Kaufberatung

Die große Abrechnung Die große Abrechnung

Kaufberatung

— 07.10.2003

Die große Abrechnung

Benziner oder Diesel? AUTO BILD hat sieben Paarungen durchgerechnet.

Das ewige Thema: Diesel contra Benziner

Es gab Zeiten, da haben sich Dieselfahrer förmlich entschuldigt. Beim Nachbarn zum Beispiel oder bei Freunden am Stammtisch. Wegen des lauten morgendlichen Kaltstarts, wegen der schwarzen Rußwolken, wegen der lahmen Motorleistung und wegen des höheren Kaufpreises. Und immer verbunden mit einem "Ja, aber denkt an die geringeren Unterhaltskosten, vor allem an den günstigeren Spritpreis. Das fahr ich ruck, zuck wieder rein". Wirklich?

Das Thema Diesel contra Benziner hat nichts von seiner Brisanz verloren. Im Gegenteil, die modernen Sparer werden immer beliebter: Schon knapp 40 Prozent aller Neuwagen werden bei uns mit Selbstzünder bestellt. Noch vor fünf Jahren waren es gerade mal 20 Prozent. Die Gründe für die Erfolgsstory sind klar: niedrigerer Verbrauch bei günstigerem Spritpreis. Zur Edelsorte Super plus (Shell V-Power mit 100 Oktan) kann der Unterschied bis zu 38 Cent pro Liter betragen.

Und noch eins: Die Flegeljahre des Diesels sind vorbei, die schlechten Angewohnheiten gänzlich durch den Auspuff gejagt. Sie sind fast so leise und komfortabel wie Benziner, kennen kein Vorglühen mehr, liefern wesentlich mehr Drehmoment als hubraumgleiche Ottomotoren und machen daher meist auch noch mehr Spaß. Je nach Klasse überschreiten sie locker die 200-km/h-Grenze, und der Tankinhalt reicht leicht von Flensburg bis München. Manchmal kosten Diesel nicht einmal mehr als vergleichbare Benzinmodelle. In Einzelfällen sind sie sogar günstiger, wie in unserem Beispiel bei der Mercedes-Benz E-Klasse.

Diesel wird 2004 zum Saubermann

Momentan erregt nur das Thema Rußpartikel die grünen Gemüter. Doch auch hier werden den Gegnern, die den Diesel pauschal als Dreckschleuder abstempeln, bald die Argumente ausgehen. Spätestens dann, wenn der Dieselmotor sowohl die strenge Abgasnorm Euro 4 erfüllt als auch mit Partikelfilter fährt. Nächstes Jahr wird dies bei den meisten Herstellern der Fall sein.

Unabhängig von den persönlichen Vorlieben, es ist immer wieder die gleiche Milchmädchenrechnung: Ab wie viel Jahreskilometern lohnt denn nun der Selbstzünder? Wir haben dafür sieben Benziner-/Diesel-Paarungen aus unterschiedlichen Klassen getestet und durchgerechnet. Als Basis dienten uns folgende Werte: Dieselpreis 0,83 Euro/Liter, Normalbenzin 1,06 Euro, Super 1,08 und Super plus 1,12 Euro/Liter. Bei der Kfz-Steuer werden Dieselmotoren nach Euro-3-Norm momentan mit 13,80 Euro je 100 Kubikzentimeter Hubraum besteuert. Das ist fast dreimal so viel wie für Benzinaggregate (5,11 Euro). Wer bereits Euro 4 im Brief stehen hat (Gesetz für Neuwagen ab 1.1.2005), egal ob Benziner oder Diesel, kann mit einer Steuerersparnis von bis zu 307 bzw. 614 Euro rechnen. Haftpflicht und Vollkasko haben wir mit 100 Prozent Beitragssatz angesetzt, den Tarif auf die Region Berlin festgelegt. Wer diese Werte ganz individuell für sich nachrechnen möchte, muss seine auf ihn zugeschnittenen Versicherungstarife eintragen.

Die Öl- und Wartungskosten sind für eine durchschnittliche Laufleistung von 15.000 Kilometern pro Jahr zugrunde gelegt. Die angenommene Laufzeit beträgt vier Jahre. Hierauf wurde auch der Wertverlust angesetzt. Den haben wieder die Profis von Bähr & Fess für uns ermittelt, die aufgrund ihrer umfangreichen Erfassung des Dienst- und Gebrauchtwagenmarkts über genaueste Daten verfügen und entsprechende Langzeitprognosen abgeben können. Wie die Test-Kandidaten im Einzelnen abgeschnitten haben, lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Nissan Micra

Riskiert man nun beim Tanken ein wenig Dieselgestank an den Händen oder nicht? Gerade dieser Schuss ungewolltes Parfüm kann besonders Frauen sofort von der Dieselversion des Micra abschrecken. Sie bilden den größten Käuferanteil des kleinen Japaners. Dabei spricht sogar einiges für den Selbstzünder. Er arbeitet recht leise und kultiviert, ist mit dem Micra nicht langsamer als der Benziner, und bei jedem Tanken freut man sich, schon wieder den persönlichen Sparrekord unterboten zu haben.

