Juan Pablo Montoya im Interview

Juan Pablo Montoya im Interview Juan Pablo Montoya im Interview

Juan Pablo Montoya im Interview

— 06.08.2003

"Ich bleibe, solange sie mich wollen"

Wohin zieht es den BMW-Mann? Juan Pablo Montoya (27) lässt alle Transfer-Fragen offen. Redet aber Klartext über die Schumis, seine Connie und sich.

"Ich sage die Dinge geradeheraus"

AUTO BILD motorsport: Herr Montoya, wo steckt Connie, Ihre Ehefrau? Wir hätten gern ein Doppelinterview. Juan Pablo Montoya: Nein, nein – das würde zu sehr ins Privatleben gehen.

Wie wichtig ist es für Sie, dass Connie Sie zu Ihren Rennen begleitet? Immer wenn sie Zeit hat, kommt sie mit. Mir bedeutet das sehr viel. Dieses Jahr ist es gut gelaufen. Sie unterstützt mich sehr. Ich empfinde es als Vorteil, wenn sie in der Nähe ist.

Wie haben Sie sich verändert, seitdem Sie mit Connie zusammen sind? Es heißt, Sie seien weniger hart. Ich jetzt sanfter? Dann würde ich ja keinen mehr überholen ...

Wir meinten abseits der Arbeit. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass man sanfter werden kann.

Giancarlo Fisichella ist bereits zweimal Vater, Heinz-Harald Frentzens Frau erwartet ihr zweites Kind. Denken Sie auch an Nachwuchs? Nein, noch nicht. Wenn die Zeit kommt, dann wird es geschehen. Vielleicht in einem Jahr, vielleicht in zwei Jahren oder in fünf.

Es gab in den deutschen Medien viel Wirbel um angebliche Kritik Ihrer Connie an Cora, der Ehefrau Ihres Teamkollegen Ralf Schumacher ... Das ist doch völlig verrückt. Viele Zeitungen veröffentlichen Zitate, die nie geäußert wurden. Connie hat nie mit der Presse gesprochen.

Haben Sie selbst Probleme damit, wenn Sie von der deutschen Presse falsch zitiert werden? Nein, ich weiß doch genau, was ich gesagt habe. Wenn das verfälscht wird, weil es aus Sicht der Redaktionen reißerischer ist – damit muss man leben. Ich sage die Dinge geradeheraus. Für manche ergibt das dann keine gute Story.

Manchmal provozieren Sie aber! Wir sind doch aus einem ganz bestimmten Grund hier – ich will Rennen gewinnen. Ich möchte den Job für das Team so gut wie möglich machen. Nichts anderes tue ich.

Keine Angst um Ihren Ruf? Man will natürlich immer einen guten Ruf haben. Aber unterm Strich geht es doch um die Leistungen auf der Piste. Ich weiß, dass ich einen guten Job mache und das Team happy mit mir ist.

Wechsel zu McLaren-Mercedes?

Sie hatten Streit mit Ihrem Team via Boxenfunk beim Frankreich-Grand-Prix. Es gab viele Gerüchte, warum. Wollen Sie uns die Wahrheit sagen? Nein! Das ist etwas zwischen dem Team und mir. Sorry, wir belassen es hier bei den Gerüchten. Außerdem ist das doch schon Vergangenheit.

BMW hat seinen Vertrag mit Williams bis 2009 verlängert. Beeinflusst das Ihre Entscheidung, wie es bei Ihnen ab 2005 weitergeht? Man muss sich alle Möglichkeiten genau anschauen, und das werde ich auch. Deswegen gibt es Gerüchte.

Was ist denn dran an Ihrem Wechsel zu McLaren-Mercedes? Im Moment gar nichts. Man hat immer Kontakt mit anderen Teams und redet. Ich muss mir schließlich die Optionen anschauen, die ab 2005 für mich bestehen. Viele Leute bringen Gerüchte in Umlauf, um gute Geschichten zu machen.

