Jutta Kleinschmidts Dakar-Tagebuch 2003

Jutta Kleinschmidts Dakar-Tagebuch 2003 Jutta Kleinschmidts Dakar-Tagebuch 2003

Jutta Kleinschmidts Dakar-Tagebuch 2003

— 12.02.2003

"Ein Wechselbad der Gefühle"

Jutta Kleinschmidt hat bei der Dakar-Rallye 2003 exklusiv für AUTO BILD motorsport Tagebuch geführt. Wichtige Auszüge können Sie hier lesen, das Original ersteigern.

Kurz vorm Start – Feuer im Cockpit

Bei ihrer 13. Dakar-Rallye hat Jutta Kleinschmidt (40) exklusiv für AUTO BILD motorsport Tagebuch geführt. Spannende Auszüge gibt es in Heft 04/2003 und bei autobild.de. Doch Sie können alles haben – exklusiv ganz für sich allein. Denn die Wüstenkönigin versteigert die handgeschriebenen persönlichen Erinnerungen ihres ersten VW-Einsatzes zugunsten armer Kinder.

30. Dezember 2002: Turin-Marseille Endlich ist es so weit, nach vier Wochen Endspurt hier in Turin. Wir haben die letzten Wochen Tag und Nacht, oft bis in die Morgenstunden gearbeitet. Wir haben Karten und Computer für die Navigation vorbereitet, Ersatzteillisten erstellt und alles in die Service-Lkw verpackt. Aber die Hauptarbeit war der Aufbau unserer neuen Rallyefahrzeuge, der drei VW Tarek. In nur drei Monaten sind sie entstanden. Das Fahrwerk und der Gitterrohrrahmen kamen fertig aus den USA, aber der Rest war sehr viel Arbeit ...

31. Dezember 2002: Marseille Heute stehen die Papier- und die technische Fahrzeugabnahme auf unserem Programm. Als wir beim Parc Chanot ankommen, ist das Interesse von Presse und Konkurrenz sehr groß. Alle wollen unseren neuen Flitzer sehen ...

1. Januar 2003: 1. Etappe, Marseille-Narbonne (Wertungsprüfung: ein km, gesamt: 265 km) Wir stehen bereits vor der Startrampe, als es in der Elektrik zu einem Kurzschluss kommt. Die Flamme, die dabei im Innenraum entsteht, kann ich gerade noch löschen. Aber danach geht erst mal gar nichts mehr. Mehrere Sicherungen sind abgebrannt. Ich muss sie alle ersetzen. Mir läuft die Zeit davon, nur noch einige Sekunden bis zum Start ... Tagesergebnis: 12., gesamt: 12.

39 Kilometer ohne Bremsen gefahren

2. Januar 2003: 2. Etappe, Narbonne-Castellon (Wertungsprüfung: 43 km, gesamt: 574 km) Meine Dakar-Rallye hat ja bereits aufregend begonnen! Dass es heute ähnlich weitergeht, war nicht geplant. Fabrizia und ich sind gerade in die Prüfung bei Narbonne gestartet, als der Handbremshebel abbricht. Leider habe ich die hintere Bremse nicht rechtzeitig abgeklemmt, so ist die gesamte Bremsflüssigkeit ausgelaufen. Dadurch hatte ich weder vorne noch hinten Bremse. Die restlichen 39 Kilometer muss ich so ganz ohne Bremsen fahren. Somit kann ich nur noch im ersten Gang durch die Prüfung rollen. Die Kilometer werden unendlich lang ... Tagesergebnis: 64., gesamt: 64.

3. Januar 2003: 3. Etappe, Castellon-Valencia (Wertungsprüfung: acht km, gesamt: 95 km) Fast hätte es uns erwischt. Dabei musste ich an Kenjiro Shinozuka denken, der sich hier 2001 bei einem Überholmanöver für über 20 Minuten festgefahren hatte ... Tagesergebnis: 15., gesamt: 48.

4. Januar 2003: Überfahrt Valencia-Tunis Auf dem Boot haben wir Zeit, uns noch mal so richtig auszuschlafen. Aber wir müssen auch noch Vorbereitungen treffen ...

5. Januar 2003: 4. Etappe, Tunis-Tozeur (Wertungsprüfung: 25 km, gesamt: 463 km) Nach nur fünf Kilometern laufen wir auf Joseph Maria Servia im Schlesser-Buggy auf und schlucken seinen Staub. Darin übersehe ich ein wirklich großes Loch und knalle voll mit dem rechten Vorderrad in selbiges – ein Plattfuß vorne rechts ... Tagesergebnis: 31., gesamt: 37.

Durchschnittsgeschwindigkeit 129,5 km/h

6. Januar 2003: 5. Etappe, Tozeur-El Borma (Wertungsprüfung: 285 km, gesamt: 494 km) Wir haben 17 Autos auf der Strecke überholt ... Tagesergebnis: 10., gesamt: 12.

7. Januar 2003: 6. Etappe, El Borma-Ghadames (Wertungsprüfung: 228 km, gesamt: 278 km) Eine rundum schöne Etappe, die uns einen Platz unter den besten zehn in der Gesamtwertung einbringt ... Tagesergebnis: 8., gesamt: 10.

8. Januar 2003: 7. Etappe, Ghadames-Ghat (Wertungsprüfung: 584 km, gesamt: 691 km) Das Auto läuft wie ein Uhrwerk ... Tagesergebnis: 5., gesamt: 9.

