Kaufberatung Mercedes C-Klasse

— 14.02.2002

Drei Wege zur Kraft

Etwa gleiche Leistung, trotzdem total verschieden: In der C-Klasse bietet Mercedes gleich drei Motoren mit rund 170 PS.

C 200 Kompressor

"Ich kaufe ein C" - klingt nach Glücksrad, war im vergangenen Jahr am häufigsten aber bei Mercedes-Händlern zu hören. Knapp 130.000 C-Klassen (W 203, ohne Sportcoupé) fanden 2001 den Weg auf unsere Straßen, 30 Prozent davon in der Leistungsklasse um 170 PS. Was nicht weiter wundert, denn die Stuttgarter bieten in dieser Liga gleich drei Modelle: C 200 Kompressor mit 163 PS sowie C 240 und C 270 CDI mit je 170 PS. Doch so ähnlich die Leistung, so unterschiedlich der Weg dorthin: Benziner oder Diesel; vier, fünf oder sechs Zylinder; Sauger, Turbo oder Kompressor. Wir verraten, mit welchem Sie am besten fahren.

Dem C 200 Kompressor, der auf dem Zweilitermotor aus dem C180 basiert, entlocken die Mercedes-Ingenieure per mechanischem Lader stramme 163 PS und überraschend übermütige Fahrleistungen. Auch wenn das Keuchen des Kompressors akustisch den Reiz eines getunten Staubsaugers entwickelt, muss dieser Vierzylinder als echte V6-Alternative gelten. Vom Start weg hängt der zwangsbeatmete Zweiliter so gierig am Gas wie Politiker an der Macht und dreht so wunderbar gleichmäßig hoch, dass jeder Turbomotor in ein tiefes schwarzes (Turbo-)Loch fällt. Als hilfreich erweist sich dabei das Drehmoment von immerhin 230 Nm, das über den weiten Drehzahlbereich von 2500 bis 4800 Umdrehungen an der Kurbelwelle zerrt.

Mercedes C 200

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Kein Wunder also, dass der 200 K den Sprint bis Tempo 100 in 8,7 Sekunden am schnellsten absolviert und dem C 240 trotz klaren Hubraum-Defizits selbst beim Zwischenspurt davonfährt. Auch auf der Autobahn hält Kollege Kompressor tapfer den Kontakt zu seinen Brüdern und schafft im sechsten Gang Tempo 230 - macht Tacho 240 km/h. Und angesichts solchen Temperaments überrascht der von uns ermittelte Testverbrauch von 9,2 Liter Super auf 100 Kilometer so, als würde Ferrari ein Drei-Liter-Auto präsentieren.

C 240

Der zweite Benz-Benziner in diesem Feld tritt mit sieben PS und zwei Zylindern mehr an. Dabei versteckt sich hinter dem Typenschild C 240 immerhin ein 2,6 Liter großer V6, der sich als kultivierter Cruiser für die Langstrecke empfiehlt. Sanft säuselnd und geschmeidig packen die 170 PS den 1,5-Tonnen-Mercedes und bringen ihn flott, aber erfreulich unaufgeregt auf Tempo. Wenn es sein muss, geht es in 9,1 Sekunden bis auf 100 km/h - doch derartige Anfälle von PS-Prahlerei passen nicht zum kleinen Sechser, werden beim Ausdrehen unwillig knurrend kritisiert.

Da liegen dem Dreiventiler die kultivierte Kraftentfaltung in mittleren Drehzahlen und das schaltfaule Ausnutzen der 240 Nm Drehmoment viel näher. Zumal die hakelige Sechsgangschaltung und der Verbrauch von 12,3 Litern eine allzu sportliche Gangart regelrecht sabotieren. Einmal im höchsten Gang angekommen, schafft der Alu-Motor mit Doppelzündung und Schaltsaugrohr aber beachtliche 235 km/h Spitze - und damit fünf Stundenkilometer mehr als seine Brüder.

C 270 CDI

Dennoch weckt der ebenfalls 170 PS starke C 270 CDI selbst unter notorischen Dieselhassern echte Leidenschaft, noch bevor er mit dem Vorglühen fertig ist. Der 2,7-Liter-Fünfzylinder setzt dazu auf moderne Dieseltechnik: Common-Rail-Direkteinspritzung, variable Turbinengeometrie, vier Ventile pro Zylinder, Ladeluftkühlung und Piloteinspritzung. Kurz bevor der Drehzahlmesser die 2000 erreicht und sich das Wort Anfahrschwäche in unser Hirn zu schleichen droht, blasen gewaltige 370 Nm zum Angriff und uns die Zweifel aus dem Schädel. Zwischen 1600 und 2800 Touren lässt das Drehmoment nicht im Geringsten nach, sodass nach exakt neun Sekunden 100 km/h anliegen und Überholvorgänge schon abgeschlossen sind, wenn die Benziner gerade erst den Blinker setzen.

Selbst der dezent brummige Unterton, das leichte Anfahrruckeln (ähnlich wie C 240) und die unpräzise Schaltung können die Begeisterung für diesen Diesel-Dynamiker kaum bremsen. Dem C 270 CDI unseres Testwagens fehlt eigentlich nur eine Automatik. Die kostet 2007 Euro extra und besorgt dem Aggregat 400 Nm bei 1800 bis 2600/min. Traumhaft auch der Verbrauch: 8,2 Liter auf 100 Kilometer. Wohlgemerkt, wir reden von einem 170-PS-Auto.

Preise und Technische Daten

In die Realität holt uns der Preis von 33.408 Euro zurück. Damit kostet der C 270 CDI zwar kaum mehr als der C 240 (32.712 Euro), gegenüber dem C 200 Kompressor (28.304 Euro) werden aber über 5000 Euro Zuschlag fällig. Wer auf V6 oder CDI also nicht verzichten will, sollte vorher noch mal am Glücksrad drehen.

Testwerte und Fazit

Fazit Das Ergebnis dieses Motoren-Meetings lässt uns strahlen. Der C 200 Kompressor als günstigste Alternative empfiehlt sich auch als beste Wahl. Spritzig und sparsam, lässt er kaum Wünsche offen, verursacht mit 45,1 Cent pro Kilometer auch die geringsten Kosten. Der teure C 270 CDI überzeugt motorisch ebenfalls, kostet aber schon 49,0 Cent pro Kilometer. Beim C 240 fordert der Luxus und die Laufruhe eines V6 schließlich das meiste Geld: 51,1 Cent je Kilometer.

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