Kia cee'd Sporty Wagon/VW Golf Variant 1.4 TSI — 16.11.2007
Kompakter Kombi-Kampf
In der Kompaktklasse führen eigentlich kaum Wege am Golf vorbei. Auch bei den Kombis nicht. Doch jetzt meldet sich ein preiswerter und geräumiger Koreaner. Ist der Sporty Wagon gar der bessere Kauf?
Kräftig, belastbar und genügsam – so wünscht sich wohl jeder Landwirt seine Erntehelfer. Und findet sie immer seltener. Das ist bei Autos anders: Da wird die Auswahl immer größer. Die kompakten Kombis sind so ein Beispiel: Nicht nur der
VW Golf Variant 1.4 TSI erfüllt die Einstellungsbedingungen, sondern auch der neue
Kia cee'd Sporty Wagon 2.0 CVVT. Und auf den ersten Blick steht fest: Diese beiden taugen für viel mehr als nur den Kürbis-Transport. Etwa für den gemütlichen Herbstausflug zu fünft. Vorn sitzen wir in beiden Kompakt-Kombis bequem, aber der Golf verdient sich wegen seiner gut ausgeformten Sitze und der besseren Materialqualität noch ein Sternchen extra. Hinten gibt es ebenfalls wenig Grund zu klagen.
Die Transportwertung geht an den kürzeren Kia
Selbst zu dritt kommt keine Platzangst auf. Golf-Reisende sitzen angenehm hoch und wegen der größeren Beinfreiheit sehr entspannt, für lange Kerls dürfte überm Scheitel aber ruhig noch eine Handbreit mehr Luft bleiben. Die gewährt uns der 21 Millimeter höhere cee'd, bei dem es um die Knie allerdings etwas enger wird und die Haltung mehr in Richtung Hocken abdriftet. Perfekt wäre hier die Mischung aus beiden Raumkonzepten. Die Transportwertung sichert sich dagegen eindeutig der
Kia – obwohl er außen immerhin neun Zentimeter kürzer ausfällt. Das Motto der Koreaner: Große Klappe und viel dahinter. Die weit ins Heck reichende Ladeluke lässt sich auch in engen Lücken öffnen und erleichtert selbst Sperrguttransporte. Kartons und Kisten zwischen 534 und 1664 Liter gehen ohne Probleme mit – beim
Golf liegen die Packmaße zwischen 505 und 1495 Liter. Die Verwandlung der geteilten Rückbank in eine ebene Ladefläche wird bei keinem der beiden zur Fummelei, beim Kia müssen allerdings die Kopfstützen entfernt werden – das kann der Golf eine Stufe besser.
Beim Fahren spielt der Golf seine Trümpfe aus
Kleiner Hubraum, großer Motor: Der 1.4 TSI schüttelt seine 140 PS lässig aus den Brennräumen.
Seine stärksten Trümpfe spielt der
VW aber erst beim Fahren aus. Der 1,4-Liter-TSI schüttelt putzmuntere 140 PS aus den vier Zylindern, das dynamische Duo aus Turbolader und Kompressor sorgt in allen Drehzahllagen für mächtig Mumm. Dabei klingt der kleine Twincharger nur untenrum etwas rau, nach oben dreht er willig und fröhlich pfeifend aus. Wie perfekt der doppelt geladene Mini-Motor arbeitet, beweist der direkte Vergleich mit dem deutlich hubraumstärkeren Kia Sporty Wagon. Volle zwei Liter bemühen die Koreaner, um 143 PS an die Vorderräder schicken zu können. Im Sprint schlägt sich der spritzige Vierzylinder mehr als anständig. Auch wenn er beim Ausdrehen etwas lustloser wirkt und angestrengter knurrt, liegt er bis Tempo 100 sogar ein Zehntel vor dem Golf. Erst beim Überholen muss der Korea-Kombi den wieselflinken Golf ziehen lassen.
Die Erklärung dafür ist leicht gefunden. Während der cee'd seine 186 Nm Drehmoment erst bei 4600 Touren entwickelt, protzt der Golf schon bei 1500 Umdrehungen mit 220 Nm. Da kann die Sechsgangbox des Variant einmal öfter Pause machen – auch wenn sie mehr Spaß bereitet als die etwas hakelige Fünfgang-Schaltung im Kia. Auch in der Bewertung des Fahrwerks steht der
Golf besser da. Die Abstimmung des Variant erlaubt dynamischen Familienvätern sowohl die Ausfahrt mit der Schwiegermutter als auch die flotte Sause mit den Kumpels vom Motorsport-Klub – und zwar ohne Beschwerden von irgendeiner Seite. Die meisten Straßenschäden werden souverän geschluckt, schnelle Kurven trotzdem mit Anstand gemeistert. Und wie beim Kia hält das serienmäßige ESP einen sicheren Kurs.
