K&M Impreza gegen Digit Power Lancer

Digit Power Lancer Evo 8R – K&M Impreza WRX STi-KM GP5 Digit Power Lancer Evo 8R – K&M Impreza WRX STi-KM GP5

K&M Impreza gegen Digit Power Lancer

— 22.06.2005

Die Mächte des Wahnsinns

Ein bißchen durchgeknallt sollte schon sein, wer sich für einen dieser getunten Japaner entscheidet. Maximale Power bei minimalem Hub lautet die Devise der zwei Topathleten.

Gute Manieren sind beiden fremd

Liebhaber klassischer Musik sollten schon an dieser Stelle das Lesen einstellen. Wir widmen uns auf den nächsten Seiten nämlich ausschließlich moderner Mucke. Unsere zwei Testwagen verkörpern puren Hip-Hop: unverblümt in der (Formen-) Sprache, ungehobelt im Auftritt und stets zu laut. Gute Manieren sind diesen beiden Japanern fremd – allein der Anblick der dramatischen Heckflügel dürfte bei Feingeistern Magengrimmen auslösen. Wir testen: Mitsubishi Lancer Evo VIII und Subaru Impreza WRX STi – in modifizierter Ausführung. Den Lancer nimmt sich Digit Power vor. Die Experten in Zürichs Einzugsbereich tunen alles, was Spaß macht. Audi RS6, Golf GTI, Mini Cooper S und eben Mitsubishi Evo – des Veredlers Vorliebe für Aufladung aller Art ist offensichtlich.

Dank einer Niederlassung in Mannheim erreichen deutsche Kunden den Schweizer Tuner ab sofort deutlich leichter. Sein Evo VIII heißt Evo R. Besonderes Merkmal: ein orangefarbener Mittelstreifen, der sich konsequent über das gesamte Auto zieht. Die auffällige Markierung wirkt auf der Autobahn Wunder. Vorausfahrenden brennt sich der knallige Farbton beim Blick in den Rückspiegel in die Netzhaut. So trumpft der Lancer mit einem einzigartigen Überholprestige auf. Sogar Porsche-Fahrer suchen auf der rechten Spur zwischen Lastwagen Schutz. Besser für sie: Nascht der Lancer doch (fast) alles weg, was gemeinhin als stark und schnell gilt.

Wobei weniger die Papierform beeindruckt – 350 PS sind heutzutage nichts Außergewöhnliches mehr. Viel imponierender ist, wie der Japaner seine Leistung preisgibt. Sobald der Motor sein abgrundtiefes Turboloch überwunden hat, setzt die Power mit schlagartigem Punch ein – die Klitschko-Brüder können unmöglich härter zulangen. Ein helles, fast schmerzhaftes Pfeifen untermalt das Spektakel – der Turbolader in Aktion. Leider schlägt sich das Tuning auch in einem deutlich vernehmbaren Teillast-Ruckeln nieder.

Ausstattungen und Preise

Ein gewöhnlicher Evo VIII leistet 265 PS, die Kraftkur von Digit Power bringt 85 PS extra. Die zusätzlichen Pferdestärken resultieren aus einer Optimierung der Elektronik, anderen Nockenwellen und einer Auspuffanlage mit Sportkat. Das maximale Drehmoment steigt von 355 auf 475 Newtonmeter. Unser Testfahrzeug hat der Tuner aus Amerika importiert. Dort bietet Mitsubishi eine abgespeckte Version an. Deshalb fehlt hier die Giermomentkontrolle mit Programmen für Asphalt, Schotter und Schnee.

K&M Turbotechnik will das alles übertrumpfen. Der Impreza des ostdeutschen Newcomers leistet 384 PS und schafft bullige 517 Newtonmeter Drehmoment. Die Serie bringt es auf 265 PS und 343 Newtonmeter. Von nichts kommt nichts – K&M schreckt vor keinem Kunstgriff zurück. Einen großen Teil der 119 Zusatz-PS verantworten Sportauspuff und Chiptuning. Den Rest tragen Metallkat, ein anderer Turbolader, neue Einspritzdüsen, eine leistungsfähigere Kraftstoffpumpe sowie Fächerkrümmer bei.

