Jeep Grand Cherokee I (1992-1999)

Gebrauchtwagen Jeep Grand Cherokee I Gebrauchtwagen Jeep Grand Cherokee I

Jeep Grand Cherokee I (1992-1999)

— 23.04.2002

Nur der Diesel zickt

Amerikanische Autos fahren auch in Europa brav und zuverlässig – wenn man sie nicht auf der Autobahn verheizt. Das trifft auch für den Jeep Grand Cherokee der ersten Generation zu.

Moderner, größer – Grand

Anfang der 90er Jahre hatte man bei Jeep ein Problem: Der große Grand Wagoneer von 1963 war längst eine Art fabrikneuer Oldie, den keiner mehr haben wollte, und der seit 1984 gebaute Jeep Cherokee war vielen Amerikanern einfach zu klein. Was sollten die Jeep-Leute also tun? Klar, ein moderner und größerer Cherokee musste her – eben ein Grand Cherokee.

Der kam 1992 (Code: ZJ) und war zunächst als Nachfolger für den kleinen Cherokee (Code: XJ) gedacht. Doch die Amerikaner kauften weiterhin beide Allradler, und so wurden eben beide bis heute parallel angeboten. Auch in Deutschland verkaufte sich der Grand Cherokee bestens – das beweisen heute die vielen Angebote auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Der Ami ist beliebt, weil er Nützlichkeit und Komfort verbindet. Außerdem locken der Markenname Jeep und die gehobene Ausstattung.

In Zeiten hoher Spritpreise denken viele an den Turbodiesel. Doch das ist ein Fehler. Zum einen ist es nicht einfach, einen gepflegten Diesel zu finden; er war erst ab 97 zu haben und fand mit einem Verkaufsanteil von rund 20 Prozent nicht gerade reißenden Absatz. Zum anderen hatten die Amerikaner für diese Version keinen geeigneten Dieselmotor im Regal. Damals fiel Chrysler/Jeep nichts anderes ein als den betagten wie günstigen Vierzylinder-Diesel des italienischen Zulieferers VM einzubauen.

Ärger mit dem Selbstzünder

Der nagelnde, unablässig vibrierende Selbstzünder macht aus dem Grand Cherokee subjektiv ein drei Klassen billigeres Auto. Auch objektiv ist der Diesel schlechter: Er wurde ausschließlich mit Schaltgetriebe und lediglich zuschaltbarem Allradantrieb kombiniert; die Benziner hatten dagegen immer Automatikgetriebe und den aufwändigeren Permanentallrad.

Zum Dritten erweist sich der Turbodiesel als die mit Abstand unzuverlässigste Version: 40,5 Prozent der an unserer Fragebogenaktion beteiligten Dieselfahrer hatten schon eine Panne. Im Winter hat der Diesel oft Startprobleme durch schwächelnde Batterien, aber auch durch defekte Anlasser (30 Prozent). Weitere Pannenursachen beim 2.5 TD sind Defekte an Turbolader, Wasserpumpe, Motorelektrik und Wegfahrsperre. Dazu kommt häufig noch Ärger mit Ölverlusten an Ölwanne und am Dichtring zwischen Motor und Getriebe.

Ungleich positiver stellt sich der Grand Cherokee dar, wenn einer der bewährten amerikanischen Benziner eingebaut ist. Das Fahrgefühl ist souverän, die Pannenquote liegt bei unter vier Prozent. Das zuverlässigste und unproblematischste Modell ist der 5.2 V8, insbesondere ab Modelljahr 96, weil es dann noch seltener Schäden am Chrysler-Automatikgetriebe gibt. Problemlos laufende Exemplare mit über 200.000 Kilometern auf dem Buckel sind keine Seltenheit.

Grand Cherokee im Leserurteil

Der kleinere 4.0-Sechszylinder hat eine etwas anfälligere Zündanlage, der noch stärkere 5.9 V8 verkürzt durch seine unbändige Kraft das Leben des Hinterachsdifferenzials, je nach Fahrweise, bis auf unter 50.000 Kilometer. Größter Nachteil der Benziner: Die Unterhaltskosten sind deftig, nicht nur wegen des hohen Spritverbrauchs. Auch die Versicherungen langen mit hohen Typklassen zu. Die großvolumigen Motoren verursachen außerdem relativ hohe Steuerbescheide. Vorsicht: Nur die Modelle ab 1996 sind als Euro-2-schadstoffarm eingestuft.