Der Sporty Wagon nimmt seinen Namen zu wörtlich
Etwas ruppig: Kurze Stöße filtert der Sporty Wagon nur halbherzig weg.
Der Kia-Kombi überzeugt ebenfalls mit erstaunlicher Beweglichkeit – auch wenn seine Lenkung weniger feinfühlig wirkt als die des Golf und das Stabilitätsprogramm viel unsensibler ins Geschehen eingreift. Zudem geht die Sportlichkeit zu Lasten des Komforts. Der Beiname
Sporty Wagon scheint bei den koreanischen Entwicklern leider zu sehr Programm gewesen zu sein. Insbesondere kurze Stöße kann der Golf-Kontrahent nur halbherzig filtern, seine Passagiere bekommen es zu spüren. Speziell der Langsamfahrkomfort erreicht absolut nicht das hohe Golf-Niveau – schade eigentlich: Denn Schwiegermama hatte sich mit dem cee'd gerade angefreundet. Schon deshalb, weil er die Familienkasse schont.
Seine schlechteren Versicherungs-Einstufungen bei Haftpflicht und Teilkasko sind da zwar Schönheitsfehler, die bessere Serienausstattung sowie großzügige fünf Jahre Vollgarantie summieren sich schon. Zumal die Schutzfrist beim Antriebsstrang – einschließlich Motor und Getriebe – sogar sieben Jahre gilt. Und dann ist Kias kompakter Kombi auch noch in der Anschaffung billiger. Der cee'd Sporty Wagon 2.0 EX kostet mit 20.700 Euro exakt 2000 Euro weniger als der VW Golf Variant 1.4 TSI Comfortline (22.700 Euro). Und für zwei Riesen muss ein fleißiger Landwirt schon etliche Kürbisse verkaufen.
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka
Wie so oft geht der Golf aus einem Vergleich als Sieger hervor. Der komfortable, fahrsichere und geräumige Variant leistet sich einfach keine ernsthaften Schwächen. Die wirkliche Überraschung in diesem Vergleich liefert aber der Sporty Wagon von Kia. Obwohl noch Feinschliff an Federung und Verarbeitung nötig ist, empfiehlt sich der cee'd Kombi durchaus als ernst zu nehmende Alternative zum Golf Variant. Der Korea-Kombi schluckt jede Menge Gepäck, bietet einen vernünftigen Motor und kostet bei besserer Ausstattung weniger.
| Fahrzeugdaten |
Kia |
VW |
| Motor Bauart/Zyl./Einbaulage |
Vierzylinder, vorn quer |
Vierzyl., Turbo-Kompr., vorn quer |
| Ventile/Nockenwellen |
4 pro Zylinder/2 |
4 pro Zylinder/2 |
| Nockenwellenantrieb |
Zahnriemen |
Kette |
| Hubraum |
1975 cm³ |
1390 cm³ |
| kW (PS) bei U/min |
105 (143)/6000 |
103 (140)/5600 |
| Nm bei U/min |
186/4600 |
220/1500 |
| Höchstgeschwindigkeit |
205 km/h |
205 km/h |
| Getriebe |
Fünfgang manuell |
Sechsgang manuell |
| Antrieb |
Vorderradantrieb |
Vorderradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten |
Scheiben/Scheiben |
Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung |
205/55 R16V |
205/55 R16V |
| Radgröße |
6 x16" |
6,5 x16" |
| Abgas CO2 |
174 g/km |
169 g/km |
| Verbrauch* |
9,7/5,9/7,3 l |
9,5/5,7/7,1 l |
| Tankinhalt/Kraftstoffsorte |
53 l/Super |
55 l/Super |
| Vorbeifahrgeräusch |
73 dB (A) |
74 dB (A) |
| Anhängelast gebr./ungebr. |
