Kia Sportage (2010): Fahrbericht

Kia Sportage (2010) Kia Sportage (2010)

Kia Sportage (2010): Fahrbericht

— 25.05.2010

Mehr Schein als Sein?

Einen Kia soll man künftig mit dem Herzen kaufen, nicht mehr nur des Preises wegen. Aus dem neuen Sportage hat Designer Peter Schreyer deshalb ein "Objekt der Begierde" gemacht. Reicht es für die Liebe auf den ersten Blick?

Koreaner mögen es scharf. Im Gegensatz zur Küche waren ihre Autos bislang jedoch weitgehend aromafrei; Appetit machte vor allem der Preis. Seit mit Thomas Bürkle (Hyundai) und Peter Schreyer (Kia) zwei Deutsche am Design-Herd stehen, dürfen aber auch die Emotionen hochkochen. Schluss mit fader Einheitskost! Schreyer, der zu Audi-Zeiten den Kult-Sportler TT gezeichnet hat, sieht im neuen Sportage sogar ein "Objekt der Begierde". Eigenständiger als früher ist er jedenfalls. Zwar teilt sich das kompakte SUV die Plattform nach wie vor mit dem Hyundai ix35 (früher Tucson). Auch laufen die Europaversionen beider Autos in der Slowakei vom gleichen Band. Stilistisch gehen die Konzernbrüder jedoch getrennte Wege. Dem fetzigen Kanten-Mix des Hyundai setzt Kia profilierte Bulligkeit entgegen – frei nach dem Motto: viel Blech und kleine Fenster. Und statt durch den markanten Sechskant-Grill schnüffelt der Sportage seine Kühlluft durch die "Tiger-Nase".

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Tiger-Nase? Wer sich mit der Schreyer-Lyrik schwer tut, könnte auch sagen: Sportage Nummer drei ist kein farbloser Mitläufer mehr, sondern ein Typ mit Gesicht. In der Länge hat der Tiguan-Rivale um neun Zentimeter zugelegt; mit 4,40 Meter überragt er nun den deutschen Klassen-Platzhirsch knapp. Der Radstand fällt mit 2,64 Metern sogar fast vier Zentimeter länger aus als beim VW. Da sich der Blech-Body sechs Zentimeter flacher auf die Straße duckt als früher und zudem leicht in die Breite ging, steht der Kia-Neuling betont stämmig auf den Rädern.

Überblick: Alle News und Tests zu Kia

Schörkelloses Cockpit, wie einst bei BMW dem Fahrer zugeneigt.

Auch innen entdeckt das Auge die Hyundai-Verwandtschaft höchstens auf den zweiten Blick. Rasch hat man sich hinterm Lenkrad bequem eingerichtet – auch, weil sich das Steuer, anders als bisher, nicht nur in der Höhe, sondern auch in der Weite verstellen lässt. Die Bedienung: ein Kinderspiel. Rätselfreie Armaturen, klare Instrumente, keine unnötigen Spielereien – hier erklärt sich alles von allein. Die Atmosphäre: wohnlich, wenn auch eher nüchtern. Klar erkennbar ist das Bemühen um einen guten Qualitätseindruck; ganz auf Hartplastik verzichtet hat Kia aber nicht. Die Sitze bieten selbst stattlichen Europäern genug Seitenhalt und ausreichende Verstellmöglichkeiten.

Zu gebrauchten Traumwagen!

Beim Thema Variabilität enttäuscht der Sportage allerdings: Wer die hinteren Lehnen umklappt, kann den Kofferraum zwar von 480 auf 1353 Liter erweitern. Ganz eben wird die Ladefläche aber nicht, und eine verschiebbare Rückbank gibt es ebenso wenig wie einen klappbaren Beifahrersitz. Auch die Übersicht ist nicht das Gelbe vom Ei: Schmale Fenster und breite C-Säulen behindern den Blick. Wo die Karosserie vorne zu Ende ist, lässt sich lediglich erahnen; Parkpiepser sind deswegen ein Muss. Die elektrische Servolenkung macht das Rangieren zu einer leichten Übung. Wer gern flott die Kurve kratzt, würde sich vom Steuer jedoch ein klarer definiertes Ansprechen wünschen. Kia feilt zwar noch an der Europa-Abstimmung. Bei einer ersten kurzen Probefahrt mit der Asien-Version auf dem Kia-Testgelände in Namyang wirkten Federungskomfort und Kurvenfestigkeit jedoch bereits sehr ausgewogen.

Zum Start nur zwei Motoren

Zum Händlerstart Anfang August 2010 liefern die Koreaner zunächst zwei Motoren, einen Benziner mit 163 PS und einen Diesel mit 136 PS. Beide Zweiliter-Aggregate verbrauchen weniger als ihre Vorgänger (7,5 bzw. 5,5 Liter/100 km) und erfüllen die Euro-5-Norm. Der Diesel tönt unter Last kernig, verfällt beim Cruisen allerdings in sanftes Brummen. Für Sparfüchse lohnt sich das Warten auf die beiden Triebwerks-Neuzugänge: Ein 1,6-Liter-Benzindirekteinspritzer (der erste bei Kia!) mit 140 PS und ein 1,7 Liter-Diesel (115 PS) ergänzen die Palette gegen Jahresende. Beide werden (vermutlich gegen Aufpreis) mit einer Start-Stopp-Funktion erhältlich sein, die den Spritdurst zügelt und vor allem im Stadtverkehr ihre Stärken ausspielt. Dort findet der Sportage sein bevorzugtes Revier. Allradantrieb und eine Geschwindigkeits-Begrenzertaste zum Bergabkraxeln gibt es zwar weiterhin (Aufpreis etwa 1800 Euro). Die von 19,5 auf 17,2 Zentimeter reduzierte Bodenfreiheit zeigt aber, dass der Kia weniger durch echtes Gelände tigern will als den Dschungel der Großstadt erobern. Bei Preisen etwa auf Vorgänger-Niveau und damit einem Starttarif knapp unter 20.000 Euro sollte das nicht weiter schwerfallen.

Technische Daten Kia Sportage 2.0 CRDi 4WD Automatik Vierzylinder, vorn quer, Turbo • 4 Ventile pro Zylinder • 1995 cm3 • 100 kW (136 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment 304 Nm bei 1800 bis 2500/min • Allradantrieb • 6-Stufen-Automatik • L/B/H 4440/1855/1635 mm • Kofferraum 480 bis 1353 Liter • 0-100 km/h 12,1 s • Spitze 180 km/h • EU-Mix k.A. • CO2 k.A. • Preis: noch offen.
Martin G. Puthz

Martin G. Puthz

Fazit

So kommt Kia aus der Mauerblümchen-Ecke. Der Sportage ist ein Hingucker, Preis und Technik passen in die Zeit. Sieben Jahre Garantie als Sahnehäubchen: Was soll da noch schiefgehen? Aufpassen müssen jetzt vor allem die Japaner: Korea ist drauf und dran, ihnen den Schneid abzukaufen – mit der gleichen Strategie, die sie einst groß gemacht hat: qualitativ gute Autos zu erschwinglichen Kosten.

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