Ist es vorstellbar, dass Sie BMW-Williams nach dieser Saison verlassen? Nein, nicht wirklich. Ich habe einen Vertrag mit Frank Williams und BMW bis Ende 2004. Und so lange bleibe ich auch.

Ist das Bleiben für Sie also eine Frage der Ehre? Ja. Ich bleibe hier, solange sie mich noch wollen. Ich bin hier glücklich.

Sie fuhren ja schon für Mercedes-Benz. Stimmt, das war ein ITC-Rennen 1996 in Silverstone, wo ich Jan Magnussens Tourenwagen übernommen habe. Das hat Spaß gemacht!

Welche Rolle spielt für Sie Geld bei einem Teamwechsel? Geld ist nicht der ausschlaggebende Punkt. Man muss schauen, wo man am glücklichsten ist und sich am besten entfalten kann. Man will immer ein Auto weiterentwickeln und sich als Fahrer ebenso. Deswegen schaut man sich Optionen an und sagt: "Plus, minus, plus ..."

Und wie viele Optionen haben Sie? Ich denke, ich habe drei oder vier. Das hoffe ich zumindest. Ansonsten wäre es doch schlecht, oder?

Wie viel Einfluss hat Ihre Frau bei diesen Entscheidungen? Das entscheide ich nicht alleine. Ich spreche mit anderen Leuten darüber und wäge mit ihnen ab. Es geht aber nicht darum, dass meine Frau sagt: "Hier ist es netter wegen der Leute, deswegen will ich hier bleiben." Wir beziehen da schon professionelle Punkte ein, wo es sich am besten für mich auszahlt.

"Senna war besser als Schumacher"

Ihr aktuelles Rennauto wurde seit Saisonbeginn deutlich verbessert. Ist es jetzt voll wettbewerbsfähig? Ein Auto kann immer weiter verbessert werden. Da gibt es kein Limit. Der Wagen scheint auf allen Strecken gut zu sein. Das Team hat in diesem Jahr einen guten Job gemacht.

Haben Sie wirklich gesagt, Sie würden niemals eine Teamorder zum Vorteil Ihres Teamkollegen Ralf Schumacher befolgen? (Prustet.) Das ist doch total verrückt! Wann wurde das veröffentlicht?

Am Wochenende vor dem Grand Prix in Deutschland. Genau! Aber ich ging nach dem letzten Rennen in Urlaub und sprach mit niemandem von der Presse ...

Aber Sie haben gesagt, Ralf würde gegen Sie härter fahren als gegen seinen Bruder? Ja, richtig. Das ist aber schon eine Weile her. Und es ist doch normal, jeder will den Teamkollegen schlagen.

Kommen Sie mit der deutschen Mentalität klar? Südamerikaner glauben ja oft, in den Adern der Deutschen fließe statt Blut Kartoffelpüree. (Lacht.) Nein, ich habe keine Probleme. Das erste Mal, dass ich mit Deutschen arbeitete, war 1996, als ich bei – wie bereits erwähnt – Mercedes-Benz Jan Magnussen ersetzte. Dann erneut mit BMW bei Williams. Wir haben ein wirklich gutes Verhältnis. Mentalität und Arbeitsweise unterscheiden sich, aber es klappt gut.

Können Sie sich vorstellen, Sie und Michael Schumacher im selben Team? Na klar, wenn wir beide unter den gleichen Bedingungen antreten würden. Aber so, wie Ferrari an die Sache herangeht, ist es ja doch ein Ein-Fahrer-Team. Ich möchte keinesfalls irgendwo als Nummer zwei fahren.

In Nürburg haben Sie Michael Schumacher spektakulär überholt ... Ja, weil ich so gut bin.

War Ihnen klar, dass Ihnen danach die meisten deutschen Fans die Schuld an Schumis Dreher geben würden? Das ist mir egal, darum kümmere ich mich nicht. Ich mache meine Arbeit, so gut es geht.

