Kleine Raumwunder im Vergleich

Honda Jazz, Mercedes-Benz A-Klasse, Opel Meriva Honda Jazz, Mercedes-Benz A-Klasse, Opel Meriva

Kleine Raumwunder im Vergleich

— 22.09.2004

Gernegroß für Kind und Kegel

Honda Jazz, Mercedes A-Klasse, Opel Meriva. Drei ideale Familien-Kutschen, die fast alles packen.

Geniale Verwandlungskunst im Innenraum

Die Kleinen sind echt klasse. Fragt sich nur: In welche gehören sie denn eigentlich? Mit nur 3,8 Meter Länge zählen Honda Jazz und Mercedes-Benz A-Klasse zu den Kurzwaren. Der Opel Meriva dagegen braucht Parklücken, die 20 Zentimeter länger sind.

Auch bei den Motoren keine einheitliche Linie. Der Honda 1.4i leistet 61 kW/83 PS, der Mercedes-Benz A 150 bringt es auf 70 kW/95 PS, und der Opel 1.6 markiert mit 74 kW/100 PS die sportliche Spitze. Die Preis-Wertung verliert dann eindeutig der Stern: 18.502 Euro kostet der fünftürige A 150 Classic, die Basispreise von Honda und Opel liegen runde 4000 Euro darunter.

Was also vereint dieses Trio wirklich? Kurz und klar gesagt: Es ist die zum Teil geniale Verwandlungskunst im Innenraum. Selten sind auf so kleiner Grundfläche so viele gute Ideen verwirklicht worden. Dieses Trio eignet sich somit gleichermaßen für den Stadt- wie Fernverkehr, befördert spielend auch noch manche Ikea-Fuhre.

Meriva besitzt die pfiffigste Variabilität

So räumt Opels junger Meriva gleich im ersten Kapitel voll ab: Er bietet das beste Raumangebot hinten, kann am meisten einpacken, zuladen sowie anhängen und besitzt die pfiffigste Variabilität. Auf der freien Autobahn hängt er mit etwas Anlauf und 178 Spitze die Konkurrenz ab. Der Mercedes-Benz rennt 175, der Honda wird mit 170 km/h angegeben.

Der im Januar 2002 wieder erschienene Honda Jazz (ein kleinerer Vorgänger floppte von 1984 bis 86 in Deutschland, ist jetzt bereits ein seltener Youngtimer) zeigt im ersten Kapitel dieses Vergleichs Schwächen vor allem beim Platzangebot und den Bremsen (warm).

Der Jazz des Jahrgangs 2005 wird in diesen Tagen zwar in einigen Details leicht renoviert, was die Wertung aber nicht verändert. Nur das demnächst erhältliche Stabilitäts-Program VSA (nicht mit CVT-Automatik lieferbar) könnte das jetzt schon gute Fahrverhalten um einen oder zwei Punkte aufwerten. Doch das kann erst ein erneuter Test zeigen. Bleiben wir also dem jetzigen Jazz treu und freuen uns über den vergleichsweise kleinen Wendekreis sowie den wunderbar elastischen Motor.

Keine optimale Sitzposition in der A-Klasse

Die niegelnagelneue A-Klasse hingegen zeigt keine Ausreißer nach unten, gefällt innen durch beste Geräuschdämmung und das große Platzangebot auf den Vordersitzen. Wobei die Sitzposition aufgrund des sehr steil stehenden Lenkrads noch nicht optimal ist. Auch stößt die vordere Konsole etwas üppigeren Insassen ans Knie.

Nun, auf so kleiner Grundfläche müssen Kompromisse eingegangen werden. Aber daß Mercedes-Benz dem Blinkerhebel links neben dem Schalter für die vorderen Wischer auch noch den Heckwisch-Kontakt einpflanzt, ist lästig. Auch wenn es eine Automatik-Stellung gibt – in der Praxis greift man doch öfter in den Intervall-Rhythmus ein, muß dann mühsam den Blinkerhebel umgreifen.

Beim Schalten des kurzen Getriebeknüppels stört die Mittelarmlehne – alternativ ist die stufenlose Automatik "Autotronic" (Aufpreis 1682 Euro; lieferbar ab Anfang 2005) im Prinzip empfehlenswert und paßt sicher zum Charakter des 1,5-Liters. Denn der summt sahnig vorn im Untergrund, gibt sich agil und drehfreudig.

