Kia Rio: Fahrbericht

Kia Rio: Fahrbericht

— 08.07.2011

Samba auf Koreanisch

Premium fr unter 10.000 Euro? Klar, meint Kia und schickt im September 2011 den neuen Rio an den Start. AUTO BILD war bereits jetzt mit dem Polo-Konkurrenten unterwegs.

Rio: Das klingt nach Karneval und Caipirinha, nach Sonne, Samba und nach heien Nchten unterm Zuckerhut. Kaum jemand denkt dabei an koreanische Kleinwagen zumal diese das Blut bislang so wenig in Wallung brachten wie ein Teller Kimchi (koreanisches Nationalgericht) den Speichelfluss von europischen Gourmets. Appetit machte bei Kia & Co vor allem der Preis. Knftig knnte er sogar Heihunger wecken, denn die Autobauer aus Namyang haben den Rio (noch) billiger gemacht. Mit 9990 Euro kostet die dritte Auflage des Polo-Rivalen nicht nur satte 2000 Euro (!) weniger als ihr farbloser Vorgnger. Den Wolfsburger Platzhirsch unterbietet der Kia mit vergleichbarer Motorisierung sogar um mehr als 3500 Euro! Wermutstropfen: Das Grundmodell "Attract" gibts nur in Wei. Wer seinen Rio bunter oder besser ausgestattet mag, ist ab 10.500 Euro dabei.

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Video: Kia Rio

Starker Polo-Konkurrent

Mittlerweile kann der um zwei Zentimeter auf 4,05 Meter gewachsene Koreaner aber nicht mehr nur mit kleinen Kosten und mit grozgigen Garantien (sieben Jahre!) punkten. Kia-Chefdesigner Peter Schreyer (aus seiner Feder stammt unter anderem der Audi TT) hat mit ein paar Pinselstrichen auch den Grauschleier vom Blech gefegt, der so zh ber dem Rio hing wie der Morgendunst ber Koreas Hauptstadt Seoul. Stmmig wie sein groer SUV-Verwandter Sportage steht er jetzt auf den Rdern, schnuppert durch die von Dioden-Lichtbndern gerahmte "Tiger-Nase" Khlluft und tritt (O-Ton Kia) "sexy und erfrischend sportlich auf". Schreyer schreckt nicht mal davor zurck, das von sddeutschen Edelmarken gepachtete Wort "Premium-Anspruch" in den Mund zu nehmen.

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Wer auf Luxus abfhrt, bekommt Touchscreen-Navi, Rckfahrkamera und Ledersitze.

Alles nur Premieren-Lyrik? Nein. Im Innenraum lsst sich mit Hnden greifen, was er meint. Softe Kunststoffe haben dort die Oberhand gewonnen und das Hartplastik auf kleine Inseln zurckgedrngt. Hinter dem (auf Wunsch beheizbaren) Lenkrad kommen auf rckenfreundlich straffen Sitzen mit groem Verstellbereich nicht nur zierliche Koreaner, sondern auch robust gebaute Europer bequem unter. Das Raumgefhl ist mehr Kompaktklasse als Kleinwagen, oder auf gut Deutsch: mehr Golf als Polo. Und wer auf Luxus abfhrt, bekommt wie bei den Groen Touchscreen-Navi, Rckfahrkamera und Ledersitze. Parkpiepser sollten sich allerdings auch Pfennigfuchser gnnen, denn der modische Look ansteigende Grtellinie, viel Blech und kleine Fenster schrnkt die Sicht nach hinten schmerzhaft ein.

Zum Hndlerstart im September 2011 liefern die Koreaner vier Motoren, zwei Benziner (1,2 Liter/85 PS, 1,4 Liter/109 PS) und zwei Diesel (1,1 Liter/70 PS, 1,4 Liter/90 PS). Der kleinere der beiden Letzteren soll mit 3,2 Liter Verbrauch eine neue Bestmarke setzen und schickt mit einem CO2-Aussto von 85 Gramm pro Kilometer sogar den Klassenprimus Polo Bluemotion zum Nachsitzen. Respekt! Leider schrumpfte durch den ko-Ehrgeiz das brasilianische Feuer, das der Name Rio verspricht, auch bei den Toptriebwerken zur koreanischen Spar-Flamme. Der 1,4-Liter-Benziner, bekannt aus dem Venga, wirkt enttuschend schlapp, fhlt sich eher nach 80 als nach 109 PS an und kommt in den groen Gngen kaum noch aus dem Kreuz. Wer zgig unterwegs sein will, muss hufig schalten und in Regionen oberhalb von 4000 U/min vorstoen Verbruche mit einer Fnf vorm Komma sind dann Wunschdenken. Auch der hubraumgleiche 90-PS-Diesel ist kein Temperamentsbolzen. Erst ab 2500 Touren wird er munter, luft dafr aber sehr weich und leise. Fr alle Motoren liefert Kia gegen Aufpreis eine Start-Stopp-Automatik, die den Durst im Stadtverkehr drosselt.

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Whrend Kia der elektrischen Servolenkung bis zum Verkaufsstart noch das knstlich-wabbelige Spielkonsoeln-Feeling austreiben sollte, wirkten Federungskomfort und Fahrstabilitt bei unserer ersten Probefahrt bereits sehr ausgewogen. Straff, aber gelassen pariert der Rio Bodenwellen. Und weil ESP ab Werk an Bord ist, wackelt Kias Neuer beim Kurven-Samba auch nicht mit den Hften. Prima. Denn leidenschaftlich genug ist er auch so.

Allgemeine Daten Kia Rio: Lnge/Breite/Hhe 4045/1720/1455 mm Radstand 2570 mm Kofferraum 288 bis 923 Liter Tankvolumen 43 Liter.
Technische Daten Kia Rio
1.1 CRDi 1.4 CRDi 1.2 Benziner 1.4 Benziner
Motor Bauart/ Zylinder/ Einbaulage 3 Zyl., Turbo, vorn quer 4 Zyl., VTG-Turbo, vorn quer 4 Zyl., vorn quer 4 Zyl., vorn quer
Hubraum 1120 cm3 1369 cm3 1248 cm3 1396 cm3
PS bei U/min 75/4000 90/4000 85/6000 109/6300
Nm bei U/min 170/1500-2750 220/1750-2750 121/4000 137/4200
Getriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell Fünfgang manuell Sechsgang manuell (4-Stufen-Aut. Option)
Beschleunigung 0-100 km/h 16,1 s 14,2 s 13,1 s 11,5 s
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h 172 km/h 168 km/h 183 km/h
Verbrauch (EU-Mix) 3,2 Liter Diesel/100 km 3,8 Liter Diesel/100 km 4,8 Liter Super/100 km 5,1 Liter Super/100 km
CO2 85 g/km 100 g/km 109 g/km 119 g/km
Grundpreis 9990 Euro

Martin G. Puthz

Martin G. Puthz

Fazit

Bei der dritten Rio-Generation haben die Koreaner alle Register gezogen. Optik und Technik lassen viele Mitbewerber alt aussehen, der knallhart kalkulierte Einstiegspreis ist eine kleine Sensation. Als Sahnehubchen locken sieben Jahre Garantie. Was soll da noch schiefgehen? Wertung: vier von fnf Sternen.

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