Rost findet sich am gut geschützten Grand Cherokee höchst selten. Nur die vordere Kante der Motorhaube reagiert ein wenig empfindlich auf andauernde Salzeinwirkung und will zusätzlich geschützt werden. Durchschnittliche Noten erreichen die Chrysler-Werkstätten: 76 Prozent der Fragebogeneinsender sind zufrieden mit deren Arbeitsleistung. Allerdings geht die Beurteilung stark auseinander: Die einen sind sehr unzufrieden, die anderen sehr zufrieden.

Der Preis für eine große Inspektion liegt nach Leserangaben bei durchschnittlich 490 Euro. Beim Neukauf stehen bei den Jeep-Fahrern der neue Grand Cherokee II (seit 1999) hoch im Kurs (44 Prozent), ansonsten Mercedes M-Klasse (15 Prozent) und BMW X5 (7 Prozent). Die Besitzer eines Grand Cherokee 5.9 zieht's dagegen mehr zum neuen Porsche Cayenne.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 1992 Modelleinführung des Jeep Grand Cherokee (Typ ZJ) mit 4.0-Sechszylinder und 177 PS, Laredo- oder Limited-Ausstattung, 15-Zoll-Räder 1993 Einführung des 5,2-Liter-V8 (215 PS) mit Limited-Ausstattung 1996 Leichtes Facelift mit neuen Stoßfängern und 16-Zoll-Rädern. Permanentallrad nun über Viskokupplung statt Zentraldifferenzial 1997 Einführung des Turbodiesel: 4 Zylinder, 2,5 Liter, 115 PS, nur mit Schaltgetriebe und lediglich zuschaltbarem Allradantrieb. Einführung des 5,9-Liter-V8 (241 PS) mit Limited-LX-Ausstattung 1999 Ablösung durch den Grand Cherokee II (WJ)

Schwachstellen • die Bremsscheiben halten beim schnellen und häufig zügig gefahrenen Grand Cherokee meist nur 30.000 bis 50.000 km. Aber sie sind nicht teuer • die Elektrik wird zickig, wenn an Alarmanlage, Soundsystem und Standheizung herumgebastelt wird. Am besten ist Serienzustand • der Verdampfer der serienmäßigen Klimaanlage hält im Durchschnitt sechs Jahre. Der Wasserkühler meist auch nicht länger • Beim Turbodiesel versagt häufig der Anlasser (über 30 Prozent der Leserfahrzeuge) • Ärger machen auch Wegfahrsperre, Wasserpumpe und Turbolader • Zuverlässigkeit muss man beim Grand Cherokee I getrennt nach Benzinern und Turbodiesel beurteilen. Die Benziner haben eine Pannenquote von unter 4 Prozent, der kleine Turbodiesel kommt auf 39 Prozent. Meist liegt es am Anlasser. Die Benziner springen mit einer ordentlichen Batterie fast immer an

Reparaturkosten Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Jeep Grand Cherokee Limited 5.2 V8 Automatik, 156 kW/212 PS, Baujahr 1997. Bemerkenswert, dass es für die kostenintensivsten Baugruppen günstigere Austauschteile gibt.

Fazit und Technik

Fazit "Der Grand Cherokee I hält viel aus und ist gut gegen Rost geschützt. Die Benziner funktionieren sehr zuverlässig, sind aber teuer im Unterhalt. Am zufriedendsten sind die Besitzer des 5,2-Liter-V8-Modells. Am besten kauft man ein Exemplar ab 1996, wegen der günstigeren Steuer. Meiden sollte man den pannengeplagten Turbodiesel, der außerdem unfein rappelt." Martin Braun, Redakteur AUTO BILD alles allrad

Technik • Allradantrieb: permanent mit Zentraldifferenzial (bis 1996) oder permanent mit zentraler Viskokupplung (ab 1996); 2.5 TD nur mit zuschaltbarem Allradantrieb; Geländeuntersetzung vorhanden; 60 %-Differenzialbremse hinten; • Aufbau: selbsttragende Karosserie mit aufgeschweißten Unterzügen • Verbrauch: 6-Zyl.: 14,5 l; V8: 16-17 l; 2.5 TD: 11,5 l; (Tank 87 l) • Höchstgeschwindigkeit: 6-Zyl.: 180 km/h; V8: 198 km/h; TD: 162 km/h

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