Kia K9: Fahrbericht

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Kia K9: Fahrbericht

— 05.12.2013

So fährt der neue Kia K9

Der K9 soll nach Kias Vorstellungen ganz oben mitfahren. Die Koreaner wollen mit ihrem neuen Oberklasse-Auto ernsthaft mit dem BMW 7er und der Mercedes S-Klasse konkurrieren. AUTO BILD ist den Über-Kia gefahren.

Kia will das automobile Oberhaus aufmischen und tritt mit dem neuen Flaggschiff K9 allen Ernstes gegen Autos wie die Mercedes S-Klasse und den  BMW 7er an. Was klingt, wie der Blech gewordene Größenwahn, ist auf den ersten Blick gar nicht so weit hergeholt. Denn nicht nur das von Peter Schreyer entworfene Design des 5,09 Meter langen Luxusliners wahrt geschickt die Balance zwischen Protz und Prestige und sieht dabei so geschickt nach 7er aus, dass der K9 nicht wie eine billige BMW-Kopie wirkt. Vor allem Ambiente und Ausstattung können auf Anhieb überzeugen. Es duftet überall nach Lack und Leder und die Hölzer sehen weniger nach Vinyl als nach Furnier aus. Im Fond reist man auf klimatisierten Liegesesseln, greift den Champagner aus dem Kühlfach, lässt den Beifahrersessel auf Knopfdruck beinahe im Handschuhfach verschwinden und belohnt sich für einen langen Arbeitstag mit ein paar spannenden Filmen auf den DVD-Monitoren.

Das Steuerrad im Kia K9 lässt sich genau so intuitiv bedienen, wie bei den Oberklasse-Konkurrenten, die der Kia herausfordert.

Als Fahrer fühlt man sich so wichtig wie der Kapitän eines Kreuzfahrtriesen, wenn man auf dem imposanten Sessel hinter dem stolzen Lenkrad thront. Und wenn man sich erst mal vom erschreckenden Anblick der vielen Knöpfe erholt hat, findet man sich selbst in einem rein koreanischen Auto überraschend gut zurecht. Der Drehregler auf dem Mitteltunnel funktioniert mindestens so gut wie der i-Drive von BMW, die komplett animierten Instrumente sind brillant und übersichtlich und irgendwie müssen die vielen Assistenz- und Komfortsysteme ja bedient werden. Denn technisch steht der K9 seiner europäischen Konkurrenz kaum nach. Im Gegenteil: Selbst das bei der S-Klasse auch nach dem Generationswechsel noch nicht lieferbare Head-up-Display haben die Koreaner eingebaut, von einer automatischen Abstandsregelung, der Hilfe beim Spurwechsel oder der Kameraüberwachung aus der Vogelperspektive beim Rangieren gar nicht zu reden. Sogar LED-Scheinwerfer hat Kia seinem Flaggschiff spendiert, es gibt natürlich einen mobilen Hotspot und die Navigation warnt nicht nur vor Staus und Radarfallen, sondern sogar vor den allgegenwärtigen Temposchwellen im Asphalt, die auch die weichste Luftfederung an ihre Grenzen bringen.

Absoluter Zeitgeist: Digitale Instrumente im Cockpit, gestochen scharf und gut abzulesen.

Nur die Sache mit der Sprachsteuerung will noch nicht so recht funktionieren – aber das mag auch am schlechten Koreanisch der Langnasen bei der ersten Testfahrt liegen. Das Design stimmig, standesgemäß und grundsolide, das Ambiente vornehm wie auf der Chefetage, der Komfort mustergültig, das Platzangebot großzügig, die Ausstattung üppig  und das Heer der Assistenzsysteme auf der Höhe der Zeit – solange man sich mit dem K9 durch die Rushhour von Seoul chauffieren lässt, fehlt einem kaum etwas zu S-Klasse & Co. Erst auf der Autobahn hinaus zum Flughafen machen sich dann doch ein paar Unterschiede bemerkbar. Die Luftfederung bügelt die Betonfugen selbst im Komfortmodus eher schlampig aus, so dass hinten schon mal der Tee aus dem Becherhalter schwappt.

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Ab Tempo 100 rauscht und pfeift der Fahrtwind so kräftig, dass man das Rear-Seat-Entertainment ein bisschen lauter drehen muss. Und wenn man zwischendurch mal die vielen Radarkameras genauso ignoriert wie das Tempolimit von 110 km/h, dann spürt man schnell, wie sehr sich der 3,8 Liter große V6-Motor mit seinen 334 PS anstrengen muss. Die sonst so seidenweiche und geisterhafte Automatik wechselt die acht Gänge dann zwar spürbar aggressiver, ein maximales Drehmoment von rund 400 Newtonmetern ist eigentlich nicht schlecht und man fühlt förmlich, wie sich die Hinterräder in den Asphalt krallen. Doch ein echter Punch will dem immerhin 1,9 Tonnen schweren K9 nicht gelingen und jenseits von 180 Sachen wirkt der Luxusliner seltsam lahm und langatmig. Bis er tatsächlich das versprochene Spitzentempo von 240 km/h schafft, braucht man deshalb ein bisschen Geduld.

Die Seitenansicht zeigt, wo die Reise hingeht: eine stilsichere BMW-"Kopie".

Kein Wunder, dass die Koreaner für den Export eifrig an einem fünf Liter großen V8 mit etwa 450 PS arbeiten, mit dem ihr Flaggschiff auch auf der Überholspur den für einen Nachzügler nötigen Biss entwickelt. Dann könnte es auch in Ländern klappen, wo das Tempolimit etwas lockerer oder das Netz der Kontrollen weitmaschiger ist. Zwar haben die Koreaner mit dem Angriff aufs Establishment erst einmal daheim begonnen, wo sie naturgemäß besonders stark sind und ihnen neben dem Lokalpatriotismus auch die Beschaffungspolitik von Firmen und Behörden in die Hände spielt. Dass man in Seoul deshalb längst mehr K9 als Oberklasse-Limousinen aus Europa sieht, darf einen deshalb nicht wundern. Zumal es das Flaggschiff aus Fernost in der Basisversion mit einem 300 PS starken 3,3-Liter-V6 schon ab 52 Millionen Won und voll ausgestattet für etwa 100 Millionen Won gibt, während die S-Klasse und der 7er in den koreanischen Preislisten erst bei rund 120 Millionen Won starten.

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Kia K900 Kia K900 Kia K900
Doch beflügelt vom Erfolg in der Heimat wagt sich Kia mit seinem Luxusliner jetzt auch auf andere Märkte: "Wir sind so überzeugt von unserem Flaggschiff, dass wir es als K900 nun erstmals in den USA einführen und damit auf der LA Auto Show Premiere gefeiert haben", sagt Auslandschef Thomas Oh. Und dabei soll es nicht bleiben, lässt der Manager einen ambitionierten Expansionsplan durchblicken. Weitere Märkte in Asien, in den Emiraten und wahrscheinlich auch in Osteuropa sollen bald folgen. Nur um Zentraleuropa und erst recht um Deutschland will er noch einen großen Bogen machen. Nicht dass er dem K9 gegen S-Klasse & Co keine Punkte zu trauen würde. "Doch um gegen diese Platzhirsche in ihrer eigenen Heimat zu bestehen, braucht man eine extrem starke Marke. So weit ist Kia noch nicht", räumt er selbstkritisch ein. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, sagt der Manager: "In zwei, drei Jahren könnte das schon ganz anders aussehen."

Fahrbericht: Kia K9

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Autor: Thomas Geiger

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