Kart-Unterricht bei Bernd Schneider

Fahrstunde beim Champion Fahrstunde beim Champion

Kart-Unterricht bei Bernd Schneider

— 06.08.2002

Fahrstunde beim Champion

Volontärin Katrin Wolff wagte sich für AUTO BILD motorsport ins Rennen – im Kart. Perfekt belehrt von DTM-Titelverteidiger Bernd Schneider. Sie verlor. Und gewann dennoch.

Erst mal langsaaaaam ...

Als Anführer der Kart-Armada stehe ich vorn in der Boxenausfahrt. "Lass das Dingen bloß nicht ausgehen! Hoffentlich schaffst du es um die erste Ecke!" In meinem Kopf rasen die Schreckensgedanken längst um die Wette. Plötzlich steht DTM-Champion Bernd Schneider neben meinem 11-PS-Geschoss. Der große Mann des Tourenwagensports ist mein prominenter Fahrlehrer. Hier in Walldorf, beim Mercedes-Warm-up für den deutschen Grand Prix der Formel 1. Drei Tage vorm Hockenheim-Rennen müssen die DTM-Piloten der Sternmarke die PR-Maschine und nicht ihre Rennmaschinen hochdrehen.

"Na, nervös?", fragt der silberne Riese, der rechts von mir aufragt. Ich nicke und bringe ein gequältes Lächeln unterm Helm hervor. "Das brauchst du nicht, die anderen können auch nicht mehr als fahren", macht mir Schneider grinsend Mut. Der gute Bernd weiß offenbar nicht nur, wie man(n) gekonnt mit Autos umgeht. Na denn los aufs 681 Meter lange Asphaltparkett.

Erst mal langsaaaaam. Bloß die Ideallinie halten, die mir der DTM-Profi vorher gezeigt hat. Ich konzentriere mich auf die blau-weißen Randsteine. "Wenn du die immer leicht anfährst, hast du eine gute Linie. Aber nicht zu sehr drüberkacheln, sonst rutschst du", hat mir Fahrlehrer Schneider eingebläut. Offenbar nicht genug. Ein Platz in der vorletzten Startreihe, das hatte ich mir ganz anders vorgestellt ... Schlimmer kann's nicht werden. Kann es doch: Beim Start zum Rennen gegen meine Journalisten-Kollegen zu zaghaft aufs Gaspedal getreten, schon gehört die erste Kurve mir allein – ich bin weit abgeschlagen Letzte. Wie ein nervöser Hummelschwarm sausen die anderen davon. Jetzt hilft nur noch Vollgas, Vollgas, Vollgas.

Grau ist alle (Rennfahr-)Theorie

Die Bäume fliegen an mir vorbei. Einen Meter nebenan lauert die Mauer. Am Start-Ziel-Häuschen erkenne ich bei gut Tempo 100 den gekritzelten Namen Senna. Dann: drei Konkurrenten vor mir quer. Ich reiße das Lenkrad rum, fliege über die Kerbs. Mein Heck schlingert, doch ich komme vorbei. "Hey, das hast du gut gemacht", lobe ich mich, überrascht von meiner blitzschnellen Schumi-Reaktion. Und ein paar Plätze habe ich auch noch gewonnen. Doch die Gegner sitzen mir fix wieder im Nacken.

Kennen Sie das Gefühl? Sie geben alles, sind knapp am Limit, und dann kommen ein paar Herrschaften und überholen Sie locker vom Hocker. "Nee, Freunde, jetzt will ich es wissen!" Die nächste Doppelrechts bleibe ich voll auf dem Gas. Außen an die Randsteine, nach innen ziehen und wieder rüber zur Pistenbegrenzung. Als Nächstes die Haarnadel: Bremse und wieder Gas. Zu viel! Dreher. Mein Herz hämmert bis unter die Helmschale. Dabei habe ich alles so gemacht, wie Fahrlehrer Bernd es vorher erklärt hat: "Die Haarnadel von ganz außen anfahren. Wenn du im Kurvenscheitelpunkt bist, hast du maximalen Lenkradeinschlag. Automatisch wirst du dann raus zum Kurvenausgang getragen." Jaja, grau ist alle (Rennfahr-)Theorie.

De-Briefing nach dem Rennen mit Lehrmeister Schneider. "Normal fährt man hier alles voll, außer der Haarnadel", erklärt er uns gnadenlos. Meine Kinnlade antwortet mit freiem Fall. Okay, Bernd Schneider ist ein Autofahrer anderer Dimension. Vor 22 Jahren war der 38-jährige Saarländer schon Deutscher Kartmeister. Mich hat der Mut nach dem ersten Dreher verlassen. "Das ist gut, denn die Helden liegen schon auf dem Friedhof", philosophiert der Mercedes-DTM-Pilot. Im Hinterkopf meldet sich mein Streckenposten: "Schreiber, bleib bei deinen Tasten!"

Einstieg in den Kartsport

Wer im Motorsport Karriere machen will, für den führt am Kartsport kein Weg vorbei. Schon für Schumi & Co waren die flachen Rohrrahmen-Renner die perfekte Schule. Nirgendwo lässt sich schon in jungen Jahren ähnlich viel Fahrerfahrung sammeln wie am Steuer eines Karts. Für ein Taschengeld können Kinder und Jugendliche ab acht Jahre im Kart-Slalom auf gestellten Fahrzeugen ihre Geschicklichkeit testen. Wer Interesse an diesem kostengünstigen Einstieg hat, wendet sich an die Ortsclubs der einzelnen Motorsportverbände. Deutlich teurer ist der Kartsport auf der Rundstrecke (Alter: ab acht Jahre). Neben einem eigenen Kart benötigt man meist mehrere Motoren, ständig neue Reifen und geeignetes Werkzeug. Für die ersten Schritte reicht meist ein gebrauchtes Kart (ab ca. 1500 Euro). Eine Saison in der Europa- oder Weltmeisterschaft ist kaum günstiger als im Formel-Sport (bis zu 65.000 Euro).

Die wichtigsten Adressen für Kart-EinsteigerADAC, Am Westpark 8, 81371 München, Tel. 089-74309-0, www.adac-motorsport.de • ADMV, Köpenicker Straße 325, 12555 Berlin, Tel. 030-65762930, www.admv.de • AvD, Lyoner Straße 16, 60528 Frankfurt, Tel. 069-6606-0, www.avd.de • DMSB, Hahnstraße 70, 60528 Frankfurt, Tel. 069-633007-0, www.dmsb.de • DMV, Otto-Fleck-Schneise 12, 60528 Frankfurt, Tel. 069-695002-0, www.dmv-motorsport.de • KRC, Postfach 3055, 07490 Gera, Tel. 0365-48803200 www.odkm.de

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