Käfer von 1958 gegen New Beetle

Käfer von 1958 gegen New Beetle Käfer von 1958 gegen New Beetle

Käfer von 1958 gegen New Beetle

— 22.04.2003

Das Käfer-Stündchen

Käfer gegen Beetle. Kabriolett gegen Cabriolet. Einst gegen Jetzt. War früher alles besser? Keineswegs. Aber der 58er ist unendlich spannender. Der Neue natürlich viel sicherer. Fahren wir den Generationen-Konflikt.

Hechelndes Rasseln und Zahnputzgeräusch

Peng! Mit dem Türzuknallen stellst du die Zeit um über vier Jahrzehnte zurück. Zuknallen? Zuscheppern! Denn das auf dem Herstellerschild "Karmann-Kabriolett" genannte Käferchen bringt ganze 810 Kilo auf die Waage. Sein Enkel wiegt gut eine halbe Tonne mehr.

Dann fällst du in die schmalen Sitze, und kaum dass der Zündschlüssel sich dreht, boxt hinter dir schon der Vierzylinder los, der angeblich nie k.o. zu kriegen war. Zu seinem hechelnden Rasseln gesellt sich das Zahnputzgeräusch von Haupt- und Vorgelegewelle, jaulend stimmt das Differenzial mit ein. Doch spätestens ab Tacho 80 ist der Lärm wie weggeblasen. Dann zerrt der Wind an den Fenstern, reißt an der Persenning, zaust in den Haaren.

Springen wir schnell in das New Beetle Cabriolet, folgen dem Opa. Ein altertümlicher Anblick. Auf spillerigen, diagonalbereiften 5.60x15-X-Beinen stakst er wacker und wackelig um die Kurven, den zwei Endröhrchen entfleucht dabei allerlei unverbrannter Kohlenwasserstoff. Dieser fiese Spritgestank – einst der Duft der großen, weiten Welt. Damals war die Farbe der Hoffnung (aufs erste eigene Auto) auch noch keine Partei, sondern allenfalls heideromantischen Löns-Lesern geläufig.

Käferfahren ersetzt das Fitnessstudio

Heute sitzen wir auf universell verstellbaren Stühlen, Gurt-gebremst, Airbag-bewacht, gelenkt wird mit dem kleinen Finger. Elektronik-Engel der Chip-Industrie wachen über Motorlauf und Fahrer-Fitness. Überschätzt der sich, helfen sie blitzbremsen, stotterstoppen, ja, bald sollen sie sogar in die Lenkung eingreifen. Und sind die Kräfte mal nicht mehr zu bändigen, schießen schützend die hinteren Kopfstützen heraus. Der entmündigte Fahrer?

Verglichen mit 1958: ja. Bremsen, Lenken und Fensterkurbeln ersetzten das Fitnessstudio. Ein stabiler Haltegriff lauerte überm Handschuhkasten auf Schneidezähne. Überschlägig dürfte der Scheibenrahmen des Karmann-Käfers abknicken wie ein Wischerarm im Politessengriff. Gurte? Damit band man allenfalls Koffer zu.

Ja, 1958 waren wir in Westdeutschland mit 12.169 Verkehrstoten auf dem traurigen Weg zum 70er Höchststand von 19.193 (2002 in Ost und West unter 7000). Ja, wenn man als Älterer in den Alten steigt, dann dankt man heute noch seinem Schutzengel, der damals geduldig mitflog. Dem bis Spitze 112 nie die Puste ausging. Der beim rasanten Kurven-Katapult in letzter Sekunde die Lücke neben dem Chausseebaum finden ließ ...

Manchmal rüttelt es leicht im Beetle-Gebälk

Und heute? Da müssen wir uns immer noch daran gewöhnen, dass ein urdeutsches Karmann-Cabrio nicht aus Osnabrück kommt, sondern aus Mexiko. Wo er übrigens auch ein qualitativ hohes Niveau mit auf den Überseeweg bekommt.

Geschlossen fährt sich das Rundstück wie die Limousine, das Dach ist noch viel solider als beim auch schon gut isolierten Opa von 1958. Nach 13 Sekunden ist die Mütze verschwunden (vorerst ist nur das elektrohydraulische Dach lieferbar). Sogar ein Windschott ist zu haben. Das macht aus dem vierplätzigen Beetle einen Zweisitzer. Auf extremen Bodenwellen rüttelt und schüttelt es mal leicht im Gebälk.

Der Oldie ächzt da schon mehr, hat trotz dickem Hilfsrahmen unter seiner Plattform kräftig die Gicht in den Knochen. Es sei ihm gestattet. Das restaurierte 30-PS-Museumsstück kostete einst 5990 Mark, der heutige Wert liegt gut sechsmal so hoch, also knapp unter 20.000 Euro. Und siehe: Zum gleichen Preis gibt es den Basis-Beetle mit 75 PS: 19.750 Euro.

Fazit und Technische Daten

Der Alte hat Charakter, der Neue Charisma. Mehr Verwandtschaft ist nicht. Und: Gute alte Käfer-Cabrios sind absolut rar. Der Neue dürfte uns diesen Sommer deutlich öfters über den Weg krabbeln. Das erleichtert auch Zweiflern die Kaufentscheidung.

Technische Daten Käfer Kabriolett 1958 • Vierzylinder-Boxermotor im Heck • Hubraum 1192 cm3 • Leistung 22 kW (30 PS) bei 3400/min • maximales Drehmoment 77 Nm bei 2000/min • Hinterradantrieb • Vierganggetriebe • Kurbellenker vorn, Pendelachse hinten, Drehstabfederung • Tankinhalt 40 Liter • Verbrauch acht Liter Normalbenzin • Länge/Breite/Höhe 4070/1540/1500 mm • Reifen 5.60 x 15 diagonal • Leergewicht 810 kg, Gesamt 1160 kg • 0–100 km/h in 38 s • Spitze 112 km/h • Preis 5990 Mark

Technische Daten New Beetle Cabriolet • 4-Zylinder-Reihenmotor • Hubraum 1984 cm3 • Verdichtung 10,3:1 • Leistung 85 kW (115 PS) bei 5400/min • maximales Drehmoment 172 Nm bei 3200/min • Frontantrieb • Fünfganggetriebe • Einzelradaufhängung vorn, Koppellenkerachse hinten • Kofferraum 201 Liter • Tank 55 Liter, Verbrauch 8,8 l Super plus • Länge/Breite/Höhe 4081/1724/1502 mm • Reifen 205/55 R 16 H • Leergewicht 1324 kg • 0–100 km/h in 11,7 s • Spitze 184 km/h • Preis 22.025 Euro

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