Klassik-Test: Ford Taunus 1600 GXL

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Klassik-Test: Ford Taunus 1600 GXL

— 17.08.2012

Der fordert zum Vergleich heraus

Ein Auto mit auffallendem Styling, schlichter Technik und amerikanischen Manieren – vor allem, was die teigige Federung angeht. Was den Testern um 1970 als Nachteil erscheint, macht heute gerade den besonderen Reiz des Ford Taunus aus.

Es ist dieser blecherne Zinken, der ihn zum Charaktertypen macht. Und auf ewig mit "Bunkie" Knudsen (1912–1998) verbindet, dem Ford-Manager, der von GM kam und sich gern ins Design einmischte: So wuchs dem Ford Taunus seine Nase. Sie lässt vergessen, dass sein wahrer Stil von einer anderen Erfolgslinie abstammt. Lange Motorhaube, kurzes Heck, das hatte schon beim Mustang funktioniert und macht den Mittelklasse-Ford ab September 1970 zum Bestseller. Seine stattliche Größe sichert dem Nasen-Modell ein üppiges Raumangebot. Menschen im Fond reisen nicht als Zweite-Klasse-Passagiere. Großzügige Sessel unterstreichen den Eindruck eines Wohnzimmers auf Rädern.
Mittelklasse der 70er im Einzeltest
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Ein Hauch von L.A. in Lüdenscheid und Laasphe: Viel Chrom und schwellende Formen machten den Taunus zum Gesicht in der Menge.

©U. Sonntag

Speziell in der gehobenen GXL-Ausstattung bietet der Taunus gewissen Luxus. Imitiertes Wurzelholz und Zusatzinstrumente auf der Mittelkonsole schaffen den entsprechenden Rahmen. Alles folgt dem American Way: Was billig ist, darf auch so aussehen. Funktionalität ist nicht so wichtig. Verstreute Schalter und zu tief angeordnete Hauptinstrumente zählen zu den Mängeln, die schon Tester in den 70ern ausgiebig kritisieren. Für Ford bedeutet der Taunus einen radikalen Technikwandel. Nach dem über die Vorderräder angetriebenen 12M kehrt die deutsche Tochter zur konventionellen Bauweise zurück. Immerhin hängt die starre Hinterachse nicht wie beim größeren 17M an Blattfedern, sondern weist Schraubenfedern und Längslenker auf. Im Interesse des Fahrkomforts sind Federn und Stoßdämpfer weich ausgelegt, was zu einem zwiespältigen Ergebnis führt. Schlechte Straßen wischen den ersten Eindruck eines geschmeidigen Reisewagens weg: Der Taunus schwankt wie ein Schiff auf hoher See. Ganz unamerikanisch der Motor, ebenfalls neu entwickelt: ein Reihenvierzylinder mit oben liegender Nockenwelle. Er ist leistungs- und drehfreudig, nervt aber mit Brummfrequenzen – ein gutes Argument für den Sechszylinder, den Ford als Einziger in dieser Preisklasse anbietet.

Test: Kleinwagen der 70er

Fahrzeugdaten Ford Taunus 1600 GXL
Motor Reihenvierzylinder
Ventile/Nockenwellen 8/1
Nockenwellenantrieb Zahnriemen
Hubraum 1576 ccm
Bohrung x Hub 87,65 x 66 mm
kW (PS) bei U/min 65 (88)/5200
Nm bei U/min 126/4000
Höchstgeschwindigkeit 163 km/h
Getriebe Viergang manuell
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Trommel
Testwagenbereifung 165/80 R 13 T
Verbrauch (Werksangabe) 12,5 Liter/100 km
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 54 Liter/Super
zulässiges Gesamtgewicht 1445 kg
Kofferraumvolumen 325 l
Abgas CO2 (berechnet nach Werksverbrauch) 296 g/km
Messwerte
Beschleunigung 0-50/-80 km/h 5,2/10,9 s
Beschleunigung 0-100 km/h 15,6 s
Zwischenspurt 60-100/80-120 km/h 14,2/15,9 s
Bremsweg aus 100 km/h 61,8 m
Leergewicht/Zuladung 1034/411 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 59/41 Prozent
Wendekreis (links/rechts) 11,0/11,2 m
Innengeräusch bei 50/100 km/h 68/73 dB (A)
Testverbrauch - CO2 10,3 l - 244 g/km
Reichweite 520 km
Kosten
Steuern pro Jahr 191 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 109 Euro
Werkstattintervalle 10.000 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 150/320 Euro
Zeitwert (Zustand 3, Stand Juni 2012) 2700 Euro

Autor: Götz Leyrer

Fotos: U. Sonntag

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