Zudem verpaßt K&M dem Impreza einen Front-Ladeluftkühler, der direkt im Wind steht. Der auf dem Motor liegende Serien-Ladeluftkühler, durch die Hutze beatmet, fällt weg. Wer die riesige Einlaßöffnung nicht mag, der kann sie jetzt bedenkenlos zuspachteln. Beim 100-km/h-Sprint ist der Unterschied zur Serie kaum spürbar – die in die Leistungssteigerung integrierte Launch-Control arbeitet im Impreza beim Start auf Asphalt nicht optimal. Dafür brennt das Auto auf 200 km/h Fabelzeiten in den Asphalt. Mit 16,6 Sekunden schlägt es einen Mercedes-Benz SLK 55 AMG um eine halbe Sekunde.

Fahrleistungen und Verbrauch

Dementsprechend heftig geht es zur Sache. Den Piloten beschleicht das Gefühl, der Impreza würde im sechsten Gang mit der gleichen Vehemenz beschleunigen wie im ersten. Natürlich leidet auch der Impreza unter einem Turboloch gigantischen Ausmaßes. Aber gerade der direkte Übergang von Flaute zu Orkan bei 3500 Umdrehungen macht den Reiz des Impreza aus. Das lustvolle Zischeln des Wastegate-Ventils erzeugt Gänsehaut. Wer es weniger heftig mag, darf Schub zurücknehmen. Das funktioniert auf eine Art und Weise, die irgendwie an James Bond erinnert: Zweimal den Knopf der Heckscheibenheizung betätigt, leistet der Impreza nur noch 330 PS. Zwei Tastendrücke später steht wieder die volle Leistung zur Verfügung.

Auf der Rennstrecke trumpft der Lancer auf – trotz der wenig standfesten Bremsanlage vom Tuner. Immerhin packt sie auf Temperatur gekommen etwas besser zu. Seine unnachahmliche Art hat der Lancer bereits ab Werk: Die herrliche Lenkung, die mit beispielloser Präzision und Spontaneität auch blutige Anfänger eine saubere Linie fahren läßt, sucht ihresgleichen. Übersteuern kennt der Evo nur vom Hörensagen, das Auto gibt seine Neutralität unter keinen Umständen auf.

Nur die hakelige Schaltung trübt das Vergnügen. Unter der leidet auch der K&M-Impreza. Abgesehen davon trumpft auch der Subaru mit narrensicherem Fahrverhalten auf – mit Tendenz zum sanften Untersteuern. Trotz überbordender Leistung kennt der Subaru keine Traktionsprobleme. K&M spendiert dem Impreza ein Gewindefahrwerk mit verstellbarer Zug- und Druckstufe.

Fazit und technische Daten

Auf dem Motopark Oschersleben fährt das Tuningauto einen Vorsprung von drei Sekunden gegenüber der Serie heraus. Damit liegt der K&M-Subaru knapp vor einem serienmäßigen Evo VIII. Der Digit Power Lancer benötigt noch mal beinahe drei Sekunden weniger. Auf der Autobahn wendet sich das Blatt. Die beiden Boliden trennt weit mehr als nur ein Kilometer pro Stunde an Endgeschwindigkeit (259 zu 260 km/h). Die knallharte Abstimmung des Digit-Power-Lancer verlangt der Besatzung bei längeren Vollgas-Etappen alles ab.

Mit dem K&M-Impreza ist die Kilometerfresserei viel entspannter. Schade, daß er für Spurrillen so anfällig ist. Schlimmer aber ist sein gigantischer Durst (siehe Tabelle). Wobei sich der Lancer in dieser Disziplin genausowenig mit Ruhm bekleckert. Wären alle Autofahrer auf der Welt mit einem dieser beiden Schluckspechte unterwegs, wären die globalen Ölreserven wahrscheinlich bis Weihnachten aufgebraucht. Spätestens jetzt dürften sich die meisten entschließen, ihrem TDI doch die Treue zu halten. Keine Überraschung: Hip-Hop mag schließlich auch nur eine Minderheit.

Fazit: Unsere Empfehlung: Kaufen Sie am besten beide. Den Subaru für die geraden, den Mitsubishi für die ungeraden Wochentage – oder umgekehrt. Sowohl Lancer als auch Impreza bereiten kaum zu überteffenden Fahrspaß. Digit Power sei denen empfohlen, die auf das letzte Quentchen Performance großen Wert legen. K&M hingegen wendet sich an Sportfahrer, die es dank des üppigen Drehmoments auch mal etwas entspannter angehen lassen wollen. Die Spritkosten sollten jedoch vorab einkalkuliert werden – sonst wird man ob des ruinösen Dursts der beiden wirklich noch wahnsinnig.

Autor: Ben Arnold

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