Jeep Wrangler 4.2 Sahara: Gebrauchtwagen-Check

Jeep Wrangler 4.2 Sahara Jeep Wrangler 4.2 Sahara

Jeep Wrangler 4.2 Sahara: Gebrauchtwagen-Check

— 16.06.2008

Das Schnäppchen und die Dampfplauderer

Der Typ YJ ist der finale Jeep Wrangler mit Blattfedern rundum – und als Klassiker langsam im Kommen. Noch bemerkenswerter als das gecheckte Exemplar selbst: die Geschichte seines Verkaufs.

Heute erzähle ich Ihnen mal ein nettes Märchen. Also, es war einmal ein tapferer Geländewagen. Weil dessen Herr seiner überdrüssig war, trug er ihn zu Markte – genau, zu dem im großen, weiten Netzwerk. Alsbald riefen Leute von fern und nah in den Fernsprecher. "Ich begehre euer Auto sehr", frohlockten viele und gelobten, dem Herrn ihre Aufwartung zu machen. Als ein halbes Jahr ins Land gegangen war, wartete er noch immer auf den ersten Besucher. Plötzlich kam ein Mann des Weges. Ihn dürstete nach solch einem Gefährt, und er hatte schon an vielen Orten danach gesucht. Doch ach, alle Wagen waren gar erbarmungswürdig im Zustande – und wollten doch mit viel gutem Geld bezahlt sein. Als der Mann nun den tapferen Geländewagen sah, jubilierte sein Herz. Flugs übergab er ein sehr kleines Geldsäcklein, dann zog er frohen Mutes mit dem Erwerb von dannen, und alle waren überglücklich. Und wenn der Verkäufer nicht gestorben ist, so ärgert er sich noch immer – nämlich über die Dampfplauderer.

Fundgrube für Schnäppchen: die Gebrauchtwagenbörse von autobild.de

Typisch Sahara: robuste, angenehme Sitzbezüge in rustikalem Khaki-Styling.

Was an der Geschichte unwahr ist? Nur eines: dass es sich um ein Märchen handelt. Indes hat die fabelhafte Erzählform gute Gründe. Denn hier dreht es sich um die Eigenheiten des Marktes, die fern jeder Realität erscheinen – für Anbieter wie für Interessenten. Konkret geht es um einen Jeep Wrangler 4.2 Sahara von 1987, inseriert für 3700 Euro. Ein Auto, das wir angesichts des Zustandes und der Nachfrage rund 50 Prozent höher – also mit rund 5500 Euro – bewerten. Ein Telefonat, und weg ist das Ding? Denkste. Ein halbes Jahr lang modert der Jeep im Netz, rund 100 Anrufern steht der schon am Telefon sehr seriös wirkende Anbieter aus Hamburg geduldig Rede und Antwort. Gut 20 bekunden echte Ambitionen, wollen den Jeep besichtigen. Doch nicht einer kommt. Nur Blabla, wie erwähnt.

Rau, aber dauerhaft: Grauguss- Motor mit Vergaser und G-Kat.

Gleicher Zeitraum, 250 Kilometer entfernt: In Detmold sucht jemand gezielt einen Wrangler YJ, also die zwischen 1986 und '96 gebaute Generation mit eckigen Augen. Preisidee: 6000 bis 10.000 Euro. Er kennt sich gut aus, inspiziert zahlreiche Kandidaten, vier oder fünf kommen in die engere Wahl. Bis er endlich den Hamburger anruft, dessen YJ deutlich unterhalb seines Preisrahmens rangiert. Es kommt, ganze sechs Monate nach dem Angebotsstart, zur ersten Besichtigung des Autos – und zum logischen Sofortkauf. Denn der rauchsilberne Sahara erweist sich als viel gepflegter und weniger rostig als die meisten jüngeren und/oder teureren Offerten. Märchenhaft, nicht wahr? Doch wahr, weil aus dem echten Leben. Und damit umso bemerkenswerter. Ich selbst nahm den YJ zwei Tage zuvor unter die Lupe. Sagte ausnahmsweise von vornherein, wer ich bin und was ich will, erfuhr von dem Happy End später am Telefon.

Meine Eindrücke von diesem Jeep? Zunächst ist der archaische, durstige 4,2-Liter-Sechsender mit Vergaser (121 PS) klar weniger begehrt als der Vierliter-Einspritzer mit rund 170 PS ab 1991. Ferner fehlen diesem Exemplar das Stoffverdeck (nur dabei: Bikini-Top, Hardtop) sowie Rücksitze und Auslegeware. Schade. Aber der Rest ist vollständig und in bemerkenswert gutem Zustand. Rost, beim YJ sonst dramatisch wuchernd? Kaum vorhanden. Scheibenrahmen, Hecktür, Karosserienähte, Blattfederaufnahmen – alles praktisch kerngesund. Technik? Ebenso, nicht ein Bauteil lässt auf einen Reparaturstau schließen. Sogar der höchst problematische Vergaser zeigt sich dank frischer Zuwendung von der besten Seite. Der bisherige Eigner, der den Jeep 2001 vom Zweitbesitzer (seit 1989) kaufte, war halt so achtsam und spendabel, wie es dieses Modell verlangt. Und das dürfte ziemlich einmalig sein.

Was unterm Strich bleibt? Ein Kraxel-Klassiker, der zwar nicht durch seine Motorversion, aber allemal durch den Pflegezustand besticht. Ein erleichterter Verkäufer, ein glücklicher Käufer. Die alte Leier, dass Gutes nicht teuer, Schlechtes nicht billig sein muss. Und einmal mehr die Erkenntnis, dass eine zu bescheidene Auspreisung kein Garant für einen flinken Handel sein muss. Sehr seltsam, der Gebrauchtmarkt, wirklich.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang BLaube

Das krasse Missverhältinis zwischen Kaufpreis und Unterhalt provoziert beim Wrangler YJ viele Sprechblasen und wenig Entschlussfreude – wird gemunkelt. Fakt ist jedenfalls: Wer bei den laufenden Kosten nicht auf den Cent schaut, kriegt hier eine Kultkiste zum kleinen Einstand. Wobei ernsthafte Interessenten freie Auswahl zu haben scheinen.

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