Honda Jazz-Motor ist japanisch-munter

Vergessen wir endlich die nordische Hirschrasse, die der A-Klasse mal böse Beinchen stellte. Dank serienmäßigem ESP, überarbeiteten Achsen und einem gegenüber dem Vorgänger um 15 Zentimeter verlängerten Radstand hat sich das Fahrverhalten spürbar verbessert. Die alte Segler-Weisheit "Länge läuft" läßt sich eben auch auf Autos übertragen. Die sehr leichtgängige, elektromechanische Lenkung könnte allerdings etwas besseren Bodenkontakt vermitteln.

Der jazzige Honda hat die im Vergleich gefühlloseste Lenkung. Sie ist zwar auch angenehm leichtgängig, vermittelt aber ebenfalls nicht den richtigen Fahrbahnkontakt. Dafür ist der Motor japanisch-munter, auch Bleifuß quittiert er mit noch akzeptabler Gräuschentwicklung.

Der Opel Meriva könnte bei dem ohnehin auf Klassenniveau befindlichen Fahrverhalten noch einen Punkt mehr machen, wenn er denn den Schleuderschutz ESP serienmäßig hätte. Er kostet leider immer noch Aufpreis. Beim Meriva gefällt neben dem agilen Motor vor allem der gute Fahrkomfort, der fast ein wenig Oberklasse-Gefühl bietet. Auch die Sitze unterstützen diesen Eindruck und bemühen sich, kurze Bodenwellen noch wegzubügeln.

Preis kostet die A-Klasse den Sieg

Bei Raumgefühl und Rundumsicht ähnelt sich das Trio. Bleibt nur die Frage, warum Honda dem Jazz vorne so kleine Dreieckfenster eingesetzt hat. Vermutlich sollen sie optisch den Van-Charakter betonen, denn eine bessere Übersicht bringen sie nicht.

Bleibt der in diesen Zeiten und in dieser Klasse so wichtige Blick auf die Kosten. Die Honda- und Opel-Basispreise notieren rund 4000 Euro unter der Ansage von Mercedes-Benz. Macht rund 27 Prozent oder 20 bzw. 21 Punkte Abstand – was dem Baby-Benz unterm Strich den Sieg kostet.

Beim Spritdurst liegt er dafür um 0,4 Liter vor dem Opel, beide wiederum deutlich hinter Honda. Punkte heimst der A 150 bei der Versicherung ein. Er ist bei den Versicherungskosten fast 500 Euro billiger als Opels Meriva. Wenn sich also an den Typklassen nie etwas ändern würde, hätte der kleine Benz in acht Jahren seinen Neupreis-Nachteil wieder wettgemacht. Doch damit ist natürlich kaum zu rechnen, denn die Typklassen werden ja jährlich neuermittelt und dem aktuellen Schadenverlauf angepaßt.

Kosten und Ausstattungen

Daß die A-Klasse vorn mitfährt, dafür sorgt die gute Sicherheits-Ausstattung. Nur hier sind für 389 Euro Seitenairbags hinten zu haben. Ab Werk vorhanden: Seiten-/Kopf-Airbags vorn sowie der Schleuderschutz ESP, das elektronische Stabilitätsprogramm. Und wenn eines traurigen Tages der "Alte" mal weg muß? Dann hält erstaunlicherweise der Meriva die Euros zusammen, ganz knapp vor Baby-Benz und dem jazzigen Honda.

Technische Daten und Testwerte

Der Meriva bremst kalt am besten, bei heißer Bremse ist die A-Klasse vorn. Der Jazz könnte insgesamt besser sein, ist aber vorn zu schwer, so daß die Hinterräder nicht ihr Optimum leisten können. Insgesamt sind um die 40 Meter nicht berauschend.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz Donnerwetter, knapper geht's kaum. Dem pfiffigen Opel sei der Sieg gegönnt. Der Mercedes-Benz verliert vor allem wegen des happigen Preises. Hauptgewinner aber ist in jedem Fall diese Klasse der kleinen Vans. Autos der Vernunft für Kleinfamilien – aber auch für alle, die mal mehr als nur Windeln transportieren müssen. Wobei ich mal wieder sagen möchte: Jeder kann sich seinen individuellen Sieger errechnen, er muß nur die für ihn weniger wichtigen Kriterien weglassen.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Opel Meriva, Mercedes-Benz A-Klasse und Honda Jazz. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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