Kia Rio vs. VW Polo

Kia Rio/VW Polo: Test

— 29.04.2015

Siegt Korea erneut?

Vor ein paar Wochen gewann Hyundais i20 gegen den VW Polo. Jetzt versucht der modellgepflegte Kia Rio sein Glück im Vergleich mit dem Wolfsburger.

Der Polo gilt ja als sicherer Tipp in der Kleinwagenklasse. Der Wolfsburger fährt äußerst erwachsen, kann (fast) alles, man darf sich überall damit sehen lassen. Nebenbei gewinnt er Vergleichstests wie die Casinobetreiber beim Roulette – am Ende irgendwie immer. Von einem ganz bestimmten Konkurrenten jedoch können wir uns vorstellen, dass er den Tisch als Sieger verlässt. Es ist der Kia Rio. Warum gerade der?

Der Rio will den Sieg seines Technikbruders i20 wiederholen

Facelift: Kia hat am 2015er Modell des Rio einige Verbesserungen vorgenommen. Reicht das zum Sieg?

Zum einen hat der Hyundai i20 – ein enger Verwandter des Rio – jüngst dem Polo gezeigt, wo der Croupier die Locken hat. Außerdem haben wir den Rio schon häufiger als unauffällig und angenehm unkompliziert bewertet. Tugenden, die einem Kleinwagen besonders gut stehen. Am 2015er Modell des Rio hat Kia noch einmal ordentlich herumgefeilt und mehr Ausstattung und Technik in den vier Meter kurzen Fünftürer gestopft. Also: Kia oder VW – den besseren Kleinwagen findet man nicht durch Zockerglück, sondern beim Studieren eines AUTO BILD-Vergleichstests. Es treten an: Der Polo 1.2 TSI mit 90 PS (kostet in unserer Konfiguration 19.070 Euro) und der 15.790 Euro teure Rio 1.2 Spirit mit 84 PS. Trotz ähnlicher Eckdaten – ein entscheidendes Detail trennt die beiden. Unter der Motorhaube des Polo schnauft ein Turbolader. Das soll dem VW mehr Durchzug und Laufkultur bringen, gleichzeitig den Verbrauch drücken.
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Der Turbomotor verleiht dem Polo einen guten Durchzug

Geschmeidig und stark: Der aufgeladene Vierzylinder des Polo lässt eine schaltfaule Fahrweise zu.

Und, klappt's? Na ja, sagen wir, zur Hälfte. Denn mit 5,7 Liter Durchschnittsdurst trinkt der VW exakt so viel Benzin wie der 1.2er-Schlichtmotor des Kia. Was jedoch den Arbeitseifer der TSI-Maschine im Polo angeht, entfaltet die Aufladung ihre Wirkung vorbildlich. Der kleine Benziner drückt die Leistung geschmeidiger heraus, so lässt sich das Auto schaltfauler fahren, es zieht um Welten besser durch, wirkt reifer. Der Vierzylinder im Kia kräht (bei höheren Drehzahlen) angestrengter, braucht ordentlich Touren, um Tempo zu machen. Analog zum Motorcharakter fühlt sich der Rio auch im Fahrbetrieb nervöser an. Vom Geräusch her etwas dünnblechig, in schnell gefahrenen Kurven weniger unbeirrbar und schüchterner auf der Bremse. Kurz: in den meisten Lebenslagen nicht so geschliffen wie der VW. In einem Punkt dürfte sich der Polo jedoch gerne etwas abgucken: Die Federung des Kia spricht feiner an, gibt auf langen Wellen mit Komfort nach und steckt auch unter voller Beladung die meisten Angriffe durch hinterhältige Buckel im Asphalt weg.
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Beide Kleinwagen haben ihre unbestreitbaren Vorteile

Fahrspaß vs. Nutzwert: Der VW Polo gibt den Dynamiker, mit dem Kia Rio gelingt der Alltag besser.

