Kältemittel-Zoff in Frankreich

— 05.07.2013

Mercedes ohne Zulassung

Frankreich verweigert einigen Mercedes-Neuwagen die Zulassung. In den Autos schwappt das nach EU-Vorschriften unzulässige Kältemittel R134a.



(rtr) Daimler muss im Streit über das Killer-Kältemittel R1234yf für Klimaanlagen einen herben Rückschlag hinnehmen. In Frankreich erhielten einige Neuwagen von Mercedes derzeit von den Behörden keine Zulassung für den Straßenverkehr, sagte ein Daimler-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Dies betreffe Modelle, die nach dem 12. Juni 2013 vom Band gerollt seien. Die französischen Behörden hätten die jüngste vom deutschen Kraftfahrt-Bundesamt erteilte erweiterte Typgenehmigung für Fahrzeuge der A-, B- und SL-Klasse noch nicht anerkannt. Im Regelfall sei das ein automatischer Prozess.

Killer-Kältemittel: Daimler weiter ohne R1234yf

"Wir können uns nicht erklären, warum die Registrierung in Frankreich noch nicht vorgenommen wurde", sagte der Daimler-Sprecher. Faktisch bekommen die betroffenen Neuwagen damit in Frankreich kein Nummernschild beziehungsweise keine Zulassungserlaubnis mehr, was deren Besitzer auf die Palme bringen dürfte. Bei den französischen Behörden war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Ein mit dem Vorgang vertrauter hochrangiger EU-Beamter erläuterte, Frankreich habe die Zulassung einiger Mercedes-Modelle eingestellt, da die Klimaanlagen mit einem nach EU-Vorschriften unzulässigen Kühlmittel ausgerüstet seien. Das französische Transportministerium habe die EU-Kommission über ihr Vorgehen in dieser Woche informiert, sagte der Insider. Über Einzelheiten solle beim nächsten Treffen des Automobil-Ausschusses des EU Mitte Juli 2013 beraten werden.

Mercedes S-Klasse 2013: W222 kommt ohne R1234yf

EU-Vorschriften verlangen für Fahrzeuge mit einer nach 2011 erteilten Typgenehmigung ein weniger klimaschädliches Kältemittel, in Kraft ist die Richtlinie seit Anfang 2013. Diese Richtlinie erfüllt derzeit einzig das Kältemittel R1234yf. Daimler weigert sich jedoch, dieses von den US-Konzernen Dupont und Honeywell entwickelte Gas in die Klimaanlagen einzufüllen: Das Gas sei bei Unfällen und Leckagen des Klimasystems zu gefährlich, da es sich im heißen Motorraum entzünde und dann ätzende Säure freisetze. Daimler rüstet daher seine komplette Fahrzeugflotte wie gewohnt mit dem klimaschädlichen Kältemittel R134a aus, obwohl dieses Gas seit Jahresbeginn in einigen Mercedes-Modellen – jenen mit einer nach 2011 erteilten Typgenehmigung – tabu ist. Dies betrifft die A- und B-Klasse sowie den Mercedes SL.

Killer-Kältemittel R1234yf: TÜV Rheinland testet

In den Vorgängermodellen der Baureihen war auf Grundlage der früher erteilten Typgenehmigungen die Nutzung des Kühlmittels R134a erlaubt. Daher ersuchte Daimler das Kraftfahrt-Bundesamt, diese vor 2011 erteilten Genehmigungen auf die neuen Modelle zu erweitern und fortzuschreiben, wofür die Flensburger Behörde zuletzt grünes Licht gab. Auch andere Hersteller wie etwa VW haben solche Schlupflöcher genutzt, um die Autoklimaanlagen weiterhin mit dem Mittel R134a befüllen zu können. Das Gas trägt deutlich stärker zur Klimaerwärmung bei als das alternative Mittel R1234yf, endgültig verbannt werden aus den Autoklimaanlagen soll es erst 2017.

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