Der 1.5 dCi, eingekauft beim Partner Renault, kommt bei leichtem Gasfuß auch mit weniger als fünf Litern aus. Nachteil: Der Vorderwagen fühlt sich mit dem schweren Diesel behäbiger an, der Micra verliert seine Leichtfüßigkeit. Auch deshalb bleibt der 1,2-Liter-Benziner mit seinen 65 PS die bessere Wahl. Flott, handlich und unterm Strich einfach günstiger. Darum das AUTO BILD-Urteil: Benziner wählen. Schon weil weit über 30.000 Kilometer pro Jahr in dieser Fahrzeugklasse völlig unüblich sind.

Citroën Berlingo

Bei einem Transport-Talent wie dem Berlingo kann man eigentlich nur Diesel wählen, oder? Zumal der freche Franzose mit dem riesigen Kastenheck perfekt mit dem 2,0-Liter-Common-Rail harmoniert. Nicht zu laut, dafür aber mit kräftigem Durchzug schon knapp unter 2000 Touren und herrlich sparsam. Ja, das ist der Stoff, aus dem die Helden des Alltags sind. Wen stört da die Tatsache, dass der Benziner 1.6 16V mit seinen 19 Mehr-PS schneller aus den Startblöcken kommt, insgesamt kultivierter läuft und beim Tanken keinen Dieselgestank verbreitet?

Spätestens beim Zwischenspurt zeigt der 2.0 HDi dem Benziner, wo der Hammer hängt. Während der Einssechser lüstern nach Drehzahlen giert und sein Fahrer einmal öfter nach dem Schalthebel fingert, zieht der Dieselpilot im fünften Gang fröhlich grinsend vorbei. Wissend, dass Kollege Otto bei fast 1,5 Liter Mehrverbrauch auch noch öfter zum Nachtanken an die Box muss. AUTO BILD empfiehlt Auf jeden Fall den kraftvoll knausernden Diesel nehmen. Einziges Problem: Er rechnet sich erst ab 30.000 Kilometern im Jahr.

Audi A3

Zu Beginn wird es heftig: Die A3 stehen mit 22.100 Euro (FSI) und sogar 22.500 Euro (TDI) in der Liste. Und wir reden hier von Kompaktautos. Dafür gibt es dann aber auch noble Einrichtungen, erstklassige Fahreigenschaften und zwei bemerkenswerte Motoren, beide mit Direkteinspritzung. Der Zweiliter-FSI-Benziner steht mit seinen 150 PS gut im Futter, ein temperamentvoller, drehfreudiger und laufruhiger Motor. Im Test-Durchschnitt verbrauchte er 8,5 Liter vom teuren Super plus.

Bestimmt nicht zu viel, aber der Diesel kann das natürlich besser: Der Zweiliter-TDI begnügte sich mit 6,4 Litern. Für den 140-PS-Motor spricht dann noch sein Durchzug, dieser unglaubliche Antritt aus niedrigen Drehzahlen. Beim Spurt ist er nicht viel langsamer als der FSI, allerdings erreicht er dessen Laufkultur nicht: Er hat einen näselnden Grundton und wird bei hohen Drehzahlen recht dröhnig. AUTO BILD-Urteil: Beide Motoren machen richtig Spaß, haben erstklassige Fahrleistungen. Angesichts der moderaten Jahreslaufleistung, ab der sich der Diesel lohnt, heißt der Sieger TDI.

VW Touran

Junge Familien müssen praktisch und wirtschaftlich denken, besonders beim Thema Auto. Fällt die Kaufentscheidung auf den VW Touran, gilt es, die Unterhaltskosten gering zu halten. Also spricht zunächst alles für den TDI, der schon bei 9936 Kilometer Jahresfahrleistung in die Gewinnzone fährt. Allerdings mit einigen Komfortnachteilen: Niedrige Drehzahlen mag er nicht, braucht mindestens 1500 /min, um spürbar zu beschleunigen. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 177 km/h liegt er deutlich hinter dem Benziner (186 km/h). Lediglich in der Elastizität hängt er den FSI – ebenso deutlich – ab.

Dieser offenbart seine Stärken jedoch in der Laufruhe, kann schaltfaul auch untertourig (ab 1300/min) gefahren werden. Schmerzlich ist die Erfahrung nur an der Tankstelle. Der Benzin-Direkteinspritzer verlangt nach dem teuren Super plus, dass 38 Cent pro Liter mehr kostet als Diesel. Dennoch, das AUTO BILD-Urteil lautet: Wer nicht mehr als 10.000 Kilometer im Jahr unterwegs ist, fährt komfortabler mit dem FSI. Allerdings ändert sich das Szenario, sobald VW dem Touran endlich den 115-PS-Diesel spendiert (kommt 2004).

