Jenson Buttons neue Rolle

Jenson Buttons neue Rolle Jenson Buttons neue Rolle

Jenson Buttons neue Rolle

— 10.03.2004

"Familie Schumacher kriegt Probleme"

Er ist der Test-Weltmeister des Winters. Und jetzt im BAR-Team der neue Chefpilot. Jenson Button packt nicht nur mutig an, er teilt auch mutig aus.

Button lenkt ein Team von 400 Mann

Wenn Jenson Button im Kino sitzt, rutscht er unruhig hin und her. Das Ende des Films erlebt er selten. Ihm fehlen Ruhe und Konzentration, eine Story bis zum Schluss zu verfolgen. Dieser nervöse junge Mann soll jetzt, mit gerade mal 24 Jahren, als Pilot einen ganzen Rennstall der Formel 1 lenken. Bye-bye, Button-Boy – welcome Mister Leader. David Richards, Boss von BAR, verlangt von seiner Nummer eins: "Diese Rolle hat Jenson jetzt auszufüllen!"

Und Button ist auch gewillt, den Wechsel zu wagen: Er testete so viel wie nie, mit so viel Akribie wie nie. Und er zeigt auch der Konkurrenz bereits, wie er die Führungsrolle akzeptiert. "Für Weltmeister Michael Schumacher werden höchstens die Hälfte der Vorjahressiege übrig bleiben, also vielleicht drei", signalisiert er Selbstbewusstsein. Flotte Sprüche sind nur ein Signal, die Stärke holt sich der Pilot auf der Rennpiste. Und da hat sich Jenson Button verdammt fix bewegt. Egal wo er seinen BAR um die Strecke hetzte, er war immer sehr schnell, oft schneller als Juan Pablo Montoya und Kimi Räikkönen und einmal auch als Schumi. Schneller als sein Teamkollege Takuma Sato und BARs Ersatzfahrer Anthony Davidson sowieso.

Jetzt sitzt er im Motorhome, weil sein BAR-Honda in Valencia nur Installationsrunden drehen konnte. Aber er rutscht nicht mit unruhigem Hintern hin und her. Jenson Button wälzt technische Unterlagen. Das tut er in letzter Zeit öfter. Öfter als 2003 und erst recht öfter als in den vergangenen Jahren seit seinem F1-Debüt 2000. Als akribischer Arbeiter ist er bis dato nie aufgefallen. "Aber jetzt", sagt er, "jetzt muss ich." Nach vier GP-Jahren muss der sechstjüngste Einsteiger der Formel 1 aller Zeiten erwachsen werden und ein Team von 400 Mann von der Spitze aus lenken.

Viel Verantwortung für einen 24-Jährigen

BAR-Chef David Richards will es so: "Es gibt Fahrer, die tragen einen viel größeren Teil zum Erfolg ihrer Teams bei, als bloß im Cockpit zu sitzen und schnell zu fahren. Fahrer, die sich einbringen in alle Aspekte der Teamarbeit. Die sich eine Meinung bilden, die präsent sind und gewillt, an Entscheidungen mitzuwirken." Und mit Blick auf Button schließt Richards: "Das ist eine verdammt schwere Last für einen 24-Jährigen."

Und just in dem Jahr, in dem sich "JB" als Teamleader etablieren soll, will BAR-Honda nach Platz fünf im Vorjahr zur Spitze der Formel 1 aufschließen. Das bedeutet: Der Druck verdoppelt sich. Waren die angestrebten Podestplätze in der Vergangenheit eher Wunsch, so sind sie nun Pflicht. Schon Mitte 2004 – das zeichnet sich längst ab – wird Motorenpartner Honda nach einem eleganten Ausweg zum Ausstieg Ausschau halten. Endgültiger Boxenstopp nach vier fruchtlosen Jahren seit dem Comeback in der Formel 1? Es liegt wohl in der Hand von Jenson Button, ob das Team weitere 150 Millionen Dollar Etat pro Jahr bekommt – oder BAR auf das unbefriedigende Niveau von Jordan abdriftet. Auch wenn die Japaner zuletzt positive Signale für eine Zukunft mit BAR aussandten.

"Es ist ein Risiko", sagt der Brite. "Ich bin bereit dafür und gut gerüstet. Ja, es macht mir sogar Spaß, ein Team zu führen", wiederholt er beschwörend, "auch wenn es sehr anstrengend ist." Dabei hat der Spaß noch gar nicht richtig angefangen. Zumal BAR-Boss Richards' Forderung wenig Zweifel daran lässt: Bislang hat Button diese Qualitäten zumindest in seinem ersten Jahr für BAR noch nicht entfaltet.

McLaren-Boss Dennis glaubt an Jenson

Da arbeitete Button noch mit Jacques Villeneuve zusammen. "Und zwar sehr gut", wie Jenson sagt. Zumindest ab Saisonmitte, nachdem die beiden einen sechsmonatigen Streit beigelegt hatten. "Aber es stimmt", bekennt Button fast kleinlaut, "ich war nicht der Teamleader." Wie auch? Villeneuve war schließlich schon Weltmeister.

