Untersuchungen zum Gefahrenpotential der Chemikalie R1234yf

Kältemittel R1234yf: KBA-Testbericht

"Nicht ungefährlich"

Das KBA hat seinen mit Spannung erwarteten Bericht zu Test mit dem Killer-Kältemittel R1234yf vorgelegt. Ergebnis: Das Mittel ist "nicht ungefährlich", weitere Test seien dringend angeraten.
(rtr/dpa/cj) Der Streit über das Kältemittel R1234yf schwelt weiter. Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hält das Mittel zwar für sicher, stuft das Kühlmittel aber dennoch in Extremsituationen als "nicht ungefährlich" ein. Das geht aus einem am Donnerstag (8. August 2013) veröffentlichten Zwischenbericht zu einer im Juni durchgeführten eigenen Testreihe hervor. So sei bei einem überhitzten Motor eine Entflammung nicht auszuschließen. Daher empfahl das KBA der EU weitere Untersuchungen. "Die Verwendung des Kältemittels basiert auf EU-Recht", sagte ein KBA-Sprecher. "Daher ist die EU gefordert, hier Lösungen zu finden."

Kältemittel-Streit: Brüssel will schlichten

Video: Killer-Kältemittel

R1234yf setzt B-Klasse in Brand

Die Brennbarkeit und die Bildung von ätzender Säure in extremen Situationen seien ein "deutlicher Hinweis" auf "eine weitergehende Problematik des Kältemitteleinsatzes von R1234yf", räumte das KBA im Vorabbericht (der Abschlussbericht soll im September folgen) an das Bundesverkehrsministerium und die EU-Kommission ein. Aus gesetzlicher Sicht bestehe jedoch kein Handlungsbedarf. Im Ergebnis hätten sich keine hinreichenden Nachweise einer ernsten Gefahr im Sinne des Produktsicherheitsgesetzes ergeben, heißt es in einer Mitteilung. Die auf dem Markt befindlichen Fahrzeuge müssten daher nicht aus dem Verkehr gezogen werden, erläuterte ein KBA-Sprecher.

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R1234yf: Chronik eines Skandals

September 2007

Der Verband der Autoindustrie (VDA) bestimmt CO2 als Nachfolger des Kältemittels R134a.

Februar 2008

 Die Chemiekonzerne Honeywell und Dupont präsentieren die Fluorchemikalie R1234yf.

2008/2009

Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) simulieren ein Leck in einer R1234yf-Klimaanlage. Es kommt zum Brand, Fluorwasserstoff wird in tödlicher Konzentration nachgewiesen.

September 2009

"Klimakiller Klimaanlage" – AUTO BILD berichtet über Sicherheitsbedenken bei R1234yf. Der VDA will es dennoch auf seine Eignung als Kältemittel prüfen.

Mai 2010

Der VDA entscheidet, dass künftig R1234yf und nicht CO2 das Kältemittel R134a ersetzen soll.

Februar 2011

"Eiskalt abkassiert" – Ein Pkw-Klimaservice mit R1234yf kostet voraussichtlich das Vierfache wie mit R134a.

September 2011

"Das Killer-Kältemittel" – AUTO BILD zeigt die Wirkung des R1234yf-Abbauprodukts Fluorwasserstoff an einem Schweinekopf vom Metzger. Chemieprofessor Andreas Kornath führt den Versuch durch und warnt vor R1234yf.

Oktober 2011

"Verschlusssache Killer-Kältemittel" – Weder VDA noch TÜV erklären sich bereit, ihre Gutachten zu veröffentlichen. Die sollen angeblich die Sicherheit von R1234yf bestätigen.

Januar 2012

 "Baustopp in China – Killer-Kältemittel auf der Kippe". Chinesische Behörden haben die Umweltauflagen für die R1234yf-Fabrik verschärft. Deren Fertigstellung wird sich um mindestens ein Jahr verzögern.

März 2012

 "TÜV-Segen trotz fehlender Tests" – AUTO BILD enthüllt, dass der TÜV Gutachten zur Unbedenklichkeit von R1234yf erstellte, ohne eigene Versuche durchzuführen. Inzwischen gelangt das erste Auto mit R1234yf-Klimaanlage auf den deutschen Markt, der Subaru XV.

April 2012

Die EU verschiebt wegen Lieferschwierigkeiten den Start von R1234yf offiziell auf den 1. Januar 2013. Damit ermöglicht sie der Autoindustrie, Pkw mit R134a weiter legal zuzulassen.

September 2012

Daimler gibt nach eigenen Tests die Abkehr vom Killer-Kältemittel R1234yf bekannt.
Die Behörde hatte in den vergangenen Wochen mit den vier Modellen Mercedes B-Klasse, Opel Mokka, Subaru Impreza und Hyundai i30 Crashtests durchgeführt und dabei auch das Ausströmen des Gases aus der Klimaanlage bei Unfällen simuliert. Anlass dafür waren vor allem Sicherheitsbedenken von Daimler. Der Konzern weigert sich, das seit Jahresbeginn für Mercedes SL, CLA, A-Klasse und B-Klasse vorgeschriebene Kältemittel in die Wagen einzufüllen. Statt dessen nutzen die Schwaben weiter das bisher übliche, aber klimaschädliche Gas R134a. Aus diesem Grund ist zwischen Daimler und Frankreich ein massiver Rechtsstreit um Zulassungsbestimmungen entbrannt. Der Autobauer sieht sich durch das Ergebnis in seiner Einschätzung bestätigt: "Nach Vorliegen der aktuellen Testergebnisse lässt sich ein Sicherheitsrisiko durch den Einsatz von R1234yf nicht ausschließen". 

Lesen Sie auch: R1234yf vor dem Aus

Im Vorfeld waren Zweifel an der Genauigkeit der KBA-Tests laut geworden. Zudem gab es Kritik daran, dass mit der Durchführung der TÜV Rheinland beauftragt wurde. Die Prüforganisation hatte bereits im Vorfeld dem Mittel R1234yf die Unbedenklichkeit bescheinigt.

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Killer-Kältemittel

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