Kleine Cabrios

Seat Tango Smart Roadster

Kleine Cabrios

— 30.04.2002

Die frechen Sonnenkinder

Zehn Jahre nach dem Mazda MX-5-Debüt erleben kleine Cabrios eine neue Blütezeit. Jetzt wollen auch andere Hersteller mit günstigen Roadstern auf Kundenfang gehen.

Heiraten, Familie gründen, Kinder kriegen - was gestern noch die Norm war, scheint heute längst überholt. Denn die Zahl der Singles in Deutschland wächst so beständig wie die Nachfrage nach flotten Autos für diese Zielgruppe. Einen praktischen Kombi oder einen modernen Van kann man sich ja später noch zulegen. Vorher wollen die meist jungen Käufer ihre automobile Freizeit genießen - und womit geht das besser als mit einem kleinen Roadster? Das hat jetzt auch Volkswagen erkannt. Intensiv arbeiten die Wolfsburger an einem Zweisitzer auf Polo-Basis. Der könnte dem neuen Golf im Herbst 2003 auf der IAA in Frankfurt die Show stehlen und im Frühjahr 2004 in seine erste Open-Air-Saison starten. Erklärte Strategie des VW-Marketings: Vom Filius (Polo-Roadster) über die Ehefrau (Golf) bis zum Herrn des Hauses (Phaeton) bleibt die Familie der Marke treu.

VW: Roadster auf Polo-Basis

VW Spider: Bekanntes Polo-Gesicht, dazu Technik aus dem VW-Regal, fertig ist der Polo als Spaß-Roadster für rund 18.000 Euro.

Angesichts moderner Technik dürfte das nicht schwer fallen. Basis ist die Plattform des aktuellen Polo, deren Radstand um wenige Zentimeter verkürzt wird. Auf rund 3,85 Meter Länge bietet der Roadster Platz für zwei Personen. Etwa 150 Liter Volumen stehen fürs Gepäck zur Verfügung. Aus Kostengründen setzt VW auf ein konventionelles Stoffdach mit Einhebelbedienung. Nach Lösen des Zentralverschlusses lässt es sich automatisch in einem Verdeckkasten versenken. Geräusch- und Wärmeisolierung sollen kaum schlechter sein als bei einem Hardtop. Für Sicherheit bei einem möglichen Überschlag sorgen neben dem verstärkten Windschutzscheibenrahmen zwei starre Überrollbügel.

Das Design der Frontpartie orientiert sich am aktuellen Polo-Gesicht, im Innenraum soll es aber eine stärkere Differenzierung geben. Groß ist die Auswahl an Motoren. Unter 100 PS läuft aber zumindest zum Verkaufsstart nichts: Die Basismotorisierung wäre 1,4 Liter Hubraum, 16 Ventile und 100 PS - gut für 190 km/h Höchstgeschwindigkeit. Denkbar sind zudem die neuen Benzindirekteinspritzer aus dem Lupo (105 PS) und Golf FSI (110 PS). Kleine Sensation: Auch als Pumpe-Düse-TDI soll der kleine Roadster Karriere machen. Zwei Vierzylinder-Varianten mit Pumpe-Düse-Technik stünden zur Wahl - mit 100 und 130 PS aus jeweils 1,9 Liter Hubraum. Letztere dürfte das Leichtgewicht auf über 200 km/h Spitze bringen. Als dritte Alternative könnte sogar der Dreizylinder mit 75 PS noch ausreichend Fahrspaß bei extrem niedrigem Verbrauch garantieren. Avisierter Preis: ab 17.000 Euro.

Seat: Aufregender Tanz im Tango

Optisch aufregender als der offene Polo ist der Konkurrent aus eigenem Haus. Wenn der Seat Tango zum Tanz bittet, bekommen wohl auch andere Konkurrenten von den Käufern einen Korb. Der Tango wurde als Studie auf der IAA 2001 präsentiert - und eroberte die Herzen der Besucher im Sturm. Ganz im Sinne der Neupositionierung der Marke in einem sportlichen Bereich zusammen mit Bugatti und Audi hat der mittlerweile für Audi arbeitende Walter de Silva ein dynamisches Auto auf die Räder gestellt. Zwar fehlen der 3,68 Meter kurzen Karosserie noch ein Stoffdach und der Kofferraum, aber bis zur Serienreife vergehen laut des neuen VW-Konzernchefs Bernd Pischetsrieder ohnehin noch drei Jahre.

Genug Zeit, um Platz für Gepäck, Ablagen hinter den Sitzen und, so VW, "mindestens 20 Zentimeter mehr Länge" zu schaffen. Technisch basiert der Tango ebenfalls auf der Kleinwagen-Plattform des Konzerns (VW Polo, Skoda Fabia und Seat Ibiza). Bei der Leistung darf es aber etwas mehr sein als beim Volkswagen-Roadster - wobei die 180 PS aus dem 1,8-Liter-Turbomotor der Studie als Topmotorisierung gelten. Beim Einstiegspreis will Seat unter der 20.000-Euro-Schwelle bleiben.