9. Januar 2003: 8. Etappe, Ghat-Sabha (Wertungsprüfung: 497 km, gesamt: 727 km) Das geht mir jetzt fast zu schnell! Jetzt sind wir schon Fünfte in der Gesamtwertung ... Tagesergebnis: 6., gesamt: 5.

10. Januar 2003: 9. Etappe, Sabha-Zilla (Wertungsprüfung: 567 km, gesamt: 585 km) Gleich nach dem Start kündigt sich ein schleichender Plattfuß an, indem das entsprechende Anzeigemanometer langsam abfällt. Den können wir aber durch ständiges Aufpumpen unter Kontrolle halten ... Tagesergebnis: 6., gesamt: 4.

11. Januar 2003: 10. Etappe, Zilla-Sarir (Wertungsprüfung: 521 km, gesamt: 554 km) In den letzten Tagen hatten wir schon geglaubt, die Rallye sei schnell. Doch die heutige zehnte Etappe war noch schneller. Tagessieger Hiroshi Masuoka erzielte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 138 km/h, unglaublich in der Wüste! Mit dem sechstbesten Ergebnis gelang uns immerhin noch ein Schnitt von 129,5 km/h ... Tagesergebnis: 6., gesamt: 4.

Motorschaden auf der 11. Etappe

12. Januar 2003: 11. Etappe, Sarir-Siwa (Wertungsprüfung: 438 km, gesamt: 586 km) Bis zu Kilometer 276 lief alles normal. Dann geht unser Auto plötzlich aus, wir rollen aus. Alle Träume vom Podium sind dahin! Die Realität ist ein Motorproblem. Der Lkw muss uns rund 170 Kilometer durch die Dünen ziehen ... Der Zylinderkopf wird mitsamt den verbogenen Ventilen gewechselt – ganz reglementkonform ... Tagesergebnis: 66., gesamt: 11.

13. Januar 2003: Ruhetag in Siwa Die Nacht war bitterkalt, aber wir haben sowieso nicht viel geschlafen ... Wir haben es geschafft, im Rennen zu bleiben! Improvisationskunst zahlt sich aus! Running-Gag ist im Moment mein blaues Auge, auf das mir die Tarek-Tür gefallen ist. Da bin ich noch mal mit einem blauen Auge davongekommen ...

14. Januar 2003: 12. Etappe, Siwa-Siwa (Wertungsprüfung: 341 km, gesamt: 445 km) Überholen, überholen und noch mal überholen und dabei möglichst nicht festfahren! Fabrizia hat eine Strichliste geführt mit allen Fahrzeugen, die wir passiert haben. Es waren 63, davon 42 Autos und 21 Lastwagen ... Tagesergebnis: 9., gesamt: 9.

15. Januar 2003: 13. Etappe, Siwa-Dakhla (Wertungsprüfung: 569 km, gesamt: 657 km) Die beste Nachricht für Volkswagen ist, dass wir nicht nur die Klasse für zweiradangetriebene Fahrzeuge anführen. Wir führen auch die Diesel-Wertung an. Ich hoffe, dass wir diese Plätze bis ins Ziel behaupten können ... Tagesergebnis: 10., gesamt: 9.

16. Januar 2003: 14. Etappe, Dakhla-Luxor (Wertungsprüfung: 274 km, gesamt: 702 km) Nach nur zwei Kilometern ist schon wieder alle Motivation dahin. Unser Tarek fährt nur noch auf dem Notprogramm. Dadurch verbleiben ungefähr noch 15 PS ... Tagesergebnis: 33., gesamt: 9.

Zusammenstoß mit einem Motorradfahrer

17. Januar 2003: 15. Etappe, Luxor-Abu Rish (Wertungsprüfung: 477 km, gesamt: 576 km) Bei jedem Überholversuch mussten wir es neben der Piste probieren, was ganz schön riskant ist ... Tagesergebnis: 11., gesamt: 9.

18. Januar 2003: 16. Etappe, Abu Rish-Sharm El Sheikh (Wertungsprüfung: 365 km, gesamt: 828 km) Vor der ersten Zeitkontrolle überholen wir Norman Kronseder mit seinem Motorrad. Da ich mir nicht sicher bin, ob ich ihn beim Überholen berührt habe, drehen wir, um nachzusehen. Er ist gestürzt. Wir halten geschockt an. Der Schutzlappen unseres Autos hat ihn touchiert. Da er am Fuß verletzt ist und nicht mehr weiterfahren kann, rufen wir mit seinem Notsender den Rettungshubschrauber. Erst als der Helikopter eintrifft und die Ärzte uns weiterschicken, setzen wir unsere Fahrt fort. Der Zwischenfall tut mir unendlich Leid. Norman Kronseder war der einzige deutsche Motorradfahrer im Feld. Die erste Diagnose am Abend ist eine Absplitterung am linken Knöchel. Ich wünsche ihm natürlich gute Besserung. Da ich selbst vier Mal mit dem Motorrad bei der Dakar-Rallye angetreten bin, weiß ich, wie groß die Strapazen sind. Umso schlimmer ist es, wenn man so kurz vor dem Ziel ausfällt. Das kann ich durch nichts wieder gutmachen ... Tagesergebnis: 7., gesamt: 8.

19. Januar 2003: 17. Etappe, Sharm El Sheikh-Sharm El Sheikh (Wertungsprüfung: 34 km, gesamt: 56 km) Nach 19 Tagen und mehreren Monaten harter Arbeit vor der Veranstaltung haben wir allen Grund, mit unseren Ergebnissen bei der Rallye Dakar zufrieden zu sein ... Tagesergebnis: 3., gesamt: 8.

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