KBA-Tests mit Killer-Kältemittel

KBA-Tests mit Killer-Kältemittel R1234yf

— 15.08.2013

Deutsche Behörden kapitulieren

Test-Desaster für das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA): Die Untersuchungen zu den Risiken des neuen Kältemittels R1234yf brachten keine Klarheit.

Beauftragte die R1234yf-Tests: KBA-Präsident Ekhard Zinke (l.), hier mit seinem Dienstherrn, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) kann nicht abschließend entscheiden, ob das neue Kältemittel R1234yf in Pkw-Klimaanlagen sicher ist oder nicht. Das geht aus dem nun vorliegenden Zwischenbericht zu den Sicherheitsversuchen vor. Stattdessen empfiehlt das KBA der EU-Kommission "mit Nachdruck weitere Untersuchungen, um die potenziellen Risiken besser bewerten zu können". Zwar entzündete sich das Kältemittel nach den KBA-Crashs mit vier Autos (Hyundai i30, Mercedes B-Klasse, Opel Mokka und Subaru Impreza) nicht, bei der anschließenden Simulation von Extremsituationen kam es jedoch laut Bericht zu "einer vollen Entflammung im Motorraum" und zur Freisetzung von "erheblichen Mengen" tödlichen Fluorwasserstoffs.

Kältemittel R1234yf: KBA-Testbericht

Daraus resultiert die Einschätzung des KBA, dass sich zwar das "Sicherheitsniveau von Kraftfahrzeugen durch den Einsatz von R1234yf tendenziell verschlechtert" habe, Sicherheit im Sinne des Produktsicherheitsgesetzes aber noch gegeben sei. Entsprechend gegensätzlich fallen die Reaktionen auf den KBA-Bericht aus. Sowohl R1234yf-Hersteller Honeywell als auch R1234yf-Verweigerer Daimler sehen ihre jeweilige Position bestätigt. Welche Versuche die EU nun durchführen soll, um endlich eine Entscheidung zu treffen, ließ das KBA offen. Die Flensburger Behörde räumte in ihrem Bericht lediglich ein, dass trotz aufwendiger Tests "nach wie vor nicht vollständig bekannt ist, unter welchen Bedingungen und mit welchen Faktoren es zu einer Kältemittelentflammung und Fluorwasserstoffexposition" kommen kann.

Killer-Kältemittel R1234yf setzt Mercedes B-Klasse in Brand

Umfrage

'Wer ist verantwortlich für das Test-Desaster?'

Für den Vorsitzenden des Verkehrsausschusses im Bundestag, Toni Hofreiter, eine untragbare Situation: "Extrem peinlich, dass deutsche Behörden nicht in der Lage sind, festzustellen, ob R1234yf gefährlich ist." Den Abschlussbericht will das KBA im Herbst 2013 vorlegen – also nach der Bundestagswahl am 22. September 2013. Bis zum 19. August 2013 sollen die deutschen Behörden auf Anweisung der EU klären, ob R1234yf ein generelles Sicherheitsproblem hat. Diese Frist hat das KBA nun gehalten; der Zwischenbericht lässt jedoch viele Fragen offen. Wer ist verantwortlich für das Test-Desaster? Stimmen Sie ab!
Autor:

Frank Rosin

Fazit

Der Bericht des KBA ist ein Armutszeugnis: wochenlange Tests, durchgeführt unter höchster Geheimhaltung vom umstrittenen TÜV Rheinland, mit einem Ergebnis, das es allen recht machen will. Was jetzt immerhin amtlich ist: Es gibt ein Restrisiko. Ähnlich wie bei Atomkraftwerken. Auch bei dieser Technologie haben wir uns lange eingeredet, das Risiko kalkulieren zu können. Bis zum Unfall in Fukushima.

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