1500/550 kg |
1400/710 kg |
| Kofferraumvolumen |
534–1664 l |
505–1495 l |
| *innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km |
| Preise/Ausstattung |
Kia |
VW |
| Modell |
cee'd Sporty Wagon 2.0 CVVT EX |
Golf Variant 1.4 TSI Comfortline |
| Airbags Fahrer/Beif./Seiten vo. |
S/S/S |
S/S/S |
| Kopfairbags vorn/hinten |
S/S |
S/S |
| Metalliclack |
360 € |
472 € |
| Grundpreis |
20.700 € |
22.700 € |
| S=Serie |
| Kosten/Garantien |
Kia |
VW |
| Abgasnorm |
Euro 4 |
Euro 4 |
| Steuer pro Jahr |
135 € |
95 € |
| Typklassen HPF/VK/TK |
17/19/17 |
13/18/20 |
| Werkstattintervalle |
15.000 km/1 Jahr |
nach Anzeige/2 Jahre |
| Kosten Ölwechsel/Inspektion |
100/220 € |
180/500 € |
| Garantie/Gewährleistung |
Garantie |
Garantie |
| Technik/km-Begrenzung |
5 Jahre/150.000 km |
2 Jahre/ohne |
| Garantie gegen Durchrostung |
10 Jahre |
12 Jahre |
| Mobilitätsgarantie |
5 Jahre |
unbegrenzt |
| Messwerte |
Kia |
VW |
| Beschleunigung |
| 0–50 km/h |
3,0 s |
3,2 s |
| 0–100 km/h |
9,2 s |
9,3 s |
| 0–130 km/h |
15,1 s |
15,2 s |
| Elastizität |
| 60–100 km/h |
10,0 s (4. Gang) |
7,2 s (4. Gang) |
| 80–120 km/h |
15,1 s (5. Gang) |
13,0 s (6. Gang) |
| Leergewicht/Zuladung |
1346/544 kg |
1428/532 kg |
| Gewichtsverteilung v./h. |
60/40 % |
58/42 % |
| Wendekreis links/rechts |
11,1/11,1 m |
10,9/10,7 m |
| Bremsweg |
| aus 100 km/h kalt |
36,8 m |
37,1 m |
| aus 100 km/h warm |
38,2 m |
37,8 m |
| Innengeräusch |
| bei 50 km/h |
61 dB (A) |
62 dB (A) |
| bei 100 km/h |
67 dB (A) |
67 dB (A) |
| bei 130 km/h |
69 dB (A) |
69 dB (A) |
| Testverbrauch – Test CO2 |
7,9 l – 188 g/km |
7,8 l – 186 g/km |
| Reichweite |
670 km |
710 km |
| Die Wertung |
Punkte max. |
VW |
Kia |
| Karosserie |
| Platzangebot |
30 |
26 |
25 |
| Kofferraum/Variabilität |
20 |
13 |
15 |
| Zuladung (Anhängelast) |
20 |
18 |
20 |
| Sitze/Sitzposition |
30 |
27 |
26 |
| Raumgefühl/Rundumsicht |
20 |
16 |
15 |
| Ausstattung/Bedienbarkeit |
30 |
26 |
27 |
| Sicherheitsausstattung |
30 |
20 |
22 |
| Qualitätseindruck/Materialien |
20 |
18 |
16 |
| Zwischenergebnis |
200 |
164 |
166 |
| Antrieb/Fahrwerk |
| Motoreigenschaften |
20 |
18 |
16 |
| Beschleunigung/Vmax |
30 |
24 |
24 |
| Elastizität |
20 |
16 |
13 |
| Fahrverhalten |
30 |
29 |
27 |
| Fahrgeräusche |
10 |
7 |
7 |
| Fahrkomfort |
20 |
17 |
16 |
| Getriebe/Schaltung |
20 |
19 |
16 |
| Lenkung/Wendekreis |
20 |
19 |
15 |
| Bremsen |
30 |
18 |
18 |
| Zwischenergebnis |
200 |
167 |
152 |
| Kosten |
| Steuer/Versicherung |
20 |
13 |
10 |
| Verbrauch/Umwelt |
40 |
34 |
33 |
| Garantie |
20 |
11 |
17 |
| Wartung |
20 |
17 |
13 |
| Aufpreisgestaltung |
10 |
8 |
4 |
| Wiederverkauf* |
10 |
9 |
7 |
| Grundpreis |
80 |
36 |
46 |
| Zwischenergebnis |
200 |
128 |
130 |
| *ermittelt von Bähr&Fess Forecasts/Saarbrücken |
| Gesamtpunktzahl |
600 |
459 |
448 |
| Platzierung |
|
1. |
2.** |
| ** Preis-Leistungs-Sieger |