Der Polo staucht an gleicher Stelle zusammen, die Anschlagpuffer ächzen. Dicker Trost: Der Polo kann auch flitzen – sprich Spaß bereiten. Die Lenkung reagiert wacher, das ESP wurschtelt nicht gleich bei jedem zackigen Abbiegemanöver stabilisierend im Bremssystem herum, und der Motor mag auch mal "gedreht" werden. Etwas Dynamik darf schon sein. Im Alltag hingegen hat der Rio die besseren Karten. Im Innenraum geht es subjektiv luftiger zu, und hinten steht auch messbar mehr Platz zur Verfügung. Seinen Bonus in puncto Ausstattung nimmt man natürlich ebenfalls gern mit. Zum Beispiel verfügt ein Rio Spirit ab Werk über eine Klimaautomatik und sogar hintere Kopfairbags. Dabei kostet er über 3000 Euro weniger. Für einen Sieg reicht es dennoch nicht ganz. Was fehlt, verrät der Konzernbruder Hyundai i20 sicherlich gern.
Fahrzeugdaten Kia VW
Modell Rio 1.2 CVVT Spirit Polo 1.2 TSI BMT Highline
Motor Vierzylinder Vierzylinder, Turbo
Einbaulage vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Zahnriemen
Hubraum 1248 cm³ 1197 cm³
kW (PS) bei 1/min 62 (84)/6000 66 (90)/4800
Nm bei 1/min 121/4000 160/1400
Vmax 168 km/h 184 km/h
Getriebe Fünfgang manuell Fünfgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 205/45 R 17 W 215/45 R 16 H
Reifentyp Continental SportContact 5 Dunlop SP Sport Maxx
Radgröße 6,5 x 17" 7 x 16"
Abgas CO2 109 g/km 107 g/km
Verbrauch* 5,9/4,1/4,7 l 6,0/4,0/4,7 l
Tankinhalt 43 l/Super 45 l/Super
Kältemittel R134a R134a
Vorbeifahrgeräusch 72 dB (A) 70 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 900/450 kg 1000/550 kg
Kofferraumvolumen 288-923 l 280-952 l
Länge/Breite/Höhe 4050/1720-1985**/1455 mm 3972/1682-1901**/1453 mm
Testwagenpreis 15.790 Euro 19.070 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** Breite mit Außenspiegeln
Messwerte Kia VW
Beschleunigung
0–50 km/h 3,9 s 3,7 s
0–100 km/h 13,2 s 11,7 s
0–130 km/h 22,4 s 20,0 s
Elastizität
60–100 km/h 14,8 s (4. Gang) 11,0 s (4. Gang)
80–120 km/h 22,3 s (5. Gang) 17,7 s (5. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1121/439 kg 1140/480 kg
Gewichtsverteilung v./h. 60/40 % 61/39 %
Wendekreis links/rechts 11,3/11,1 m 10,7/10,8 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 37,3 m 36,9 m
aus 100 km/h warm 36,8 m 34,9 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 61 dB (A) 60 dB (A)
bei 100 km/h 69 dB (A) 68 dB (A)
bei 130 km/h 72 dB (A) 71 dB (A)
Testverbrauch – CO2 5,7 l – 136 g/km 5,7 l – 136 g/km
Reichweite 740 km 780 km

Neuer Kia Rio gegen VW Polo

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: VW Polo 1.2 TSI Highline und Kia Rio 1.2 CWT Spirit (Vergleichstest)

Veröffentlicht:

10.04.2015

Preis:

1,00 €


Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Der Rio ist recht hemdsärmelig im Wesen, dafür günstiger als der VW und ohne größere Fehler. Der Polo ist rundum reifer, erwachsener, was seinen Antrieb angeht, sogar funktionaler als der Koreaner. Unser Urteil ist somit eindeutig: der VW ist in diesem Vergleich die bessere Wahl.

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