Kärntner Schneerallye 2009, Teil 1

Kärntner Schneerallye, Teil 1 Kärntner Schneerallye, Teil 1

Kärntner Schneerallye 2009, Teil 2

— 16.02.2009

Schneegestöber

Es gibt sie noch: Geländefahrer, die eine Heizung für entbehrlich halten. Hier treffen sich kernige Mannsbilder mit viel technischer Bildung. In Kärnten sind sie alljährlich zu bewundern in ihren Haflingern und Pinzgauern.

Der Kärntner Motor Veteranen Club – recht groß mit 440 Mitgliedern – richtet die Schneerallye bereits zum 32. Mal (!) aus. Seit die Bezirksverwaltung nach einem Unfall genau hinschaut, verzichten die Kärtner Klassikerfahrer auf jede Zeitnahme. Für Wettbewerbscharakter sorgen nur anspruchsvolle Strecken und humorige "Sonderprüfungen" wie das Blind-Ertasten von Maulschlüssel- größen. Die hier eingesetzten Haflinger sind meist technisch top, aber nicht im Showzustand. Es soll Haflinger-Eigner geben, deren Auto zu schade ist fürs Gelände, aber zu langsam für die regulären Oldtimertreffen. Merke: Man kann sich auch ins Abseits restaurieren. Der Menschentyp, der hier anzutreffen ist: kernige Mannsbilder, aber mit technischer Bildung – und viel Distanz zu modernen SUV mit elektronischen Fahrhilfen.

"Österreichischer Patriotismus" hilft die Kosten zu ertragen

Pawel Grabski (rechts) und seine harten Jungs aus Polen.

Da wäre etwa der Grazer Pinzgauer-Fahrer Norbert Jauk (50, Chef eines Konstruktionsbüros), dessen Dreiachs-Pinzgauer dem Ideal des perfekten Geländegängers nahe kommt: Portal-Pendelachsen wie beim Haflinger, aber alles zwei Nummern größer. Wobei der 87 PS starke 2,5-Liter-Vierzylinder nicht im Heck sitzt wie beim Haflinger, sondern zwischen den Insassen. Denen dröhnt er ordentlich die Ohren voll in diesem verkleidungsfreien Metallbaukasten. "Wer sowohl einen Haflinger als auch einen Pinzgauer besitzt, fährt meist Letzteren", weiß der Grazer. Was am Vorhandensein einer (mäßig wirkungsvollen) Heizung liegen dürfte. Ersatzteile gibt es bei Mercedes-Niederlassungen, wobei die Preise "gefühlt beim Zehnfachen der Mercedes-Ersatzteilpreise" liegen. Ja, ein "bisschen österreichischer Patriotismus" helfe ungemein, die Kosten zu ertragen, sagt Norbert. Noch eine Bestätigung einer alten Erkenntnis: Ausgediente Militärfahrzeuge sind nichts für arme Leute. Auch wenn man einen fahrbaren Pinzi bereits für 9000 bis 15.000 Euro bekommt.

Alle mal herhören: Organisator Rudolf Schranz vom Kärntner Motor Veteranen Club in Aktion.

Gnade vor den Augen der Puch-Fans findet vor allem der 1975er Volvo Lappländer C 303 des deutschen Teams Uli Kukuk (44) und Markus Koebler (42). Der große Lappländer hat noch mehr Bodenfreiheit als der Pinzi – 380 mm – und die Grundfläche eines Golf. "Vor der komplexen Pinzgauer-Technik habe ich Respekt", sagt Uli, während er den Volvo durch den Hohlweg manövriert. "Ich wollte lieber etwas Schlichtes." Der Lappländer ist fahrwerkstechnisch viel einfacher gestrickt als der Pinzgauer: Starrachsen an Blattfedern. Uli schaltet virtuos an den Hydraulikschaltern der Sperren herum, untermalt vom vornehmen Klang eines Reihensechszylinders. Letzterer ist kein Zufall: Der Dreiliter-Benziner stammt aus dem Volvo 164, der damaligen Top-Limousine. "Wie ein Rolls-Royce", sagt einer der Pinzgauer-Fahrer anerkennend.  Die beiden Reutlinger verdienen ihr Geld in der EDV-Branche, das handfeste Hobby ist Ausgleich.

Und dafür steht man auch mal gern mal um 5.30 Uhr auf, um abends im abgelegenen Kärnten anzukommen. Die anerkannt Härtesten aber sind die sechs jungen Posener, die auf den Truppentransporter- Längsbänken ihres Pinzgauer 950 Kilometer Anfahrt ertragen haben – in einem Auto mit 95 km/h Topspeed und lautem, kältedurchlässigen Verdeck. Wer hier derbe Wodkatrinker vermutet, liegt ganz falsch: Fahrer Pawel und sein Kumpel Maciej (24) sprechen ein beeindruckend gutes Deutsch. Letzterer ist angehender Jurist, die andern sind Ingenieure.

Autor: Rolf Klein

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