Karabag 500E im Dauertest — 03.12.2010

Zwischen Frust und Faszination

Alltagstest statt Zukunftsmusik: Wir waren einen Monat mit einem Elektroauto unterwegs, das zum Umdenken zwingt. Der Karabag 500E lieferte gleichermaßen Frust und Faszination

Umdenken ist gefragt: Eine Fahrt von wenig mehr als 100 Kilometern ist mit einem herkömmlich angetriebenen Auto kein Problem – im Elektroauto wird sie zur Mutprobe. Noch acht, sieben, sechs, fünf – und Schluss. Am Ende haben AUTO BILD-Redakteur Michael Voß fünf Kilometer gefehlt. Nach 110 Kilometern rollt er mit dem Karabag 500E am Straßenrand aus. Nichts geht mehr. Den Praxistest hat das kleine Elektroauto zumindest an diesem Tag nicht bestanden. Dabei war der umgebaute Fiat 500 Anfang November ambitioniert zu dem vierwöchigen Alltagstest gestartet. Statt mit der x-ten Studie auf abgesperrter Teststrecke einige Kilometer zu fahren, wollte AUTO BILD der Zukunftstechnik täglich auf dem Weg zur Arbeit, zum Bäcker und Kindergarten auf den Zahn fühlen.

Zum Nachlesen: Der Elektro-Dauertest-Blog von AUTO BILD

Erste Erkenntnis: Elektroautos sind teuer. Extrem teuer. Der ohne Klimaanlage oder andere Komfortausstattung angelieferte Testwagen kostet so viel wie eine Mercedes E-Klasse. Knapp 60.000 Euro werden für den elektrifizierten Kleinwagen aufgerufen. Das leisten sich vielleicht Firmen als ökologisches Feigenblatt, aber wohl nur wenige private Käufer. Hier würde auch der häufig geforderte staatliche E-Auto-Zuschuss verpuffen.

Dauertest: Die Zukunft auf dem Prüfstand

Immerhin fordert der Karabag im täglichen Umgang kein Umdenken. "Einsteigen, Zündschlüssel drehen, Gas geben – und er fährt los", schreibt Kollege Henning Rucks nach der ersten Fahrt im Karabag. Alltagstauglich ist auch das Format des E-Autos: Es bietet – anders als Mini E und Smart ed – Platz für vier Personen und Gepäck. Doch es gibt auch Probleme: Die Anfahrschwäche des 500E stört. Bereits beim Anfahren an leichten Steigungen kommt der Elektro-Fiat kaum noch vom Fleck. "Im Vergleich zu anderen Elektromobilen wirkt der Karabag lahm", so Reporter Claudius Maintz. Die Reichweite bereitet weniger Sorgen als vor dem Alltagstest gedacht. Selten kam der 500E mit weniger als 20 Prozent Akkukapazität wieder auf den Hof. "Allerdings habe ich mich bei jeder Fahrt – mit Blick auf die Akkukapazität – gefragt, ob dieser Weg tatsächlich sein muss", sagt Redakteur Hauke Schrieber. Das Problem: Der Karabag lässt sich nur an einer Drehstrom-Steckdose aufladen. Und die hat kaum jemand zu Hause.

