzem Radstand, hohem Schwerpunkt, blattgefederten Starrachsen ohne Stabilisatoren und unpräziser Lenkung, das nicht ordentlich geradeaus fährt. Schon die Sitzposition ist eine Zumutung. Man kauert viel zu nah hinter dem riesigen Lenkrad, mit dem man die Fahrtrichtung nur ungefähr, aber nie exakt vorgeben kann.

Für die Straße ist der CJ-5 irgendwie nicht gemacht

Der CJ-5 versetzt, wenn die Hinterachse einen Kick durch ein Schlagloch oder eine Bodenwelle bekommt.

Und, viel schlimmer: Der CJ-5 ist berüchtigt dafür, dass er sich schon bei normalem Landstraßentempo nur schwer auf der Straße halten lässt. Er büchst gern aus, sobald die Hinterachse einen Kick durch ein Schlagloch oder eine Bodenwelle erfährt. Dann stellt er sich blitzschnell quer, schaukelt sich auf und ist mit der mega-indirekten Lenkung kaum wieder einzufangen. Schlimmstenfalls überschlägt er sich sogar – und bietet dabei keinerlei Schutz, denn der Windschutzscheibenrahmen hält einer Rolle seitwärts nicht stand. Deshalb sind Fahrer eines CJ-5 auf der Straße lieber langsam unterwegs. Im Gelände erlaubt die brisante Konstruktion dagegen Höchstleistungen. Für Offroad-Trials, die in den 1980er-Jahren ihre Blütezeit erlebten, galt ein höhergelegter und mit Achsdifferenzialsperren nachgerüsteter CJ-5 V8 als nahezu unschlagbares Wettbewerbsgerät.

Die Details zur Jeep-Studie Short Cut Concept finden Sie in der Bildergalerie. 
Fahrzeugdaten CJ-5 V8 (1973) Short Cut Concept
Motor V8, Benziner, vorn längs V6, Benziner, vorn längs
Hubraum 4981 cm³ 3604 cm³
Leistung bei 1/min 112 kW (152 PS)/4200 209 kW (284 PS)/6350
Drehmoment bei 1/min 320 Nm/2500 347 Nm/4300
Abgasnorm Euro 0 Euro 5
Radaufhängung Starrachse, Blattfedern Starrachse, Schraubenfed.
Reifengröße F 78-15 (235/75 R 15) 35 x 10.50 R 17
Getriebe 3-Gang manuell m. Untersetz. 5-Stufen-Autom. m. Untersetz.
Länge/Breite/Höhe 3528/1821/1765 mm 3763/1873/2017 mm
Radstand 2134 mm 2424 mm
Wendekreis 10,8 m k. A.
Laderaumlänge maximal 914 mm 750 mm
Leergewicht/Zuladung 1230/471 kg ca. 1750 kg/k. A.
Bodenfreiheit 205 mm 300 mm
0–100 km/h 9,3 s k. A.
Vmax 135 km/h k. A.
Normverbrauch 20,5 l S/100 km k. A.
Preis 3212 US-Dollar (1973) unverkäuflich
Autor:

Bernhard Weinbacher

Fazit

Wenn wir uns entscheiden müssten – nein, wir würden sie lieber beide nehmen: den Short Cut als lässigen Alltagswagen für sonnige Sommertage, den CJ-5 als neuen Lieblings-Oldtimer. Man darf auch mal träumen, oder?

Stichworte:

SUV

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