Doch jetzt muss er aus der Deckung kommen. "Er hat das Zeug dazu", glaubt McLaren-Boss Ron Dennis schon seit Jahren. Als Button 1998 zum britischen Auto-Sportfahrer des Jahres gewählt worden war, versprach er ihm, ihn zu einem Test einzuladen. Dennis: "Er ist ein Champion im Werden." Das Wichtigste dafür scheint er tatsächlich mitzubringen, nämlich Schnelligkeit und Nervenstärke.

Nach seinem Kart-Start im Alter von acht Jahren gewann er 1991 in der britischen Meisterschaft sämtliche 34 Läufe. 1997 die Europaserie A sowie in Suzuka den Ayrton-Senna-Gedächtnis-Cup. In 1998, seinem ersten Jahr im richtigen Rennwagen, dominierte er mit neun Siegen die britische Formel-Ford-Meisterschaft. 1999 machte Ron Dennis seine Zusage wahr und ließ Button bei McLaren-Mercedes im Test Gas geben. Kurz darauf, bei Übungsrunden für den Prost-Rennstall, ließ Button einen Grand-Prix-Star wie Jean Alesi hinter sich.

Im Ferrari zu Frank Williams

Schließlich eroberte er sich bereits mit 20 ein Cockpit in der F1. Und gleich in einem Spitzenteam: BMW-Williams. Sicher war es keine gute Idee, zu Vertragsverhandlungen bei Frank Williams schon im Ferrari vorzufahren. Egal! Sein erster Vertrag war immerhin mit 900.000 Dollar im Jahr dotiert. Es dauerte nicht lange, und Jenson hatte Teampartner Ralf Schumacher (zeitweise) gut im Griff. Ende 2000 musste er aber trotz Rang acht in der WM seinen Platz für ChampCar-Hero Juan Pablo Montoya räumen.

Button startete bei Benetton-Renault neu durch. 2002 fuhr er siebenmal in die Punkteränge und hängte Teamkollege Jarno Trulli ab. 2003 landete er zehnmal in den Top Ten. Nur der große Wurf misslang: In Indianapolis, wo er zeitweise in Führung lag, verhinderte ein Motorschaden den fast sicheren zweiten Platz. 2004 darf er nicht mehr an den Podestplätzen vorbeifahren. "Die kommen schon automatisch", sagt Jenson Button, "wenn wir so weiterarbeiten." Und er wird ernst: "Ich weiß nicht, wie gut unsere Gegner sind. Aber ich kann versichern: Unsere Testzeiten sind echt."

Die Konkurrenz hatte lange den Verdacht, BAR-Honda wäre mit leichten Wagen gefahren, um Schwächen zu kaschieren. "Nein", sagt er, "wir fuhren mit dem Neuwagen jede Menge Rennsimulationen. Das Auto ist steifer geworden. Es hat einen besseren Schwerpunkt und mehr Grip. Es ist deutlich stabiler beim Anbremsen als unser Vorjahresauto. Es lässt sich leichter abstimmen und verstehen. Und es fährt sich wesentlich komfortabler. Dieser Aspekt wird oft übersehen. Aber nur, wenn ich mich gut fühle im Auto, kann ich am Limit fahren."

Lieber bei BAR als im gemachten Nest

AUTO BILD motorsport: Attackieren Sie also 2004 tatsächlich die Spitze? Podestplätze sind möglich, besonders zu Beginn. Denn die Ein-Motoren-Regel wird einige Überraschungen bringen. Ob die Zweifler jedoch letztlich Recht behalten, das wird man dann ja schnell sehen.

Müssen Sie nicht das Ziel haben, Formel-1-Größen wie Ralf und Michael Schumacher endlich mal das Heck zu zeigen? Man kann nichts erzwingen. Denn Topteams und Topfahrer machen nun mal wenig Fehler. Aber die Schumacher-Familie kriegt sowieso mehr Probleme, 2004 werden die Siege bestimmt unter einer größeren Zahl von Fahrern verteilt werden. Denn auch Renault sah in den Tests konstant gut aus. McLaren-Mercedes zwar nicht so sehr, aber bei denen weiß man nie. Für Michael wird es besonders schwer, denn BMW-Williams wird Ferrari das Leben noch schwerer machen.

Über seinen ehemaligen Teamkollegen Ralf verrät Button: "Wir kamen nach Startschwierigkeiten gut miteinander aus. Er war menschlich okay, sportlich schlagbar. Aber er hat 2003 nicht die Leistung gebracht, die man von ihm erwartet hat. Und Williams fordert fahrerisch sehr viel. Deshalb wird er jetzt wohl nicht hoch gehandelt."

Sie stehen bereits als Ralfs Nachfolger fest, behauptet er. Und laut Williams ganz oben auf der Fahrerliste für 2005 Ich fühle mich geehrt. Aber ich will mit einem Team nach oben, das ich mit aufgebaut habe. Mit BAR wäre das wertvoller, als mich ins gemachte Nest zu setzen und zu gewinnen.

Bleibt ein Problem: Sauber-Pilot Fisichella will beobachtet haben, dass die Michelin-Reifen, mit denen nun auch BAR fährt, nach einer Runde rapide abbauen. Button kontert: "Da hat er nicht richtig zugeschaut. Und im Übrigen", und nun verstolpert er sich auf sympathische Art, "ist das bei Bridgestone ja genauso."

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