Kinostart "White House Down"

— 06.09.2013

Obamas Limo im Härtetest

Ab sofort spielt Roland Emmerichs Blockbuster "White House Down" in den deutschen Kinos. In einer der Hauptrollen: die US-Staatskarosse, das "Beast". autobild.de hat sich mit dem Macher der Repliken, Cyril O'Neal, unterhalten.



Roland Emmerich lässt wieder mal das Weiße Haus in Schutt und Asche sinken.

Bämmm! Das Weiße Haus steht in Flammen, und die Welt geht unter – zumindest fast. Glücklicherweise nicht wirklich (hoffentlich), sondern nur auf der Leinwand: Roland Emmerichs neuer Blockbuster "White House Down" spielt ab sofort (Start: 5. September 2013) in den deutschen Kinos. Wie schon in "Independence Day" und "2012" legt der in Deutschland geborene Star-Regisseur in einem furiosen Action-Thriller mal wieder das Weiße Haus in Schutt und Asche, doch darüber wollen wir hier nicht berichten.

Die rollende Festung: O'Bamas Beast

Zur Story nur so viel: Der mittellose Ex-Cop John Cale (Channing Tatum) bewirbt sich erfolglos als Leibwächter für US-Präsidenten James Sawyer (Jamie Foxx). Als er mit seiner Tochter Emily wenigstens das Weiße Haus besichtigen möchte, wird das Gebäude von US-amerikanischen Terroristen angegriffen. Versager John Cale mutiert zum Helden und flüchtet mit dem Präsidenten in dessen Staatslimousine aus dem Weißen Haus ...

Video: "White House Down"

Das Making of "the Beast"

Genau hier kommt Cyril O'Neal ins Spiel, denn er hat die Repliken des Autos gebaut. Der 43-Jährige hat einen Lebenslauf wie aus dem amerikanischen Bilderbuch: Er begann als Lkw-Fahrer bei Film-Sets, war dann zehn Jahre lang Fahrzeug-Koordinator bei Dreharbeiten und gründete schließlich vor elf Jahren in Los Angeles das Unternehmen "Ghostlight Industries". Seitdem liefert er Fahrzeuge für Film- und Computerproduktionen auf der ganzen Welt, zum Beispiel für "Das Bourne Vermächtnis", den jüngsten "Indiana Jones"-Streifen oder das Video-Game "Need for Speed". 350 Autos hat er auf seinen beiden, jeweils 6000 Quadratmeter großen Grundstücken in LA und Atlanta herumstehen, vom Rennwagen aus den 30er-Jahren und 50er-Jahre-Fiat über Militärtrucks, Polizeiwägen, Muscle Cars oder Müllautos bis hin zum nostalgischen Eiswagen.

Barack Obama: Dienstwagen-Panne in Israel

Vom Lkw-Fahrer zum ganz großen Hollywood-Tier: Cyril O'Neal.

Eines Tages nun klingelte O'Neals Telefon; dran war Graham Kelly, Fahrzeug-Koordinator bei Emmerichs "White House Down". Ob Cyril drei Beasts bauen könne? Klar. In zehn Wochen? Ähm. "Das ist verdammt wenig Zeit", sagt O'Neal, "normalerweise haben wir für ein Custom Car ein Jahr, manchmal auch anderthalb oder zwei." Und die Aufgabe war alles andere als einfach, denn Obamas Staatslimousine ist ja mitnichten der Cadillac DTS, nach dem er aussieht, sondern eine Spezialanfertigung auf Basis des Trucks Chevrolet Suburban. "Ich habe bei den Leuten vom Secret Service angerufen, die sich um das echte 'Beast' kümmern und gefragt, ob sie mir ein paar Infos, zum Beispiel die Abmessungen des Autos, geben können. Sie haben nur gesagt: Nein."

Anhand der Maße des Scheinwerfers errechnete das Team die Proportionen des "Beasts".

