Flensburg-Punkte

KBA-Jahresbericht

— 31.03.2010

Fünfmal mehr Fahrverbote als 1991

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat seinen Jahresbericht für 2009 vorgestellt: 470.000 Fahrer haben im vergangenen Jahr ihren Führerschein verloren. Häufigstes Vergehen bei Männern und Frauen: zu schnelles Fahren.

Gut 470.000 Autofahrer mussten 2009 ihren Führerschein abgeben – fast fünfmal so viele wie bei Beginn der statistischen Auswertung im Jahr 1991. Gründe dafür sieht das KBA unter anderem in der schärferen Überwachung und den höheren Fahrleistungen. 2009 blieb die Zahl der Punktesünder im Vergleich zu 2008 aber nahezu konstant: Knapp neun Millionen Menschen waren am 1. Januar 2010 in Flensburg registriert. Das ist ein Anstieg von 1,1 Prozent. Noch immer sind die Männer in der Norddeutschen Kartei mit 78,1 Prozent  stärker vertreten als Frauen. Gemeinsam haben die beiden Geschlechter, dass sie am häufigsten wegen zu schnellen Fahrens erwischt wurden. Bei den Herren folgt an zweiter Stelle das Fahren unter Alkoholeinfluss, die Damen nahmen es hingegen mit den Vorfahrtregelungen nicht so genau.
Im Verkehrszentralregister eingetragene Personen (1. Januar 2010)
Insgesamt Männer Frauen
Bestand, Deliktart und Punktestände in 1000 in Prozent in 1000 in Prozent in 1000 in Prozent
Personenbestand im Verkehrszentralregister
Personenbestand 8964 100 6999 78,31 1963 21,9
Deliktart je Personengruppe im Bestand
Alkohol 1352 15,1 1200 17,1 152 7,7
Geschwindigkeit 5194 57,9 4064 58,1 1129 57,5
Vorfahrt 991 11,1 699 10 292 14,9
Punktestände je Personengruppe im Bestand
ohne Punkte 1660 18,5 1416 20,2 244 12,4
1 bis 7 Punkte 6662 74,3 5010 71,6 1650 84
8 bis 13 Punkte 461 5,1 405 5,8 56 2,8
14 und mehr Punkte 77 0,9 72 1 5 0,3


In Sachen Gasfuß hat sich die Einheit zwischen Ost und West übrigens untrennbar vollzogen. Hüben wir drüben wird ordentlich draufgetreten (3,8 Prozent im Osten, 3,9 Prozent im Westen). Zwischen den einzelnen Bundesländer gibt es hingegen deutliche Unterschiede. Spitzenreiter sind die Brandenburger: 8,7 Prozent der Bevölkerung waren zu schnell unterwegs. Ganz tugendhaft hingegen die Berliner: Nur 0,9 Prozent missachteten die Geschwindigkeitsvorschriften. Vielleicht wurden sie auch einfach nur seltener erwischt. Die Überwachungsdichte variiert nämlich von Land zu Land.

Hier geht es zum Bußgeldrechner

Ein Dauerbrenner im Strafenkatalog ist auch das Telefonieren am Steuer ohne Freisprecheinrichtung. Gut 418.000 Punkte wurden 2009 deswegen verteilt. Im Vergleich zu 2008 ist das ein Rückgang um 3,3 Prozent. Wegen der großen Abhängigkeit von der Überwachungsintensität interpretiert das KBA die Zahl hier aber als Stagnation auf hohem Niveau. Ein weiteres Ergebnis des Jahresberichts: Die Zahl der Drogen- und Alkoholverstöße ist 2009 mit 200.200 Delikten um rund zehn Prozent gesunken.

Das KBA machte auch einen Vorschlag zur Vereinfachung der derzeitigen Punkteregelung. Bislang verfällt ein Punkt nicht, wenn innerhalb einer bestimmten Zeit ein weiterer dazukommt. "Das ist intransparent", kritisiert Zinke. Das KBA schlägt daher vor, dass sich die Zeit bis ein Punkt verfällt zwar verlängert, dass er dann abhängig vom Verstoß aber auch nach drei, sechs oder zwölf Jahren vom Konto gelöscht wird. "Das sind erste Gedanken auf Arbeitsebene", sagte Zinke. Über eine Punktereform entscheidet die Bundesregierung.

Autor: Stephanie Kriebel

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