Kfz-Pfandhäuser

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— 25.11.2002

Pfand drauf

Tausche Benz gegen Bares: Immer mehr Deutsche verpfänden ihr Auto, weil sie Geld brauchen – doch die Wirtschaftskrise schmerzt sogar den Pfandleiher.

Pfandnehmer sind Mittelständler

"Nee, nee, nee." Achim Schadow (52) schüttelt den Kopf, und seine Augenringe wirken jetzt noch ein bisschen tiefer, als sie es vorher waren. Geht ja alles bergab hier in Deutschland, wa?", sagt der Berliner. "Letzten Monat habe ich fünf Autos verkauft und 29 als Pfand angenommen. Früher war das Verhältnis mal eins zu eins. Aber das ist alles vorbei. Nee, nee, nee ..."

Also, irgendwas stimmt da nicht. So schlecht, wie es dem Land gerade geht, da müsste einer wie Schadow doch jubeln vor Freude. Schließlich hat der Mann nicht nur einen Gebrauchtwagenhandel in Berlin, sondern vor allem ein Pfandleihhaus für Autos. Und das bedeutet doch wohl, dass er nur dann gute Geschäfte macht, wenn die Leute kein Geld mehr haben und dringend welches brauchen. Aber glücklich wirkt Schadow nun wirklich nicht: "Nee, nee, nee ..."

Im Gegenteil, der Mann sieht fast trauriger aus als der Kunde, der gerade bei ihm im Büro sitzt: Dieter H. (62), Chef einer Gebäudereinigung und damit ein typischer Fall: Die meisten Pfandnehmer sind nicht etwa Zocker, Lebenskünstler oder Unterweltgrößen (Schadow: "Nee, nee, nee, hab ich auch erst gedacht"), sondern Mittelständler. Und alle haben das gleiche Problem.

Es gibt kein Bargeld – nur Schecks

"Es kommt immer häufiger vor, dass meine Kunden nicht rechtzeitig zahlen", sagt Dieter H., "dann sitze ich in der Zwickmühle, weil ich meinen Leuten ja weiter Löhne geben muss." Deshalb lässt der Unternehmer sein zweieinhalb Jahre altes T-Modell bei Schadow, nimmt einen Scheck über 5000 Euro mit und ist erst mal wieder flüssig. "Bei der Bank habe ich als Handwerker keine Chance auf einen Kredit, aber hier geht das problemlos. Ich mache das etwa zwei- bis dreimal pro Jahr."

Gut 2000 Autos hat Schadow in den letzten sieben Jahren als Pfand genommen – und immer nach dem gleichen Prinzip: Er überprüft die Fahrgestellnummer sowie die Papiere, schätzt den Zeitwert und schreibt über maximal 50 Prozent dieser Summe einen Scheck aus. Mit dem bekommt sein Kunde bei der Bank nebenan Bares. "Das ist sicherer, als wenn ich das ganze Geld hier hätte", sagt der Pfandleiher. Im Gegenzug behält er Auto, Schlüssel, Schein und Brief.

Nach Ablauf der Vertragsdauer, normalerweise drei Monate, zahlt der Kunde das geliehene Geld zurück, legt für jeden Monat ein Prozent Zins sowie (im Schnitt) drei Prozent für die Unkosten drauf – und nimmt sein Auto wieder mit. Im Idealfall. "Aber wenn es so bergab geht wie jetzt, dann bringen die Leute das Geld nicht mehr zusammen, um ihr Auto auch wieder abzuholen. Denn Pflicht ist das nicht." Und dann macht Schadow ein dickes Minus.

Mercedes, Jaguar, Porsche, Ferrari ...

Die Sache ist die: Die Autos, die nicht ausgelöst werden, werden vom Staat versteigert. Den Erlös (abzüglich der Summe, die der Pfandleiher bekommt) erhält der Besitzer. Theoretisch. In der Praxis will die Wagen keiner haben, obwohl der Preis oft 30 Prozent unter Wert liegt. Schadow: "Wir hatten gerade eine Versteigerung. Da ist kein einziges Auto weggegangen." In solchen Fällen ersteigert er sie selbst, um zumindest einen kleinen Gegenwert für das Verliehene zu bekommen. "Nee, nee, nee ..."

Ein paar Kilometer von seinem Büro entfernt hat Schadow seine Pfandautos untergestellt. Das Parkdeck ist durch zwei Stahltore, eine Alarmanlage und mehrere Wachmänner gesichert, gut 70 Autos stehen derzeit dort. Kaum Kleinwagen, viele neue Mercedes, ein W 108, ein Porsche 911, ein neuer Jaguar S-Type, ein Ferrari 348ts.

Dessen Besitzer (38) erzählt: "Ich hatte eine Baufirma mit 130 Mitarbeitern. Wir sind Pleite gegangen, weil ich über eine Million Außenstände hatte." Der Bauingenieur brauchte Geld, wollte seinen Ferrari aber auch nicht verkaufen. Bei Schadow bekam er 13.000 Euro geliehen. Inzwischen hat der Unternehmer eine neue Firma gegründet und genug verdient, um den Ferrari auszulösen. "Ich komme in den nächsten Tagen", sagt er zum Abschied. Und plötzlich guckt auch Schadow wieder etwas glücklicher ...

"Bei Krisen leiden auch Pfandleiher"

Kurzinterview mit Dr. Klaus Germann, Geschäftsführer Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes e.V.

AUTO BILD: Sind schlechte wirtschaftliche Zeiten gute Zeiten für Pfandleiher? Dr. Klaus Germann: Im Gegenteil. Ich kenne das Geschäft seit 1972 und habe festgestellt: Bei Krisen leiden auch die Pfandleiher. Denn man verpfändet nur etwas, wenn man sicher weiß, dass man das Geld auch wieder zurückzahlen und sein Pfand damit auslösen kann. Wer arbeitslos ist, der wird zurückhaltender – und nimmt sich keinen Kredit.

Wie werden Pfandleiher kontrolliert? Darf das jeder machen? Nein, Pfandleiher brauchen eine Konzession. Dafür müssen sie sich beim Gewerbeamt anmelden und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Ein gutes Gewerbeamt schaltet dann auch noch die IHK ein und verlangt einen Kapital-Nachweis. Außerdem überprüfen Bezirks- und Gewerbeaufsichtsamt die Pfandleiher regelmäßig.

Woran erkenne ich selber einen seriösen Pfandleiher? Die Mitgliedschaft im Zentralverband ist schon ein guter Hinweis. Wenn ein Kunde ein Problem mit einem unserer Mitglieder hat, kann er sich kostenlos an unsere Schiedsstelle wenden, wir kümmern uns dann darum. In diesem Jahr hatten wir bisher 15 Fälle. Bis auf einen, der noch offen ist, haben wir alle im Sinne des Verpfänders geregelt.

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