Formel 1

Abschied von Eddie Jordan Abschied von Eddie Jordan

Jordans Abschied aus der Formel 1

— 15.02.2005

Goodbye, Eddie!

Mit Eddie Jordan verliert die Formel 1 ihren letzten Paradiesvogel. AUTO BILD-Autor Achim Schlang erinnert sich.

Toupet, Ziegenbärtchen, kuriose Brillen

Eddie Jordan hat seine Anteile von 50,1 Prozent am Team "Jordan Grand Prix" an den russischen Milliardär Alexander Shnaider verkauft. Der Rennstall wird dieses Jahr noch unter dem Namen Jordan-Toyota starten, ab 2006 dann unter "Midland F1" firmieren. Shnaider ist ab sofort neuer Teamchef, Eddie Jordan wird sich lediglich um Marketing und Repräsentation kümmern. 14 Jahre lang saß Jordan (56) am Kommandostand. Unser Formel-1-Reporter Achim Schlang war immer dabei.

Achim Schlang: Und ob ich mich noch an Tag erinnere, als ich den Formel-1-Teamchef Eddie Jordan das erste Mal erlebte. Es der Saisonauftakt 1991, der Grand Prix der USA, und wir standen nebeneinander am Gepäckband des Flughafens von Phoenix. Eddie sah aus wie Woody Allen; verloren, unsicher, die Brille ein wenig zu groß. Wie der Flug war, fragte ich. "Danke, anstrengend", antwortete Eddie. "Na ja, in der Business-Klasse ist es doch auszuhalten", sagte ich. "Ich bin Touristenklasse geflogen", gähnte Jordan. "Besser, wenn ich hier nicht gleich so auf den Putz haue."

Gut, diese Einstellung hat er recht schnell abgelegt. Dabei hatte sie etwas Ehrliches, denn in den Jahren als Bankangestellter und zweitklassiger Rennfahrer verdiente Eddie Jordan für sich und seine wachsende Familie (heute hat er Frau und vier Kinder) so wenig, daß er sich in seinem Haus in Silverstone nicht mal eine Zentralheizung leisten konnte. Später leistete er sich dafür um so mehr. Und ich meine damit nicht nur die branchenüblichen Yachten und dicken Uhren. Er leistete sich ein Toupet, ein Ziegenbärtchen, Dutzende kurioser Brillen und eine ordentliche Portion Selbstironie.

Boxenluder und Rock 'n' Roll

Mit Eddie sagt der Erfinder des Boxenluders good-bye. Eddie war der erste "Boxenlude". Und nicht nur wir Männer im Fahrerlager, die wir die 70er Jahre im Rennsport schon miterlebt hatten, waren ihm insgeheim dankbar dafür. Andere Teams mögen Carbon oder Beryllium in die Formel 1 eingeführt haben – Eddie Jordan führte das Silikon ein. Und wer darüber den Kopf schüttelte, den lachte Eddie aus und schlug dabei einem Model auf die Schenkel. Jordan hat nicht nur Michael Schumacher seine erste Chance in der Formel 1 gegeben, sondern auch Katie Price. Okay, vielleicht hinkt der Vergleich, aber ein Gespür für Naturtalente und das dazu passende Tuning hatte der Ire schon immer.

Eddie war eben anders. Wenn er hinter seinen Drums saß und mit seinen Bands "Pit Stop Boogie Boys" und "Buzzin’ Hornets" rockte, dann machte er das, weil es ihm eine natürliche Freude war, und nicht, weil es ihm um irgendein Image ging. 1999 fuhr er drei Tage mit dem Fahrrad durch die Wüste von Jordanien nach Israel und sammelte Geld für krebskranke Kinder. Nach jedem Rennen rief er zu Hause an und ließ sich die Fußballergebnisse durchgeben. Niemand jubelte so schön, wenn es (wie 1999) sportlich sehr gut lief. Keiner litt so erbärmlich, wenn die beiden Jordan im Rennen mal wieder liegenblieben.

Mit Eddie Jordan verläßt ein Paradies-, kein Spaßvogel, die Formel-1-Bühne. "Meist bin ich ernst, aber nach außen verstecke ich das hinter der Fassade einer vielleicht zu spaßorientierten Person", erzählte er mir schon 1998. Unser Verhältnis war, wie es sein muß – hart, aber fair. Im Jahr, nachdem er Heinz-Harald Frentzen plötzlich, völlig untypisch und vor allem fristlos rausgeworfen hatte, sah er mich vor seinem Teambus stehen und rief: "Hey, da ist ja dieser Kerl von AUTO BILD, der immer so schlecht über mich schreibt. Na, dann komm mal rein."

Eddie Jordan ist in 14 Jahren Formel 1 nie größenwahnsinnig geworden. Na ja, vielleicht mal ganz kurz. Als die sportlichen (und damit finanziellen) Erfolge da waren, investierte er wie verrückt, stellte Leute ein, verlor den Überblick über sein bis dahin familiäres Team. "Es war ein Desaster", sagte er damals. Und dann: "Wenn über dem Eingang der Firma ,Jordan‘ steht, erwarten die Mitarbeiter, den Mann dort anzutreffen, der auch so heißt." Das ist nun nicht mehr so. Goodbye, Eddie!

Eddie Jordan im Kurzporträt

Eddie Jordan im Kurzporträt • Geboren: 30. März 1948 • Geburtsort: Dublin (Irland) • Wohnort: Oxford (England) • Nationalität: Ire • Familienstand: verheiratet mit Marie, vier Kinder • Erlernter Beruf: Banker • Hobbys: Rock 'n' Roll (Lieblingsbands: Deep Purple, U2, Van Morrison, Stereophonics), Fußball, Golf, Pferderennen

Jordan in der Formel 1: Einstieg: 1991 • Grand Prix: 231 • Siege: vier (Belgien 1998, Frankreich 1999, Italien 1999, Brasilien 2003) • Pole-Position: zwei (Belgien 1994, Europa 1999) • Beste WM-Plazierung: dritter Platz 1999 (Pilot: HH Frentzen) • Schnellste Rennrunden: zwei (Ungarn 1991, Spanien 1997)

Deutsche Piloten im Team Jordan: Michael Schumacher (ein Rennen 1991); Ralf Schumacher (33 Rennen 1997–98); Heinz-Harald Frentzen (43 Rennen 1999–2001); Nick Heidfeld (18 Rennen 2004)

Motorenpartner: Ford (1991; 2003–04); Yamaha (1992); Hart (1993–94); Peugeot (1995–97); Mugen-Honda (1998–2000), Honda (2001–02)

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