Alle Marken, alle Modelle

Trotz der Kritik: Alle Nutzer waren von der technischen Reife des Karabag überzeugt. Kein einziger Ausfall, der E-Fiat hat jeden Tag brav seinen Dienst versehen. Beachtlich, schließlich ist der 500E kein mit zig Millionen Euro aufgebauter Versuchsträger eines großen Herstellers, sondern ein mit viel Idealismus produzierter Serien-Stromer eines Hamburger Mittelständlers. Idealismus braucht allerdings auch der Käufer des Karabag. Denn nach dem Kaufpreis-Schock ernüchtert der Kleinwagen mit seinen Unterhaltskosten. Unser Testverbrauch von 19,1 kWh pro 100 Kilometer geht angesichts vieler Autobahnfahrten in Ordnung. Der Strom dafür kostet 4,58 Euro. Dafür gibt es nur knapp vier Liter Diesel. Rechnet man den Wertverlust (siehe Restwert in der ersten Tabelle unten) mit ein, wird es unverschämt: Jeder Kilometer kostet 1,52 Euro. Dafür ließe sich auch Mercedes S-Klasse fahren. Umdenken ist gefragt.
Vergleich Karabag 500E/Fiat 500 1.2
Kosten Karabag 500E Fiat 500 1.2
Grundpreis 58.683 Euro 11.300 Euro
Steuer 0 Euro * 78 Euro
Haftpflicht 1890 Euro 1890 Euro
Vollkasko 2310 Euro 2310 Euro
Wartung 1260 Euro 300 Euro
Strom-/Kraftstoffkosten ** 1374 Euro 2604 Euro
Restwert *** 19952 Euro 7232 Euro
Gesamtkosten für 3 Jahre nach 30.000 Kilometern 45.565 Euro 11.250 Euro
Kosten pro km 1,52 Euro 0,38 Euro
* = steuerbefreit für fünf Jahre; ** = 0,24 Euro pro kWh, 1,40 Euro pro Liter Super; *** = ermittelt von EurotaxSchwacke
Fahrzeugdaten Karabag 500E
Motor Bauart/Einbaulage Permanent-Asynchronmotor, vorn quer
max. kW (PS) bei U/min 30 (41)/2500-5000
Nm bei U/min 100/0-2000
Höchstgeschwindigkeit 110 km/h
Getriebe einstufiges Getrieber
Antrieb Vorderradantrieb
Radgröße 5,5 x 14"
Batterietyp Lithium-Polymer
Kapazität 22 kWh
Gewicht der Batterie 150 kg
Zellenanzahl 60
Testverbrauch - CO2 19,1 kWh - 110 g/km *
Reichweite 130 km
* = Emissionswert bei der Stromerzeugung, Grundlage deutscher Strommix 575 g/kWh
Kosten/Garantien Karabag 500E
Abgasnorm keine
Steuer pro Jahr 0 Euro *
Typklasse HPF/VK/TK 13/16/17
Werkstattintervalle 8000 km/1 Jahr
Kosten Inspektion ca. 420 Euro
Garantie/Gewährleistung Garantie
Technik/km-Begrenzung 2 Jahre/ohne
Grundpreis 58.683 Euro
* = steuerbefreit für fünf Jahre

Stefan Voswinkel

Fazit

Seinen Alltagstest hat der 500E bestanden. Die Reichweite ist ausreichend, der Verbrauch in Ordnung, technische Defekte gab es nicht. Problematisch ist nur das hohe Preisniveau. Anschaffung und Wertverlust sprengen jeden Rahmen. Ändert sich hier nichts, fährt das Auto am Geldbeutel der Käufer vorbei.

Social Media

Artikel bewerten

Bewerte diesen Artikel

Fremde Bewertungen

Mehr zum Thema

6,0 Sterne, 21 Bewertungen

Citroën C5 Tourer im Dauertest

Der folgt seiner eigenen Linie

Citroën steht traditionell für französische Extravaganz, Finesse und die gute Hydropneumatik – aber bislang nicht für Zuverlässigkeit. Mit dem C5 sollte alles anders werden. Hat das geklappt?

Dauertest: Citroën C5
4,0 Sterne, 2 Bewertungen

Dauertest BMW X1 xDrive 18d

100.000 Kilometer im Bayern-SUV

Der X1 schaffte souverän die 100.000 Kilometer und überzeugte mit hoher Zuverlässigkeit. Also alles im grünen Bereich? Nicht ganz: Beim Bremsen auf nasser Straße hat der BMW ein Problem.

BMW X1 im Dauertest
2,0 Sterne, 8 Bewertungen

Dauertest Audi A4 Avant 2.0 TDI Ambition

Da knirscht es im Getriebe

Eigentlich ein(e) Traum-Kombi: A4 Avant mit Diesel und Automatik. Letztere arbeitete zwar stufenlos, im Duett mit der Antriebswelle aber leider nicht geräuschlos.

Dauertest A4 Avant

Kommentare zum Artikel (1)

Erstellt

Inhalt

Funktion

Der Golf 3 Citystromer fahrer
21.12.2010, 11:47Uhr

In der Herderstraße wo sich das Waschcenter, der Lampenladen und der Orientteppichhändler befinden, gibt es aber weit und breit keine Ladestation.
Und vor dem Waschcenter wie auf dem Foto schon gar nicht.

Seite 1

Kommentar verfassen

Hinweis: Die mit einem Sternchen* versehenden Felder sind Pflichtfelder
Anzeige

Versicherungsvergleich

Vergleichen Sie kostenlos über 180 kfz-Tarife und sparen Sie bis zu 500 Euro!

Neuwagen

Porsche 911

Neuwagen deutlich
unter Listenpreis

Porsche 911 Neuwagen-Angebote

Gebrauchtwagen

Günstige Gebrauchtwagen-Angebote

Finden Sie Ihren Gebrauchtwagen.

Gebrauchtwagen-Angebote
Anzeige