Kaufberatung: Autos mit Elektromotoren

Kaufberatung: Autos mit Elektromotoren

— 16.04.2015

Alles, was Rang und Stecker hat

Von Stadtflitzer bis Luxuslimousine, von Kastenwagen bis Traumwagen: In Rom trafen sich alle modernen Autos mit E-Motoren. Wir zeigen Vor- und Nachteile smtlicher Modelle.

Das gab es noch nie: Das Testgelnde von Bridgestone sdlich von Rom war voller Autos. Autos, deren Motoren bis zu 887 PS leisten. Und trotzdem konnten die Chefredakteure der AUTO BILD-Gruppe, angereist aus China, Rumnien oder Finnland, die Vgel in den Bumen zwitschern hren. Nie zuvor traf sich an einem Ort alles, was Rang und Stecker hat. "Test the Best Electric" hie die Premieren-Veranstaltung. 29 Autos mit Elektroantrieb, darunter rein batterieelektrische, Brennstoffzellenfahrzeuge und Plug-in-Hybride. Sie alle traten den Beweis an, dass es lngst keine Frage mehr ist, ob die E-Mobilitt aus der Nische kommt, in der sie sich derzeit noch befindet sondern wann es so weit ist.

Kaufberatung: Autos mit Elektromotoren

Experten aller vertretenen Autohersteller jedenfalls verbreiteten bei einer Podiumsdiskussion Optimismus. So verkndete Markus Enzinger, der bei Audi verantwortlich fr die Entwicklung der Elektrifizierung des Antriebs ist, dass tatschlich jedes zuknftige Modell der Ingolstdter in irgendeiner Form mit E-Power fahren wird. Auch wenn derzeit nur rund 24.000 Autos mit reinem Elektroantrieb auf deutschen Straen unterwegs sind die Kurve steigt exponentiell an. Und ob es 2020 nun tatschlich eine Million Stecker-Autos sein werden oder nicht: Wer bei dem E-Auto-Festival bei Rom dabei war, der wei, dass es um diese Frage gar nicht geht. Es ging vielmehr darum, die Faszination des E-Antriebs zu erleben, die Beschleunigung und den Fahrspa. Und um die Frage, wann die Technologie bezahlbar fr alle wird. Denn was der Markt jetzt schon zu bieten hat, ist elektrisierend.

Stadtwagen: Mal klein, mal praktisch

Der Renault Zo ist ein eigenstndiger Charaktertyp es gibt ihn nur als E-Auto.

Der Renault Zo ist anders als andere Elektroautos. Das beginnt beim berraschend gnstigen Preis: ab 21.700 Euro. Der kleinere VW E-Up kostet 26.900 Euro. Wie das geht? Zo-Fahrer kaufen nur das Auto, die teuren Akkus mieten sie. Kostet ab 49 Euro im Monat, je nach Laufzeit und Jahresfahrleistung. Ganz nebenbei: Zoe altgriechisch fr Leben passt gut ins Citylife. Kompakt genug fr die Parkplatzsuche, Raum fr Vier plus groen Einkauf, bequeme Sitze, komfortable Federung. Mit hnlichen Qualitten, aber teurer und kleiner, flstert sich der VW E-Up in unsere Herzen. Fr Menschen, die Groes mit ihrem E-Auto vorhaben, bieten sich Nissan E-NV 200 und Renault Kangoo ZE an. Der Nissan will Familienheld sein, der Kangoo Transportprobleme lsen. Interessant: Bleibt der Kangoo ZE stromlos liegen, wird er vom Renault-Pannendienst zur nchsten Ladestation geschleppt. Das ist in der Renault-typischen Batteriemiete inklusive (ab 73 Euro/Monat) enthalten. Die elektrischen Minimalisten heien Mitsubishi i-MiEV fr vier schmale Menschen , Renault Twizy und Smart ed jeweils fr zwei Passagiere. Mal hinter-, mal nebeneinander.

Allrounder: Plug-ins sind vielseitiger

Der Arbeitsplatz im Golf GTE: alles wie gewohnt. Nur der Drehzahlmesser schrumpft auf Miniformat, sitzt unten links im Powermeter.

Was einen Allrounder auszeichnet? Er sollte viele Talente auf einmal aufweisen. Wie der VW Golf GTE. Kurze Strecken, bis 50 Kilometer weit, flstert er rein elektrisch mit Strom aus der Steckdose. Zur Oma oder in den Urlaub fhrt er als Hybrid teilweise elektrisch, meistens aber vom Benziner angetrieben. Und dabei bringt das Fahren fast so viel Spa wie in einem Golf GTI kein Wunder bei 204 PS. Audi A3 e-tron technisch weitgehend identisch mit dem Golf GTE , Toyota Prius, Opel Ampera und Ford C-Max knnen das zwar auch, sind unterm Strich aber nicht so vielseitig wie der GTE. Besonders den Ford mssen wir hier abwatschen. Denn was soll ein Van, wenn der Kofferraum mit riesigen Akkus zugestellt ist? Da wird aus C-Max schnell C-Min.

Das kosten E-Autos mit und ohne Kaufprmie

Ein Allrounder mit reinem Elektroantrieb erfordert mehr Zugestndnisse vom Nutzer als die Plug-ins. Kurze Reichweite und lange Ladezeiten bleiben seine Hauptprobleme. Der Kia Soul EV ist deshalb einen zweiten Blick wert: 212 Kilometer Reichweite natrlich nur bei optimalen Bedingungen sollten fr den Alltag zwischen Haus, Supermarkt, Kindergarten und Bro ausreichen. Zwei Wagen mit hnlichen Talenten, beide gut fr knapp 200 Kilometer Reichweite: die elektrische B-Klasse und der E-Golf. Mercedes holte sich fr den E-Antrieb Untersttzung bei Tesla. Ergebnis: fhrt gut, ist aber mit 39.151 Euro teuer. Auch der Volkswagen ist, Sie ahnen es schon, kein Typ frs ganze Volk: ab 34.900 Euro.

