Kaufberatung Eurovans

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— 11.11.2002

Ein Auto – vier Gesichter

Wieder haben Lancia, Peugeot, Fiat und Citroën auf gleicher Basis ihren eigenen Van gebaut. Bleibt die Frage: Wer hat das beste Paket geschnürt?

Plattform gleich, Charakter nicht

Jean-Jacques mag es gern ordentlich. Nur an seinem Arbeitsplatz im Peugeot-Werk Sevel bringt er anscheinend alles durcheinander. Dort schraubt Jean-Jacques Frontpartien an Vans. Aber nicht nur die mit dem Löwen-Emblem. Genauso montiert er Masken mit Fiat-Zeichen, Citroën-Emblem oder Lancia-Grill. Des Rätsels Lösung: Jean-Jacques baut das Auto mit den vier Gesichtern.

Hinter denen versteckt sich der so genannte Eurovan. Eine moderne Großraumlimousine, die gemeinsam von Citroën, Fiat, Lancia und Peugeot entwickelt wurde. Wie schon 1994 beim ersten gemeinsamen Van. Mit gleicher Plattform (Radstand 2,82 Meter), identischem Aufbau, zwei Schiebetüren als Zugang in die zweite und dritte Reihe und gleicher Technik.

Klingt nach schnödem Einheits-Look. Wo sind da die Unterschiede? Na, wer das nicht sieht. Denn anders als bei der ersten Generation, die eher verwechselbar war, hat diesmal jeder Van sein markentypisches Gesicht bekommen. Die Gesichter appellieren aber nicht nur an Markenverbundenheit – sie zielen auch auf unterschiedliche Geschmäcker.

Auf Wunsch elektrische Türöffner

Wie die Gestaltung der Innenräume. Es geht um Farben und Materialien, nicht um das beste Sicherheitskonzept. Denn von vorn bis hinten, über drei Sitzreihen reichend, besitzen sie alle Windowbags ab Werk. Das gilt derzeit als höchster Standard.

Vielmehr geht es darum, ob die Mischung aus dunklen Armaturen und hellen Polstern im Fiat besser gefällt als das Ton in Ton gehaltene Interieur des Peugeot. Ob man lieber auf drei Rundinstrumente oder ein Modul mit Anzeigedisplay schaut. Vielleicht ist es auch der größere Pralltopf des Citroën-Lenkrades, der ge- oder missfällt. Alles reine Geschmacksfrage, richtig.

Handfest anders ist nur der Lancia Phedra. Alcantara-Sitze, stilvolle Mahagoni-Leisten und Alu-Optik auf dem Bedien-Tableau ab Werk unterstreichen deutlich den Anspruch auf das Prädikat Nobel-Van. Eine nette, aber auch teure Auszeichnung. Schon das Lancia-Einstiegsmodell kostet 29.350 Euro. Damit ist es um mindestens 4090 Euro teurer als die Basisversionen seiner Eurovan-Brüder.

Kein Auto also für kühle Rechner, sondern eines für den gehobenen Anspruch. Deshalb lässt sich der Phedra auch nicht zum Achtsitzer aufrüsten. Bus-Feeling sollen bitte schön andere vermitteln. Fiat kennt keine Berührungsängste, bietet den Ulysse in den Versionen Dynamic und Emotion als Fünf- und Siebensitzer zum gleichen Preis – 25.580 beziehungsweise 27.180 Euro. Wer fünf wählt, erhält anstelle der beiden Sitze Dachträger, Parksensoren, Sicherheitstrennnetz.

Fünf, sechs, sieben oder acht Plätze

Für alle, die sieben Sitze benötigen, ist der Ulysse erste Wahl. Vom Preis her gilt das auch für das fünfsitzige Grundmodell. Es kostet 24.680 Euro, ist knapp 600 Euro preiswerter als bei Citroën und Peugeot. Ein idealer Einstieg, zumal es gleichen Raum und gleiche Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Allein die Rücksitze sind kleine Wunderwerke an Variabilität. Sie besitzen neigungsverstellbare Lehnen, lassen sich um 15 Zentimeter vor- oder zurückschieben, komplett umklappen oder ausbauen. So soll ein Van sein. Und komfortabel.

Obwohl alle Vans identisch abgestimmt sein sollen, meine ich beim Fahrkomfort minimale Unterschiede zu spüren. Den ausgewogensten Eindruck hinterlässt für mich der Citroën. Abrollkomfort, Federung – ideal für den, der es bequem mag. Sportliche Auftritte erwartet niemand von einem Van – Fahrspaß schon. Und den vermittelt meiner Meinung nach der Peugeot. Die Lenkung des 807 wirkt eine Spur direkter, das Fahrwerk etwas knackiger.

Wie gesagt, Unterschiede liegen in einem rein subjektiven Bereich, mit Messungen nicht zu belegen. Bei der Motorenwahl gibt es für mich einen absoluten Favoriten: den 2,2-Liter-Turbodiesel (128 PS). Der von Peugeot entwickelte HDi-Motor (bei Fiat und Lancia heißt er JTD) hat reichlich Dampf und ist sparsam dazu (rund 8,6 Liter im Schnitt). Kein Wunder, dass der Diesel-Anteil von 70 (Lancia) bis zu 85 Prozent (Fiat) reicht. Dabei verzichten die Italiener beim kleineren Diesel 2.0 JTD auf den Rußfilter – ein wohl kalkulierter Schachzug, um ein paar hundert Euro unter der französischen Konkurrenz zu bleiben.

Fazit, Preise und Ausstattungen

Fazit Jeder der Vans bietet Platz satt und reichlich Variabilität. Unterschiede beim Fahren sind kaum zu entdecken, der persönliche Geschmack und die Qualität des Händlers vor Ort müssen entscheiden. Der teure Lancia spielt eine Sonderrolle. Beim Motor gibt es nur eine Wahl: den 128-PS-Diesel.

Autor: Manfred Kolbe

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