Also habe er sich Fotos des "Beasts" aus dem Internet gezogen, erzählt O'Neal. "Und da haben wir gesehen, dass die Scheinwerfer aussehen wie die vom 2009er Cadillac Escalade. Wir haben also einen ausgemessen und anhand seiner Maße sämtliche Proportionen des Beasts errechnet." Dazu gehören nicht nur die Länge, Breite und Höhe des Autos; auch die Dicke der gepanzerten Türen und Fenster, der Durchmesser der Endrohre oder die Größe des Rückspiegels sollten so exakt wie möglich denen des echten "Beasts" entsprechen.

Neue Panzer-Limo für Obama

Die Karosserie aus Fiberglas und Polyethylen ist handgeschnitzt.

Dann war echte Handarbeit gefragt. "Wir haben das Chassis eines 2004er Chevrolet Suburban verlängert und geweitet und darauf die Karosserie aus Fiberglas und Polyethylen gesetzt. Die haben wir von Hand geschnitzt! Normalerweise benutzen wir für so etwas Maschinen ..." Das echte Beast, so heißt es, besteht vor allem aus Stahl, Titan und Aluminium und wiegt deshalb angeblich acht Tonnen – O'Neals Variante bringt's nur auf die Hälfte, schließlich muss es nicht wirklich granatensicher sein, sondern nur so aussehen. Dafür sind die Repliken flotter unterwegs als Obamas Staatsschiff: Das schafft angeblich noch nicht einmal Tempo 100, "meine Autos laufen locker 160", meint O'Neal. Er hat seine Biester mit Technik aus dem Hause General Motors ausgerüstet: Der LS3-Motor kommt von der Corvette, das Automatikgetriebe 4L80E vom Chevy Suburban. Gut 500 PS und 575 Newtonmeter maximales Drehmoment kommen nicht ganz ans echte Beast dran, reichen aber für ordentliche Film-Verfolgungsjagden.

Stuntautos aus Skyfall

Stuntautos James Bond SKYFALL Stuntautos James Bond SKYFALL Stuntautos James Bond SKYFALL
Und das Interieur? "Keiner weiß genau, wie es da drinnen wirklich aussieht, also konnten wir da nicht viel falsch machen", sagt O'Neal lachend. "Es gibt Fotos vom Vorgängermodell, an die wir uns gehalten haben. Ich denke, wir sind ziemlich nah ans Original drangekommen." Roland Emmerich, so heißt es, sei von den biestigen Doppelgängern jedenfalls begeistert gewesen und habe deren Film-Sequenzen sogar ausgebaut.

Nur eines der Autos "überlebte" die Dreharbeiten völlig unversehrt.

Als die gedreht wurden, konnte Cyril O'Neal nicht zusehen. "Es wurde ja in Montreal gefilmt, und ich war zwar ein paar Mal am Set, aber nicht, als die Szenen mit den Autos aufgenommen wurden." Die wurden ordentlich rangenommen: Nur eines der drei Exemplare ist laut O'Neal nach den Filmarbeiten noch unversehrt, eines wurde schwer beschädigt, das dritte komplett zerstört. Macht ihn das eigentlich traurig, wenn seine Babies so misshandelt werden? "Nein", sagt der Custom Car Spezialist lachend, "ich wusste ja, dass sie nicht heile zurückkommen würden." Wiederbekommen hat er sie sowieso nicht: "Die stehen jetzt bei Columbia Pictures im Fundus." Vielleicht haben die Biester irgendwann ja noch einmal zum Einsatz – bei einem Preis von rund 150.000 Euro pro Stück wäre es schade, wenn sie nur so in der Garage herumstehen. Obwohl das für solch ein Schlachtschiff noch ein wirklich guter Preis ist: Obamas Original hat angeblich deutlich über eine Million Euro gekostet.

"White House Down": Das Making of der "Beast"-Repliken

"White House Down" Film von Emmerich The Beast Replika
Apropos Geld. In den USA ist die angeblich 150 Millionen Dollar teure Produktion gefloppt. Ob's daran liegt, dass Emmerich in seinem Film die US-Politik kritisiert, was die Amerikaner vielleicht nicht so gerne hören? Das ist in Deutschland spätestens seit der NSA-Spähaffäre anders. "White House Down" könnte also durchaus ein Kassenschlager werden, wenn das Publikum gnädig über die Hollywood-typischen, schwülstigen Patriotismusbekundungen hinwegsieht.

Autor: Maike Schade

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