Wer 50 Euro drauflegt, bekommt den aufflligen BMW i3. Ein extrovertierter Kerl, der das Thema E-Auto mit einer Prise Pfeffer wrzt. Der i3 sieht nicht nur scharf aus, er fhrt auch hei und leistet sich ein Interieur aus nachwachsenden Rohstoffen. BMW auf elektrisch eben. Der Nissan Leaf ist da im Vergleich ein Pragmatiker. Fhrt ordentlich, bietet genug Raum, kostet ab 23.790 Euro. Die Batterie kann der Besitzer fr 5900 Euro dazukaufen oder sie mieten ab 79 Euro pro Monat.

Reisewagen: Stromer auf groer Fahrt

Tankklappe: Der Ladeanschluss ist beim Tesla Model S im linken Rcklicht untergebracht.

Tesla ist ein elektrisches Ausnahmetalent, das fr weite Touren taugt: Zwei E-Motoren treiben alle Rder an. Wer den P85D flott fhrt, schafft die versprochenen 480 Kilometer aber nicht und muss frher Strom zapfen. Am Schnelllader reichen 30 Minuten fr ca. 270 Kilometer. Ebenfalls mit Allrad: der in dieser Kategorie billigste Plug-in, der Mitsubishi Outlander. Sein Plus: fnfsitzig, ebener Kofferraum, voll praxistauglich. Mercedes setzt beim C 350 e nach rund 30 Kilometern auf einen eher unfein knurrenden Zweiliter-Benziner mit vier Zylindern. Im Volvo V60 D6 AWD bernimmt nach dem Stromern ein 2,4-Liter-Diesel. Das Gepckabteil mit Stufe bietet 1126 Liter Stauvolumen. Hauptnachteil des Nordlichts: der teure Kaufpreis.

Die umweltfreundlichsten Autos 2015

Porsche Cayenne und Panamera S E-Hybrid teilen sich die Technik: ein 95-PS-E-Motor nebst ruppigem Dreiliter-Kompressor-V6. Manko: Die Choreografie zwischen beiden knnte harmonischer sein. Mit 110.000 Euro teuerster Reisewagen ist der Mercedes S 500 e. Der Doppelherz-Benz fhrt elektrisch bis zu 140 km/h schnell, danach greift der V6-Benziner mit 333 PS ein. Das Zusammenspiel zwischen V6 und E-Motor knnte gerne noch etwas glatter funktionieren. Brennstoffzellenautos sind Streckenlufer, die ohne Steckdose auskommen. Doch nach 500 Kilometern mssen der Audi A7 h-tron (Prototyp) und der Toyota Mirai an die Wasserstoffsule. 100 Kilometer lnger hlt der Hyundai iX35 durch. Gut, denn das Tankstellennetz ist dnn gestrickt.

Traumwagen: Nirgends fhrt der Strom schneller

Praktisch: Das Carbon-Coup BMW i8 ist ein 2+2-Sitzer. Sein Leergewicht betrgt nur rund 1,5 Tonnen.

Die Umwelt vor schdlichem CO2 zu bewahren, gert schon fast zur Nebensache. So aufregend sind diese Technologietrger konzipiert. BMW und Porsche verpacken aufwendige Plug-in-Technik nicht einfach in vorhandene Modelle, sondern gehen auch optisch eigene Wege. Die Fahrgastzelle des i8 ist aus Carbon, die Anbauteile sind aus Kunststoff, das Fahrwerk aus Leichtmetall gefertigt. Ergebnis: 1,5 Tonnen Leergewicht. Die Vorderachse treibt ein 131-PS-E-Motor an, hinten bernimmt der 1,5-Liter-Dreizylinder mit 231 Turbo-PS.

Kaufberatung: Autos mit Elektromotoren

Der Porsche 918 Spyder setzt auf einen hnlichen Werkstoffmix, fhrt jedoch kompromissloser. Je ein Elektromotor vorn und hinten, dazu der mittig montierte 4,6-Liter-V8. Insgesamt 887 PS stehen fr den spektakulren Abschuss bereit, erst bei 345 km/h endet der Flug. Aber: Sparen hat hier nichts mit Kleingeld zu tun. BMW verlangt mindestens 130.000, und der Porsche kostet fast 800.000 Euro. Was die solvente Kundschaft nicht wirklich zu stren scheint. Die Bayern haben Ihre Produktion wegen starker Nachfrage gerade auf 20 Fahrzeuge pro Tag hochfahren mssen. Und Porsches Saubermann auf 918 Stck limitiert war schnell ausverkauft.


Hauke Schrieber

Hauke Schrieber

Fazit

Jaja: zu teuer, zu geringe Reichweite, zu lange Ladezeiten Und wie lange halten diese Akkus? Man kann das Thema E-Auto zerreden. Wer je in einem fuhr, wird das schon anders sehen. Und wer wie wir bei "Test the Best Electric" alles er-fahren konnte, was jetzt schon mit Stecker auf dem Markt ist, kann sich eine automobile Zukunft ohne Elektrifizierung gar nicht mehr vorstellen. Fr Zweifler htten wir noch ein Argument: Die Energiekosten pro Kilometer liegen beim E-Auto auf Diesel-Niveau. Beispiel: E-Golf und Golf 1.6 TDI kostet jeweils 3,8 Cent/km.

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