Ayrton Senna war dreimal Weltmeister, Michael Schumacher fünfmal. Trotzdem stufen Sie Senna höher ein als Schumi. Warum? Senna war in allen Bereichen besser. Michael hätte heute zwei WM-Titel weniger, wäre Senna nicht gestorben.

"Mein härtester Kritiker bin ich selber"

Herr Montoya, Sie sind sehr hart mit sich selber ... (Unterbricht die Frage.) Ja, das bin ich!

Aber warum? Ich kümmere mich nicht darum, was andere denken oder sagen. Mein härtester Kritiker bin ich selber. Wenn jemand kommt und sagt: Da hättest du das und das tun sollen – Mensch, ich weiß das doch selber. Natürlich höre ich zu. Was nichts taugt, wandert in den Papierkorb, und die nützlichen Bemerkungen nehme ich an. Das hilft, ein besserer Mensch und Fahrer zu werden.

Was können Sie an sich selbst nicht leiden? (Zögert.) Da fällt mir auf Anhieb nichts ein. Zuspätkömmen, das mag ich nicht. Weder unpünktliche Leute noch wenn ich selbst unpünktlich bin. Vielleicht bin ich manchmal mir selbst gegenüber zu kritisch, das ist das Einzige. Aber das treibt mich an.

Sie gelten als Macho. Wenn es eine Frau in der Formel 1 gäbe, würde es Sie stören, von Ihr geschlagen zu werden? Ich bin wahrscheinlich die letzte Person im Fahrerlager, die Probleme mit einer Frau hätte. Wenn jemand besser ist als ich – akzeptiert. Meine Frau und ich spielen auch oft gegeneinander. Ich bin ein harter Gegner. Aber ich fasse mir an die eigene Nase.

Die Interview-Analyse

"Man muss sich alle Möglichkeiten anschauen, und das werde ich auch." Wahrheit oder Lüge, was uns Juan Pablo Montoya im Interview zu seinem angeblichen Wechsel von BMW-Williams zu McLaren-Mercedes aufgetischt hat? Wie kann "BILD" dann schon melden, dieser Handel sei "bereits in trockenen Tüchern"? Fakt ist: Weder McLaren-Mercedes noch BMW-Williams bestätigen den Transfer. Noch viel wichtiger: Beide Seiten dementieren ihn auch nicht.

Was das heißt? Offenbar haben Montoya und McLaren-Mercedes zumindest einen Vorvertrag geschlossen. Nach ABm-Recherchen in Hockenheim ist vorgesehen: Montoya fährt ab 2005 bis Ende 2007 Silberpfeil. Für rund zehn Millionen Dollar Gage pro Jahr. Das sind für ihn rund drei Millionen mehr, aber immer noch eine weniger, als Ralf Schumacher derzeit bei BMW-Williams bekommt.

Dass Juan Pablo Montoya schon 2004 McLaren-Mercedes fährt, ist allerdings so gut wie unmöglich. "Auf gar keinen Fall!", sagt sein Teamchef Frank Williams. Damit wäre auch die angebliche neue Klausel im 2004er David-Coulthard-Vertrag von McLaren-Mercedes überflüssig: jederzeitige Beurlaubung möglich. Dieser Passus wäre also nur eine Vorsichtsmaßnahme, falls die Ehe Montoya-BMW-Williams vor Ende 2004 zerbricht.

Vielleicht kommt ja alles ganz anders: Dass Montoya bei BMW-Williams bleiben will und das "Gerücht", wie er die Spekulationen um ihn nennt, nur benutzt, um Williams dazu zu bringen, sein Gehalt für 2004 auf Schumi-II-Niveau oder sogar darüber anzuheben. Oder: Dass "Monti" Druck auf Ferrari machen will. Damit die die vermeintliche Schumi-Nummer-eins-Politik kippen und ein Multi-Millionen-Gehalt locker machen, ihm so den weg ins heimlich verehrte rote Imperium öffnen.

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