Versuchsstrecke mit Rüttelstreifen an der A24 Berlin-Hamburg.

Kampf dem Sekundenschlaf

— 21.01.2009

Aufrüttelnder Erfolg

Rüttelstreifen am Fahrbahnrand sollen Autofahrer, die durch Übermüdung die Lenkung verreißen, aufschrecken. Mit einem Großversuch auf der A24 wurde über drei Jahre getestet, ob sich die Einrichtung lohnt. Das Ergebnis war verblüffend.

Auf der A24 zwischen Hamburg und Berlin können Autofahrer bereits ein Liedchen von ihm singen: vom Rüttelstreifen, der über 35 Kilometer hinter der Seitenlinie verläuft. Zumeist macht man mit ihm Bekanntschaft, wenn man sich aus Unaufmerksamkeit versteuert hat, dann klingt das unangenehme, rhythmische Dröhnen im Ohr ein bisschen wie das schlechte Fahrlehrer-Gewissen. Wie vielen der Rüttelstreifen schon das Leben rettete, nachdem sie im Sekundenschlaf versanken und über die Fahrbahnbegrenzung hinauszogen – die Bundesanstalt für das Straßenwesen (BASt) kann das auch nur schätzen. Von 2000 bis 2006 wurde das Unfallgeschehen entlang der Teststrecke analysiert, davon seit 2003 mit Rüttelstreifen. Das Ergebnis begeistert: Die kleinen Quadrate, 13 Millimeter tief in den Asphalt gefräst, verhinderten rund 43 Prozent aller Unfälle, die durch Abkommen von der Fahrbahn verursacht werden. Unfälle mit Getöteten und Schwerverletzten gingen im Vergleichszeitraum um 15 Prozent zurück.

"Vielfaches an Nutzen"

Eine Fräse schneidet die 13 Millimeter tiefen Kästchen für den Rüttelstreifen in den Asphalt.

Erfreulich vor allem, dass dieses Plus an Verkehrssicherheit zu einem verhältnismäßig niedrigen Preis erkauft wird: Den Rüttelstreifen anzulegen bedurfte der Investition von 170.000 Euro – die Kosten, die seine Installation verhinderte, betragen hochgerechnet etwa 690.000 Euro, bezogen allein auf die Personenschäden. "Schon nach kurzer Zeit steht den Aufwendungen ein Vielfaches an Nutzen gegenüber", fasst die BASt zufrieden zusammen. Besonders deutlich wird das Resultat bei Verkehrsunfällen durch Abkommen von der Fahrbahn, die in der Statistik unter dem Oberbegriff "andere Fehler" zusammen gefasst werden: Hier lag die Verbesserung bei 35 Prozent. "Andere Fehler" ist allzuoft nur eine elegante Umschreibung für Unaufmerksamkeit des Fahrers.

Die Einkerbungen sind auch in einem Vierzigtonner gut wahrnehmbar

Reklame-Schild: Von 2003 bis 2006 fand der Rüttelstreifen-Großversuch auf der A24 statt.

Wie viele Unfälle durch Übermüdung der Rüttelstreifen verhindert, ist wie schon erwähnt schwierig nachweisbar. Oft kann aufgrund des Fehlens einer Bremsspur oder scheinbar unerklärlichen Auffahrens auf den Vordermann lediglich angenommen werden, dass Sekundenschlaf den Crash verursachte. Besonders gefährdet sind dabei Lkw-Fahrer, da sie lange Zeit am Steuer und bei Tag ebenso wie bei Nacht unterwegs sind. Die BASt hebt hervor, dass die 13 Millimeter tiefen Einkerbungen auch in der Fahrerkabine eines Vierzigtonners gut wahrnehmbar seien. Entsprechend fiel das Ergebnis aus: Die Zahl der Unfälle konnte bei Lastern sogar um 40 Prozent gesenkt werden. Die BASt empfiehlt aufgrund der ermittelten Ergebnisse, alle deutschen Autobahnen mit Rüttelstreifen auszustatten. Auch gegenüber den herkömmlichen Rubbelstreifen haben sie einen entscheidenden Vorteil: Sie nutzen sich nicht so schnell ab.

Autor: Roland Wildberg

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