BMW 3er

Unfair!, werden manche protestieren. Zum Benziner 318i müsste ja eigentlich der 318d gestellt werden. Dann sieht die Rechnung für den Diesel schon viel besser aus, weil er günstiger in der Anschaffung ist und sogar den 318i um 250 Euro unterbietet. Stimmt, aber wir vergleichen hier nicht die Hubräume, sondern die Leistung. Sie soll in etwa auf einem Niveau liegen. Daher der 150 PS starke 320d mit den sechs Gängen. Angenehm ist dessen leiser Lauf schon beim Kaltstart. Auch die ersten Kilometer verblüffen. Trotz seiner 1,6 Tonnen Gewicht wirkt der Diesel-touring agil und handlich, was nicht zuletzt an seiner direkten Lenkung liegt.

Hauptverantwortlich aber sind die 330 Newtonmeter Drehmoment, die schon ab 2000/min bereitstehen. Damit glänzt der 320d durch kräftigen Antritt aus niedrigen Drehzahlen und überschreitet locker die 200-km/h-Marke. Das schafft der Benziner zwar auch, wirkt aber bei Zwischenspurts müder, muss mehr geschaltet werden. AUTO BILD-Urteil: Der Diesel macht zu viel Spaß, als dass man 318i fahren sollte. Selbst wer nicht die rechnerischen 27.394 Kilometer pro Jahr schafft, tut sich nicht nur hinterm Lenkrad einen Gefallen, sondern bei jedem Tankstopp.

Opel Signum

Bevor es im Signum ans Sparen geht, verlangt Opel einen deftigen Aufpreis für seinen Selbstzünder. Der 2.2 DTI kostet 1700 Euro mehr als der etwa gleich starke 1,8-Liter-Benziner. Hinzu kommen höhere Steuer und Versicherung. Macht insgesamt 5446 Euro für vier Jahre. Nach unserer Rechnung fährt Kollege Otto damit erheblich günstiger, solange nicht die stolze Anzahl von 38.000 Kilometern pro Jahr überschritten wird. Da haben selbst Vielfahrer ihre Schwierigkeiten.

Schade eigentlich, denn der Diesel hinterlässt in der Summe den harmonischeren Eindruck. Sein Arbeitsprinzip macht nur anfänglich etwas auf sich aufmerksam. Sobald der Signum aber auf Strecke ist, schnurrt der Vierzylinder und überzeugt mit kräftigem Durchzug. Kein Wunder, schließlich stehen 280 Newtonmeter Drehmoment nur recht bescheidenen 167 gegenüber. Und der Benziner entwickelt diese erst bei hohen 3800 Umdrehungen. Klar, dass es ihm da an Elastizität fehlt und somit mehr geschaltet werden muss, was die Tankrechnung entsprechend nach oben treibt. AUTO BILD-Urteil: Der Signum-Diesel lohnt nur für wirkliche Kilometerfresser. Alle anderen sollten den Benziner vorziehen.

Mercedes-Benz E-Klasse

Selbst ohne aufs Geld zu schauen, rein vom Fahrerlebnis her gibt es keine zwei Meinungen: Die 500 Newtonmeter Drehmoment im 320 CDI machen den Diesel eindeutig zur ersten Wahl. Nahezu spielerisch treibt der Sechszylinder die Oberklassenlimousine an. Zwischenspurts auf der Autobahn haben bereits sportlichen Charakter, vom Verbrennungsprinzip ist nichts mehr zu hören. Fahren auf höchstem Dieselniveau. Hinzu kommt, dass der CDI nicht einmal langsamer ist oder gar schlechter beschleunigt.

Alles, was dem Benziner vielleicht Vorteile bringen könnte, der Diesel macht das genauso gut, hat zudem, bedingt durch den geringeren Verbrauch, eine größere Reichweite. Sein momentaner Nachteil: Abgastechnisch schafft er nur Euro 3, zahlt dafür happige Steuern. Doch auch dies wird im kommenden Jahr der Vergangenheit angehören. Dann steht Euro 4 im Brief, und einen Partikelfilter gibt es auch (Aufpreis 580 Euro). Ungewöhnlich: Der CDI ist in der Anschaffung 928 Euro günstiger als der Benziner. Wer hätte das je von einem Merecedes-Benz-Diesel gedacht? AUTO BILD-Urteil: Ganz klar vorn der 320 CDI. Gleicher Komfort, aber mehr Fahrspaß und weniger Verbrauch. Und am Ende sogar noch ein höherer Restwert.

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