Test mit Killer-Kältemittel R1234yf

TÜV-Sicherheitsbescheinigung für R1234yf Anton Hofreiter Zentrale TÜV Rheinland

Killer-Kältemittel R1234yf: TÜV Rheinland testet

— 13.06.2013

Behörden beauftragen Skandal-TÜV

Das KBA lässt das umstrittene Kältemittel R1234yf testen. So weit, so gut. Prüfen soll jedoch ausgerechnet der TÜV Rheinland, dessen Neutralität auf diesem Gebiet höchst fragwürdig ist.

Der TÜV Rheinland wird im Auftrag des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) die Versuche durchführen, mit denen eine mögliche Gefährlichkeit des Klimaanlagen-Kältemittels R1234yf in Autos untersucht werden soll. Pikant daran: Mit dem TÜV Rheinland hat das KBA ausgerechnet die Prüforganisation beauftragt, die R1234yf bereits mehrfach seine Sicherheit bescheinigt hat. Beobachter stellen sich nun die Frage, ob von diesem TÜV die vom KBA gewünschten unabhängigen Ergebnisse zu erwarten sind.

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So berichtete AUTO BILD im März 2012 über die Verstrickung des TÜV Rheinland mit dem Killer-Kältemittel R1234yf.

Anton Hofreiter von den Grünen, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag, erklärte auf AUTO BILD-Nachfrage, es sei "sehr fragwürdig und anrüchig, wenn ausgerechnet das Institut mit einer Fragestellung beauftragt würde, das bereits zuvor die Antworten gegeben hat". Gegebenenfalls will Hofreiter über eine sogenannte Frage an die Bundesregierung Auskunft darüber verlangen, wie es zur KBA-Entscheidung für den TÜV Rheinland gekommen ist. Der TÜV Rheinland bestätigte gegenüber AUTO BILD den Prüfauftrag, verwies aber für weitere Informationen auf eine Vetraulichkeitsvereinbarung mit dem KBA. In einem jüngst zum Thema R1234yf geführten Gespräch hatte ein Sprecher jedoch ausdrücklich betont, dass man in der Lage sei, jedes Projekt mit der gleichen Unabhängigkeit zu bearbeiten.

R1234yf: TÜV-Segen trotz fehlender Tests?

TÜV Rheinland

R1234yf: Versagen die Behörden?

Video: Killer-Kältemittel

Achtung, Lebensgefahr!

Das Kraftfahrt-Bundesamt selbst erklärte auf Anfrage, man wolle sicherstellen, dass die R1234yf-Versuche ergebnisoffen durchgeführt werden. Der TÜV Rheinland sei als Partner gewählt worden, weil er bereits mehrfach im Zusammenhang mit dem Kältemittel R1234yf beauftragt wurde und "daher erhebliche Erfahrungen auf diesem Gebiet" habe. Die Unabhängigkeit werde gewährleistet, indem auch Behörden wie die Bundesanstalten für Materialprüfung und für Straßenwesen (BAM und BaSt) sowie das Umweltbundesamt die Versuche begleiten. KBA-Ingenieure würden die Versuchsparameter festlegen und bei allen Tests anwesend sein, so der Behördensprecher.

Kältemittel: TÜV-Segen trotz fehlender Tests?

Deutsche TÜV-Organisationen sind zuletzt immer wieder in die Kritik geraten: Prüfsiegel des TÜV, die Hersteller gleichsam als Auszeichnung für ihre Produkte werbewirksam nutzen, wurden unter fragwürdigen Bedingungen vergeben. Beispiele für TÜV-Skandale in den vergangenen Jahren: Brustimplantate aus Industriesilikon, riskante Geldanlageprodukte, unwirksame Klimaschutzprojekte.

Der TÜV Rheinland ist in Sachen Kältemittel-Test verbrannt, meint AUTO BILD-Redakteur Matthias Moetsch.

Kommentar von Redakteur Matthias Moetsch: Würden Sie Karl-Theodor zu Guttenberg zum Doktorvater, Tom Cruise zum Sektenbeauftragten oder einen Bock zum Gärtner machen? Die deutschen Behörden haben es getan. Ausgerechnet der TÜV Rheinland soll im Auftrag des Kraftfahrt- Bundesamts (KBA) Tests durchführen, die darüber entscheiden, ob das höchst umstrittene Kältemittel R1234yf verwendet werden kann. Wir erinnern uns: Das ist jener TÜV, den R1234yf-Hersteller Honeywell in seiner Broschüre als Entwicklungshelfer nennt. Jener TÜV, der das Killer-Kältemittel in einer Verbraucherinformation als "sicher und umweltfreundlich" einstufte, ohne eigene Versuche durchgeführt zu haben. Jener TÜV, der im Auftrag von R1234yf-Befürworter GM/Opel die öffentliche Meinung mit einem dilettantischen Crashtest zu drehen versuchte.

Selbst wenn der TÜV Rheinland technisch in der Lage wäre, einen objektiven Test abzuliefern – politisch ist er verbrannt! Es geht hier um eine entscheidende Weichenstellung, um einen möglichen neuen Weltstandard und mithin um viele Milliarden Euro. Angesichts der Tragweite lässt die Auswahl ausgerechnet dieser Prüforganisation nur zwei Lesarten zu: Entweder sind die entscheidenden Herrschaften beim KBA komplett ahnungslos – oder an der Sache ist etwas richtig faul.

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