MCC: Smart Roadster mit 85 PS

Smart Roadster: Kurz und knackig präsentiert sich der 85 PS starke Zweisitzer.

Deutlich billiger wird der MCC Smart Roadster, der im nächsten Sommer auch als Coupé auf den Markt kommt. Rund 15.000 Euro wären für den puristischen Zweisitzer fällig. Angetrieben wird der 700 Kilogramm leichte und 3,22 Meter kurze Winzling von einem leistungsgesteigerten Dreizylinder mit 0,7 Liter Hubraum und 85 Pferdestärken. Weitere Zutaten: eine komfortable McPherson-Vorderachse, ESP, Elektrische Servolenkung, Sportlenkrad, optional mit Lenkradschaltung für das Sechsganggetriebe.

Ganz kleine Brötchen backen auch die Japaner. Irgendwie hat der Daihatsu Copen bereits in seinem Namen den Auftrag mitbekommen, die Design-Ikone Audi TT möglichst perfekt zu kopieren. Der Bonsai-Roadster ist aber kürzer (3,39 Meter) als sein Vorbild und nicht so üppig motorisiert. Gerade mal 65 PS liefert der Dreizylinder-Turbomotor aus 659 Kubikzentimeter Hubraum, doch sind auch stärkere Versionen mit rund 90 PS denkbar. Über einen Export nach Deutschland wird frühestens im Herbst entschieden - zu spät für die Cabrio-Saison 2002. Im nächsten Jahr könnte der Zweisitzer bei uns zu haben sein - für rund 14.000 Euro preislich eine Alternative zum Smart Roadster. Pfiffig: Das serienmäßige Vario-Klappdach lässt sich innerhalb von 20 Sekunden automatisch versenken.

Auf dem Pariser Automobilsalon im Oktober 2002 feiert die Serienversion des bei Pininfarinagebauten Ford StreetKa Premiere. Die Markteinführung ist für Frühjahr 2003 geplant. Stilistisch und technisch zeigt der Zweisitzer verwandtschaftliche Nähe zum Kleinwagen Ka, die Motoren kommen vom neuen Fiesta. Der 1,6-Liter-16V mit 100 PS bildet vorläufig das obere Ende des Leistungsangebots. Damit sind etwa 188 km/h Spitze möglich. Zweites Triebwerk wäre der neu entwickelte 1,4-Liter, ebenfalls mit 16 Ventilen, aber nur 80 PS. Für diese Einstiegsversion müssen Sonnenhungrige etwa 14.500 Euro kalkulieren.

Mazda: 2004 kommt der neue MX-5

Konkurrent Opel kontert mit einem Tigra Roadster. Optisch hat der Neue nichts mehr mit dem gleichnamigen Coupé zu tun, das 2000 eingestellt wurde. Die Front trägt die markanten Züge des Opel-Designs, moderne Großserientechnik vom Corsa steckt unter der schicken Schale. Das Stoffdach verschwindet wie beim Ford komplett in einem Kasten. Premierentermin wäre frühstens 2004, weil gegenwärtig der neue Vectra und der nächste Astra Priorität genießen. Apropos Genuss: Mit dem 125 PS starken 1,8-Liter ist der Tigra Roadster flott motorisiert. Knapp 18.000 Euro wären für den offenen Rüsselsheimer fällig.

Teurer wird der Frischluft-Spaß im Einser BMW. Die Cabrio-Studie vom Genfer Salon ist zwar noch nicht endgültig abgesegnet, kommt aber wohl doch. Möglicher Verkaufsstart: 2004. Unter 20.000 Euro ist der Viersitzer aber nicht zu haben. Immerhin gibt es dafür ein agiles Handling, mit 115 PS gute Fahrleistungen und eine überdurchschnittliche Verarbeitung. Die darf man auch von Mercedes SLA und Mazda MX-5 erwarten. Die Schwaben könnten Ende 2003 unterhalb des SLK einen kleinen Roadster mit A-Klasse-Technik platzieren. Hintergrund: Der geniale Klappdach-SLK ist mittlerweile für Einsteiger zu teuer. Möglicher Preis des SLA mit 125 PS: etwa 22.500 Euro.

Die Japaner bringen 2004 den Nachfolger des einstigen Nischengründers. Dessen Design wird aggressiver, die Motoren stärker. Zudem wachsen Länge und Radstand, es bleibt aber beim Heckantrieb. Nicht nur für den US-Markt steckt ein kleiner Zweiliter-V6 mit rund 170 PS in der Pipeline. Und Citroën zeigt Mut mit dem Pluriel. Das Multitalent auf Basis des C3 lässt sich in mehreren Stufen öffnen. Wer will, kann die Dachholme stehen lassen oder komplett demontieren. Der Viersitzer kommt nächstes Jahr für etwa 16.000 Euro.

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