Jeep Grand Cherokee II (ab 1999)

Gebrauchtwagen Jeep Grand Cherokee II Gebrauchtwagen Jeep Grand Cherokee II

Jeep Grand Cherokee II (ab 1999)

— 02.05.2003

Nichts für arme Schlucker

Er ist durstig und auch sonst kein billiges Vergnügen. Trotzdem ist der große Cherokee als Gebrauchter ein gefragter Typ.

Motor und Technik

Flaute auf dem Gebrauchtmarkt? Stimmt, aber nicht bei den Geländewagen. Die Allradriesen stehen immer noch hoch in der Gunst der Kunden, und zwar je größer, desto lieber. Bis zur Luxus-Explosion in den jüngsten Jahren war der Jeep Grand Cherokee das Maß der Dinge.

Mit dem 1997 vorgestellten 5,9-Liter-V8 bollerte der Irokesen-Häuptling in 7,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Nicht so brachial, aber dafür wesentlich zuverlässiger erledigt der 1999 eingeführte Nachfolger diese Übung. Sein Achtzylinder mit 4,7 Liter Hubraum und oben liegenden Nockenwellen zeigt sich im Alltag problemlos, nur selten scheitert der Kaltstart wegen nasser Zündkerzen.

Die Vorgänger dagegen, auch die Vierliter-Reihensechser, überhitzten öfter mal. Obwohl auch sie bei Steyr in Graz gebaut wurden, war die amerikanische Konstruktion offensichtlich nur bedingt autobahngeeignet. Zahlreiche Änderungen der Zylinderköpfe, der Dichtungen und eine Hochleistungs-Kühlmittelpumpe bewirkten bis 1998 leichte Besserung. Sehr oft waren die Überhitzungen jedoch Folge eines defekten Keilriemens – und damit einer antriebslosen Wasserpumpe.

Karosserie und Qualität

Gleiches gilt für die Diesel, die beide vom italienischen Spezialisten VM stammen. Laufruhe ist für sie trotzdem ein Fremdwort, und der ältere 2,5-Liter ist zudem eine schlimme Ölsardine. Dazu gab es bis 1997 Probleme mit der Einspritzpumpe. Deutlich zuverlässiger ist der Nachfolger mit fünf Zylindern ab Baujahr 1999. Doch der einzige wirklich empfehlenswerte Diesel kam erst Ende 2001 und spielt gebraucht noch keine Rolle: der aus diversen Mercedes-Modellen bekannte 270er-CDI.

Kritik an der gut verarbeiteten Karosserie hält sich in Grenzen – abgesehen vom verblüffend geringen Platzangebot. Die Rückbank ist unbequem, und erst wer sie umklappt, erhält einen richtig großen Kofferraum. Vielleicht hat der Grand Cherokee deshalb beachtliche 3360 Kilo Anhängelast. Mindestens ebenso beachtlich: seine Fähigkeiten im Gelände. Wie alle Jeep musste auch der luxuriöse Grand Cherokee vor der Serienfreigabe den legendären Rubicon Trail im Nordwesten der USA bezwingen, eine echte Folter für Mensch und Maschine.

Über die Dauerhaltbarkeit scheint dieser Test aber nur wenig auszusagen, denn speziell die Vorderachse wird vom TÜV oft mit ausgeschlagenen Gelenken beanstandet. Die Allradmechanik jedoch und auch der reichlich komplexe Quadra-Trac II des aktuellen Modells geben nur wenig Anlass zur Sorge. Vermutlich, weil sie im typischen Revier moderner Allradriesen – der Großstadt – nur selten beschäftigt werden.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 3/92 Vorstellung des Jeep Grand Cherokee (Typ ZJ) in den USA. Selbsttragende Karosserie, Vierliter-Reihensechszylinder 1/93 Verkaufsstart in Europa, 4,0-l-Motor (184 PS) oder 5,2-l-V8 (215 PS) 1/96 Modellpflege, Einführung Dieselmotor (115 PS) 11/97 zusätzlicher 5,9-l-V8 mit 241 PS 4/99 große Modellüberarbeitung (Typ WJ), neuer 4,7-l-V8 (220 PS) und 3,1-l- Fünfzylinder-TD (140 PS), ausschließlich Automatikgetriebe 9/01 neuer 2,7-l-Diesel (163 PS) aus dem Mercedes-Sortiment

SchwachstellenKeilriemen waren bis zum Modellwechsel 1999 die Hauptpannenursache beim Grand Cherokee, zahlreiche Motorüberhitzungen und Liegenbleiber gingen auf ihr Konto. Beim aktuellen Modell nur noch ein Keilrippenriemen, der automatisch gespannt wird und 160.000 Kilometer halten soll • Ölverlust am Motor und am ausgedehnten Antriebsstrang ärgert nicht nur den TÜV, sondern ist auch sehr teuer in der Beseitigung. Deshalb beim Kauf die Unterseite mindestens so aufmerksam betrachten wie den Rest • Elektrik versorgt viele Komfortextras – immer auf Funktion prüfen • Fahrwerk hat oft Spiel in den Gelenken, betroffen sind vor allem Lenkung und Vorderachse – häufig in Verbindung mit überbreiten Reifen

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Jeep Grand Cherokee 4.7 Ltd., 162 kW/ 220 PS, Baujahr 1999. Solange nicht gerade das Getriebe streikt, halten sich die Ersatzteilkosten in Grenzen. Auch die Wartung ist noch erschwinglich.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der Jeep Grand Cherokee zeigt, dass Geländewagen nicht zwangsläufig besonders solide konstruiert sein müssen. Sein Mängelspektrum ist außerordentlich breit, außer Rost ist alles dabei. Schwerwiegend und teuer ist vor allem der Ölverlust am gesamten Antrieb, aber mit Spiel in Lenkgetriebe und -gelenken ist ebenfalls nicht zu spaßen. Defizite bei der Sicherheit hat auch die Fußbremse, doch die meisten Mängel hat die Beleuchtung." Günter Felderhoff, Gutachter TÜV Rheinland Berlin Brandenburg

Modellempfehlung Jeep Grand Cherokee 4.7 Ltd. (162 kW/220 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 294 Euro im Jahr/Euro 2 Testverbrauch: Werksangabe 15,6 Liter, im Test 18,1 Liter (Normal) Versicherung: Vollkasko (24/1000 Euro SB): 1395 Euro. Teilkasko (37/300 Euro SB): 606 Euro. Haftpflicht (23): 1306 Euro (Basis: ONTOS-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 12.000 Kilometer, etwa 300 bis 500 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 50 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 3000 Euro Verlust

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